Fränkischer Rotweinwanderweg im Überblick
Der Weg liegt vollständig im Landkreis Miltenberg und im nördlich angrenzenden Großostheim, also in der Gegend, die touristisch unter dem Namen Churfranken auftritt. Offiziell schreibt sich die Route „Fränkischer Rotwein Wanderweg“, im Alltag hat sich die Schreibweise Fränkischer Rotweinwanderweg durchgesetzt. Die Orte in Reihenfolge von Nord nach Süd: Großwallstadt, Großostheim, Obernburg, Elsenfeld, Erlenbach, Klingenberg, Großheubach, Miltenberg und Bürgstadt.
Der Grund für den Rotwein an dieser Stelle ist geologisch. Die Hänge bestehen aus Buntsandstein, der Boden erwärmt sich schnell, und das enge Tal hält die Wärme. Am Untermain sind entlang der Strecke 14 eingetragene Weinlagen auf zusammen rund 180 Hektar ausgewiesen, darunter der Klingenberger Schlossberg, der Erlenbacher Hochberg und die Bürgstadter Mainhölle. Großostheim bringt mit Heiligenthal, Reischklingeberg und Harstell drei weitere Lagen ein. Angebaut wird vor allem Spätburgunder, daneben Portugieser und andere rote Sorten.
Die Höhenunterschiede halten sich in Grenzen: Der tiefste Punkt liegt bei etwa 112 Metern, der höchste bei rund 262 Metern. Trotzdem summieren sich über die Gesamtstrecke je nach Quelle zwischen gut 900 und knapp 1.200 Höhenmeter, weil der Weg immer wieder vom Mainufer in die Weinberge hinauf und zurück ins Tal führt. Die reine Gehzeit für alle Etappen wird mit etwa 20 Stunden angegeben.
Das Wegzeichen ist ein Römerglas, gefüllt mit Rotwein. In den Orten und an wichtigen Abzweigen ergänzen Wegweiser die Markierung. An mehreren Punkten hat Churfranken Hörstationen eingerichtet, an denen man Wissenswertes über den Weinbau der Gegend abrufen kann.
Der Weg liegt vollständig im Landkreis Miltenberg und im nördlich angrenzenden Großostheim, also in der Gegend, die touristisch unter dem Namen Churfranken auftritt.
Die Etappen des Rotweinwanderwegs
Churfranken gliedert die Strecke in sechs Etappen. Die Kilometerangaben unterscheiden sich zwischen Tourenportalen um wenige hundert Meter, die folgende Tabelle folgt der Einteilung der Tourismusregion.
| Etappe | Von – bis | Länge | Charakter |
|---|---|---|---|
| 1 | Großwallstadt – Großostheim | 16,2 km | weitgehend flach, Silbersee, Lage Reischklingeberg |
| 2 | Großostheim – Elsenfeld | 17,2 km | längste Etappe, über Obernburg, Kloster Himmelthal |
| 3 | Elsenfeld – Erlenbach | 14,6 km | über Rück und Schippach |
| 4 | Erlenbach – Klingenberg | 4,1 km | kurz, Steillagen, terroir f, Schlossberg |
| 5 | Klingenberg – Großheubach | 10,1 km | Röllfeld, Kreuzkapelle, Danielshöhle |
| 6 | Großheubach – Bürgstadt | 15,2 km | Kloster Engelberg, Altstadt Miltenberg, Centgrafenberg |
Etappe 1 bis 3: vom Bachgau an den Main
Die erste Etappe beginnt in Großwallstadt am Lützeltaler Berg und ist die ruhigste der sechs. Sie führt am Silbersee vorbei, durch die Lage Reischklingeberg und an der Wendelinuskapelle entlang nach Großostheim, wo das Bachgaumuseum steht. Wer den Weinbau der Gegend nur von den Steillagen weiter südlich kennt, ist hier überrascht, wie offen die Landschaft ist.
Die zweite Etappe ist mit 17,2 Kilometern die längste. Sie berührt Obernburg und führt nach Elsenfeld. In Obernburg lohnt ein Halt: Die Römer legten hier um 107/110 n. Chr. ein Kastell an der Mündung der Mümling an, das Römermuseum zeigt Funde aus dieser Zeit, und in der Altstadt steht mit dem Almosenturm einer der Türme der mittelalterlichen Befestigung. Kurz vor dem Ziel liegt das ehemalige Kloster Himmelthal. Die dritte Etappe bleibt auf der Spessartseite und läuft über die Dörfer Rück und Schippach nach Erlenbach.
Rotweinwanderweg Klingenberg: die Etappen 4 und 5
Für viele Wanderer ist der Abschnitt um Klingenberg der Grund, überhaupt anzureisen. Wer nach dem Rotweinwanderweg Klingenberg sucht, meint in der Regel die kurze 4. Etappe von Erlenbach und den Beginn der 5. Etappe Richtung Großheubach. Zusammen sind das gut 14 Kilometer, die sich an einem Tag gut gehen lassen.
Etappe 4: Erlenbach – Klingenberg
In Erlenbach beginnen die Steillagen auf Buntsandstein. Der Ort nennt sich deshalb „Tor zu den Weinterrassen“. Die Etappe startet an einer Grünanlage im Ort, biegt in die Mechenharder Straße ein und steigt zum Bergschwimmbad hinauf, wo auch Parkplätze liegen. Über Treppen geht es zu einem Pavillon mit Blick auf Erlenbach und das gegenüberliegende Wörth.
Danach verläuft der Weg auf einem Wirtschaftsweg bergauf, am Hohbergkreuz vorbei, und hält sich dann am Hang hoch über dem Main. Links steht Wald, rechts liegen die Terrassen des Erlenbacher Hochbergs. Auf halber Strecke erreicht man die Picknickplattform und den Aussichtspunkt terroir f Churfranken, einen von mehreren Orten, die als „magische Orte des Frankenweins“ ausgezeichnet sind. Von dort sieht man auf Wörth, die Schiffswerft am Ufer und bereits auf Klingenberg.
Das letzte Drittel gehört dem Klingenberger Schlossberg. Nach der Statue des heiligen Urban, des Schutzpatrons der Winzer, erreicht der Weg den Ortsrand und führt über Bergwerkstraße und Rathausstraße in die Altstadt. Eine ausgeschilderte Variante zweigt am Ortseingang über die Clingenburgstraße zur Burgruine ab und kehrt über den Burgweg zurück. Die Gehzeit liegt bei gut einer Stunde, der Anstieg bei rund 130 Höhenmetern.
Der Rotweinwanderweg Klingenberg endet damit dort, wo bis 2019 die Clingenburg Festspiele in der Burgruine stattfanden. Wer mehr über die Ruine selbst wissen will, findet die Baugeschichte auf der Seite zur Clingenburg. Aus der Altstadt führen 287 Stufen hinauf zur Burg. Die Anlage war ab 1177 Sitz der Herren von Clingenburg, ab 1250 saßen dort die Bickenbacher; 1871 erwarb die Stadt die Ruine. Wer den Umweg über die Burg nimmt, sieht von oben über die Terrassen des Schlossbergs hinunter auf den Fluss.
Etappe 5: Klingenberg – Großheubach
Die 5. Etappe beginnt in Klingenberg auf dem Johannesweg und steigt sofort an. Ein Feldweg durch Weinberge bringt die Wanderer nach Röllfeld, das heute zu Klingenberg gehört. Über Urbanusstraße und Oberlandstraße erreicht man die Kreuzkapelle, quert den Röllbach und läuft durch die Weinbergsanlage am Restberg in einen lichten Kiefernwald.
Ein steiler Abstieg führt in den Großheubacher Weinbergsweg. Kurz vor Großheubach liegt die Danielshöhle, danach ein etwa vier Hektar großer Weinberg der Staatlichen Hofkellerei Würzburg. Schon von hier sieht man Kloster Engelberg auf seiner Anhöhe. Das Etappenziel ist das Alte Rathaus in Großheubach. Für die gut zehn Kilometer werden etwa zweidreiviertel Stunden veranschlagt, die Wegführung gilt als mittelschwer.
Der Klingenberger Schlossberg
Der Schlossberg ist die Lage, mit der Klingenberg als Rotweinstadt bekannt wurde. Er liegt unterhalb der Clingenburg, nach Süden bis Südwesten ausgerichtet, und umfasst rund 25 Hektar. Der größte Teil davon ist mit roten Sorten bestockt, vor allem Spätburgunder und Blauer Portugieser. Die Terrassen sind teilweise so schmal, dass nur zwei Rebzeilen, an manchen Stellen sogar nur eine, darauf Platz finden.
Getragen werden sie von Trockenmauern aus rotem Buntsandstein, die tagsüber Wärme speichern und nachts abgeben. Die Terrassenanlage steht seit 1986 unter Denkmalschutz. In den Mauerfugen wachsen seltene Farne, Kräuter und Blumen, weshalb die Pflege der Mauern auch eine Naturschutzaufgabe ist.
Weinbau am Schlossberg ist seit Jahrhunderten belegt; eine Beschreibung von 1646 lobt den Wein der Lage ausdrücklich. Ab 1505 gehörte Klingenberg zum Erzstift Mainz. Heute bewirtschaften unter anderem das Weingut Stadt Klingenberg und das Weingut Rudolf Fürst aus Bürgstadt Parzellen am Schlossberg. Der Verband der Prädikatsweingüter führt die Lage als VDP.Große Lage.
Weinorte am Fränkischen Rotweinwanderweg
Jeder Ort an der Strecke hat seinen eigenen Charakter. Erlenbach am Main ist Industriestadt und Weinort zugleich. Klingenberg besteht aus den Stadtteilen Klingenberg, Trennfurt und Röllfeld und lebte lange auch vom Tonbergbau, der erst am 16. Dezember 2011 endete. Mehr zu Stadt, Stadtteilen und Sehenswürdigkeiten steht auf der Seite über Klingenberg am Main.
Großheubach hat am Bischofsberg einen Weinlehrpfad mit Tafeln zum Rebschnitt, zu Rebsorten und zum Jahreslauf im Weinberg. Hier geht die Etappe 6 an den Fuß des Engelbergs, dessen Kloster über 612 Sandsteinstufen zu erreichen ist.
Die letzte Etappe führt durch Miltenberg mit seinem Fachwerk-Marktplatz und über den Main nach Bürgstadt. Von Großheubach aus folgt sie zunächst dem Engelbergweg, passiert bei Miltenberg die Lage Steingrübler und erreicht über die Altstadt die Mainbrücke. Auf der anderen Flussseite steigt der Weg in die Bürgstadter Weinberge; kurz vor dem Ziel liegt die Martinskapelle. Tafeln am Weg erklären Rebsorten und Arbeitsschritte im Weinberg. Von der Anhöhe bei der Lage Hohenlinde sieht man über den Fluss auf Miltenberg und die Weinberge der Mainhölle. Bürgstadt selbst gilt als Hochburg des Spätburgunders, und die Route endet am Centgrafenberg oberhalb des Ortes. Wer nach dem Ziel noch Zeit hat, findet Anregungen auf der Seite über Ausflugsziele im Landkreis Miltenberg.
Einkehr: Häckerwirtschaften und Weingüter
Fast jeder Ort, den der Fränkische Rotweinwanderweg berührt, hat Häckerwirtschaften, also Straußwirtschaften, in denen Winzer eigenen Wein und einfache Speisen ausgeben. Sie öffnen nur zu bestimmten Wochen im Jahr und nicht regelmäßig. Den aktuellen Stand verzeichnet der Churfranken-Weinkalender. Am Startpunkt in Erlenbach hängt zudem eine Tafel mit Weinfesten und Öffnungszeiten.
Größere Weingüter liegen direkt an der Route, etwa in Erlenbach, Großheubach und Bürgstadt. Wer in einem der Orte übernachten will, sollte in den Wochen der Weinfeste früh buchen, zum Beispiel wenn im August das Klingenberger Winzerfest stattfindet.
Praktisches zu den Etappen
Der Weg ist ganzjährig begehbar. Im Winter sind die Weinbergswege nach Regen allerdings rutschig, und viele Häckerwirtschaften haben dann geschlossen. Die meisten Wanderer kommen zwischen Austrieb im Frühjahr und Lese im Herbst.
Unterwegs wechseln Schotter, Asphalt und Naturwege; auf der 4. Etappe ist gut die Hälfte Schotter, gut ein Fünftel asphaltiert. Feste Schuhe reichen. Die Steigungen sind kurz, aber am Klingenberger Schlossberg und zwischen Röllfeld und Großheubach steil.
Für die Anreise ist die Bahn praktisch. Die Strecke Aschaffenburg–Miltenberg folgt dem Main, der Bahnhof von Klingenberg liegt im Stadtteil Trennfurt. Wer mit dem Auto kommt, fährt über die A3 bis Stockstadt und weiter auf der B469 in Richtung Miltenberg. Parkplätze in Klingenberg und die Wege vom Bahnhof zur Altstadt beschreibt die Seite Anreise und Parken.
Über Churfranken lassen sich geführte Wanderungen mit örtlichen Gästeführern und ein Gepäcktransport zwischen den Unterkünften buchen. Eine Broschüre mit Wegbeschreibung, Höhenprofilen, Unterkünften und Einkehrmöglichkeiten gibt es über die Tourist-Informationen der Region.
Abseits der markierten Route liegen in Klingenberg die Pfarrkirche St. Pankratius, das Wein- und Heimatmuseum und oberhalb der Stadt der Ringwall mit einem Aussichtsturm von 1903. Das lässt sich mit einer Übernachtung zwischen Etappe 4 und 5 gut verbinden, zumal die 5. Etappe mit gut zehn Kilometern den Vormittag kaum ausfüllt.
Wer nur einen Tag hat, sollte mit Etappe 4 beginnen: Sie ist kurz, zeigt die Steillagen auf engstem Raum und lässt Zeit für die Burgruine. Für den Rückweg fährt die Bahn von Trennfurt aus nach Norden in Richtung Aschaffenburg und nach Süden in Richtung Miltenberg.
Häufige Fragen
Wie lang ist der Fränkische Rotweinwanderweg?
Der Weg ist rund 79 Kilometer lang und führt von Großwallstadt im Norden bis Bürgstadt im Süden. Die Tourismusregion Churfranken teilt ihn in sechs Etappen auf.
Welche Etappe führt nach Klingenberg?
Die 4. Etappe kommt von Erlenbach und endet nach gut vier Kilometern in Klingenberg. Die 5. Etappe beginnt dort und führt über Röllfeld nach Großheubach.
Woran erkennt man die Markierung?
Das Wegzeichen zeigt ein Römerglas, das mit Rotwein gefüllt ist. An Ortseingängen und Abzweigen stehen zusätzlich Wegweiser.
Kann man die Etappen mit der Bahn verbinden?
Ja. Die Bahnstrecke Aschaffenburg–Miltenberg läuft parallel zum Main, Klingenberg hat einen Bahnhof im Stadtteil Trennfurt. So lassen sich Start und Ziel einer Etappe gut ohne Auto erreichen.
Wann ist die beste Zeit für den Rotweinwanderweg?
Der Weg ist ganzjährig begehbar. Im Frühjahr treiben die Reben aus, im Herbst färben sich die Weinberge und die Häckerwirtschaften haben besonders häufig geöffnet.
Wie schwer ist der Weg?
Die Höhen liegen zwischen etwa 112 und 262 Metern. Die flachen Abschnitte im Norden sind leicht, die Steillagen zwischen Erlenbach und Großheubach verlangen kurze, kräftige Anstiege.
