Chronik vor 1994: Burgspiele und Laienbühne
Die Stadt Klingenberg kaufte die Ruine um 1870 und richtete sie als Festplatz her. 1891 fanden dort die ersten Burgspiele statt, die sogar bayerische Könige besuchten. Einen jährlichen Rhythmus hatten sie nicht. Aus den folgenden Jahrzehnten sind vor allem zwei Aufführungen belegt: die Andreas-Hofer-Festspiele 1926 mit rund 200 Mitwirkenden und die Wilhelm-Tell-Festspiele 1928.
Nach 1928 klafft eine lange Lücke. Erst von 1969 bis 1979 spielte wieder eine feste Gruppe auf der Burg, die „Laienschauspieler Bickenbach“. Dann folgten fast fünfzehn Jahre ohne regelmäßiges Theater, bis 1991 ein Wiener Schauspieler mit der Idee professioneller Freilichtspiele ins Rathaus kam und Bürgermeister Siegmar Markert dafür 1993 einen Verein gründete.
Die Stadt Klingenberg kaufte die Ruine um 1870 und richtete sie als Festplatz her.
Die ersten Spielzeiten 1994 bis 2008
Die erste Spielzeit 1994 hatte 20 Veranstaltungen und 8.500 Besucher. Intendant Udo Schürmer setzte auf Klassiker. 1995 inszenierte er Shakespeares „Der Sturm“, zugleich kamen das erste Kinderstück und ein Nachtprogramm im Rittersaal hinzu. Es folgten Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“ 1996 und „Der Widerspenstigen Zähmung“ 1997, auch Stücke nach Eichendorff standen in diesen Jahren auf dem Programm.
Ab 1998 änderte sich der Spielplan der Clingenburg Festspiele, denn nun kamen Musicals hinzu, zuerst „Der Mann von La Mancha“. Opern-Gastspiele, Musical- und Chansonabende kamen nach und nach hinzu, 2003 lief „The Scarlet Pimpernel“. Mit jedem Jahr wuchs die Zahl der Stücke und der Vorstellungen.
Georg Mittendrein übernahm 2005 die Intendanz. Für 2007 ist der vollständige Terminplan erhalten. Auf der Burg liefen das Kinderstück „Cinderella“ mit Vormittagsvorstellungen um 10 Uhr, der Schwank „Pension Schöller“ und das Musical „Buddy Holly“, die Premieren lagen zwischen dem 7. und 28. Juni. Gastspiele brachten „Nabucco“, „Philharmonic Rock“ und die Comedian Harmonists. Im Stadtschloss lief montags und dienstags „Theater im Schloss“ mit Abenden wie „Wiener Konzert Café“, „Karl Valentin oder Lachen ist gesund“ und „Geisterbahn Blues“. Die letzte Vorstellung von „Pension Schöller“ war am 5. August. 2008 folgte „Evita“, Mittendreins letzte Spielzeit.
Stücke und Spielzeiten unter Marcel Krohn 2009 bis 2018
Marcel Krohn begann 2009 mit „Cyrano de Bergerac“ und inszenierte in den ersten Jahren auch „Ein Sommernachtstraum“, „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Der eingebildete Kranke“. 2011 kam „Aida“, das Musical von Elton John, Premiere war am 22. Juni. Es gilt bis heute als erfolgreichste Produktion der Festspiele.
Die Spielzeit 2012 war die 19. und hatte zwei Spielorte. Auf der Burg liefen „Romeo und Julia“ ab dem 14. Juni, „Michel aus Lönneberga“ nach Astrid Lindgren ab dem 21. Juni und das Gastspiel „Venezianische Nacht“ am 2. und 3. Juli. Im Schlosshof des Stadtschlosses spielte Dorina Pascu ab dem 19. Juli „Piaf“ von Pam Gems. Knapp 34.500 Menschen kamen.
Zur 20. Spielzeit 2013 holte Krohn die deutschsprachige Erstaufführung von „Z – The Musical of Zorro“ von Robert W. Cabell nach Klingenberg, Premiere am 13. Juni, begleitet von einem 13-köpfigen Orchester unter Ralph Scheiner. Cabell selbst sah am 15. Juni eine Vorstellung. Dazu kamen Goethes „Faust I“ ab dem 18. Juli, das Dornröschen-Musical „Wachgeküsst“ von Christian Berg mit Musik von Konstantin Wecker sowie als Gastspiele Verdis „Rigoletto“ und „The Blues Brothers“.
2014 standen „My Fair Lady“ ab dem 18. Juni, Hofmannsthals „Jedermann“ ab dem 24. Juli und „Pippi Langstrumpf“ im Programm, als Gäste kamen die ABBA Tribute Show und „Men in Black“. Die 21. Spielzeit endete am 3. August mit über 34.000 Besuchern bei 58 Aufführungen.
2015 war das Jahr von „Dracula“, Premiere am 11. Juni mit Sektempfang und Live-Cooking. Shakespeares „Othello“ folgte am 16. Juli, das Kinderstück „Die kleine Hexe“ am 20. Juni. Beim Publikumspreis siegten Werner Wulz als Dracula, Regina Kletinitch als Lucy, Jane Chirwa als Desdemona und Selam Tadese als Jago. Als Gäste kamen die ABBA Tribute Show und die Queen Revival Band.
Die 23. Spielzeit 2016 brachte vier Eigenproduktionen mit 60 Vorstellungen: das Musical „Hair“ in der Regie von Peter Rein, „Die Räuber“ nach Schiller, das Familienmusical „Peter Pan“ als Welturaufführung mit Musik von Larissa Schories und Krohns Jugendstück „Jesus Mohammed geht baden“. Rund 31.000 Besucher kamen, das Konzert der Queen Revival Band am 2. August schloss die Saison.
2017 begann mit „Cabaret“ am 14. Juni. Es folgten „Aladin“ von Samuel Renken ab dem 17. Juni, das Volksstück „Ein Münchner im Himmel und in der Hölle“ ab dem 29. Juni und Kleists „Der zerbrochene Krug“ ab dem 21. Juli. „Jesus Mohammed geht baden“ wurde wiederaufgenommen und teils im Klingenberger Rosengarten gespielt. Als Gäste kamen am 1. August die Blues Brothers Tribute Show und am 8. August Mambo Mania, mit dem die Spielzeit endete.
Die Jubiläumsspielzeit 2018 war die größte. Sechs Eigenproduktionen standen auf dem Plan: die „West Side Story“ ab dem 15. Juni mit 20 Aufführungen, „Der verkaufte Großvater“ mit Hansi Kraus, Lessings „Nathan der Weise“, die Kinderstücke „Der gestiefelte Kater“ und „Tortuga“ sowie das Jugendstück „Count Future Down“. ONAIR und „Woodstock – The Story“ gastierten, die 25. Spielzeit endete am 12. August.
Die Spielzeit 2019
Wolfgang Hofmann verkürzte den Spielplan für 2019 auf vier Eigenproduktionen und strich Klassiker und Volkstheater. „Tschick“ eröffnete am 30. Mai, die „Rocky Horror Show“ folgte am 7. Juni, „Das Sams“ am 16. Juni und „Shakespeare in Love“ am 19. Juli. Die Beatles Revival Band spielte am 24. Juni, echoes mit „Barefoot to the Moon“ am 31. Juli und in einem Zusatzkonzert am 5. August. Die letzte Vorstellung war am 11. August 2019, drei Wochen später meldete der Verein Insolvenz an. Über 28.000 Besucher hatten die Spielzeit gesehen. Das Ensemble sammelte nach den Vorstellungen rund 7.000 Euro für die Hirschfeld-Eddy-Stiftung, ein Jahr nachdem die Darsteller von „Nathan der Weise“ über 8.400 Euro für Kinder im Jemen zusammengebracht hatten. Das Budget war für diesen Sommer von 1,1 auf 1,5 Millionen Euro gestiegen, dazu kamen fast 500.000 Euro für Technik und Kostüme.
Wie ein Spielplan der Clingenburg Festspiele aufgebaut war
Die gedruckten und online veröffentlichten Terminpläne folgten über die Jahre einer festen Logik. Premieren lagen meist auf einem Donnerstag oder Freitag, 2012 bis 2015 um 20.30 Uhr, ab 2017 um 20 Uhr. Sonntagabende begannen früher, oft um 19 Uhr, Familienvorstellungen am Wochenende um 15 Uhr. Die Vormittage um 10 Uhr gehörten den Kinder- und Jugendstücken, Karten dafür liefen über die Tourist-Information der Stadt Klingenberg und später über ein eigenes Bestellformular für Schulen und Kindergärten.
Der Spielplan verzahnte die Stücke bewusst. Wer zwei Produktionen sehen wollte, bekam Kombitickets: 2015 für „Dracula“ und „Othello“, 2017 für „Cabaret“ zusammen mit einem oder beiden Schauspielen, 2019 für die „Rocky Horror Show“ und „Shakespeare in Love“ für 74 Euro in Rang 1. Einmal pro Saison gab es in manchen Jahren einen Familiennachmittag mit Rabatt, 2013 am 7. Juli und 2014 am 22. Juni, dessen Karten nur die Tourist-Information verkaufte.
Zwischen Juni und August drängten sich so meist 50 bis 60 Termine, 2014 waren es 58 Aufführungen, 2016 allein bei den Eigenproduktionen 60. 2012 wechselten sich „Romeo und Julia“ am Abend und „Michel aus Lönneberga“ am Vormittag fast täglich ab, 2019 standen allein für die „Rocky Horror Show“ 21 Abende einschließlich Zusatzvorstellung im Plan. Bezahlt wurde dieser dichte Spielplan zum größten Teil aus Eintritt und Mitgliedsbeiträgen, dazu kamen regionale Förderer und Partner. Nach 2019 erschien kein neuer Spielplan der Clingenburg Festspiele mehr. Was seit 2021 im Sommer auf der Burg läuft, veranstaltet der Amateurverein MainMusical e.V. unter eigenem Namen, 2023 etwa das Musical „3 Musketiere“.
Alle Spielzeiten im Überblick
Die folgende Liste nennt die Stücke der Clingenburg Festspiele, die für das jeweilige Jahr belegt sind. Für Jahre ohne Eintrag sind keine verlässlichen Angaben erhalten, dort fehlt die Liste lieber, als dass sie rät.
- 1995Der Sturm · erstes Kinderstück · Nachtprogramm im Rittersaal
- 1996Das Käthchen von Heilbronn
- 1997Der Widerspenstigen Zähmung
- 1998Der Mann von La Mancha
- 2003The Scarlet Pimpernel
- 2007Cinderella · Pension Schöller · Buddy Holly · Gastspiele Nabucco, Philharmonic Rock, Comedian Harmonists · Theater im Schloss
- 2008Evita
- 2009Cyrano de Bergerac
- 2011Aida
- 2012Romeo und Julia · Michel aus Lönneberga · Piaf · Gastspiel Venezianische Nacht
- 2013Z – The Musical of Zorro · Faust I · Wachgeküsst · Gastspiele Rigoletto, The Blues Brothers
- 2014My Fair Lady · Jedermann · Pippi Langstrumpf · Gastspiele ABBA Tribute Show, Men in Black
- 2015Dracula · Othello · Die kleine Hexe · Gastspiele ABBA Tribute Show, Queen Revival Band
- 2016Hair · Die Räuber · Peter Pan · Jesus Mohammed geht baden · Gastspiele Michael Jackson Tribute Show, FALCO – the Show, Queen Revival Band
- 2017Cabaret · Ein Münchner im Himmel und in der Hölle · Der zerbrochene Krug · Aladin · Jesus Mohammed geht baden · Gastspiele The Blues Brothers Tribute Show, Mambo Mania
- 2018West Side Story · Der verkaufte Großvater · Nathan der Weise · Der gestiefelte Kater · Tortuga · Count Future Down · Gastspiele ONAIR, Woodstock – The Story
- 2019Tschick · Rocky Horror Show · Das Sams · Shakespeare in Love · Konzerte The Beatles Revival Band, echoes
Was der Spielplan der Clingenburg Festspiele verrät
Wer die Stücke der Clingenburg Festspiele nebeneinanderlegt, sieht, wie stabil das Grundmuster blieb. Fast jedes Jahr gab es ein großes Musical für die Abende, ein Schauspiel für ein literarisch interessiertes Publikum und ein Stück für Kinder, das vormittags vor Schulklassen lief. Diese Vormittage machten einen großen Teil der Termine aus: 2017 hatte „Aladin“ 22 Vorstellungen, mehr als das Musical „Cabaret“ mit 20.
Shakespeare zieht sich als roter Faden durch die Jahre, von „Der Sturm“ 1995 über „Romeo und Julia“ 2012 und „Othello“ 2015 bis zu „Shakespeare in Love“ 2019, einem Stück über den Dichter selbst. Das Musical kam erst 1998 dazu und wurde in den 2010er-Jahren zum wichtigsten Kassenfaktor, was die Preise zeigen: Für die „West Side Story“ kostete Rang 1 im Jahr 2018 50 Euro, für ein Schauspiel wie den „Münchner im Himmel“ 2017 waren es 32 Euro.
Welche Inszenierungen eine eigene Seite haben, zeigt die Übersicht der Theaterstücke. Geschichte und Baugeschichte der Burg selbst, deren Terrassen all diese Stücke trugen, beschreibt die Seite zur Clingenburg.
Häufige Fragen
Welche Stücke spielten die Clingenburg Festspiele zuletzt?
In der letzten Spielzeit 2019 standen „Tschick“, die „Rocky Horror Show“, „Das Sams“ und „Shakespeare in Love“ auf dem Spielplan, dazu Konzerte der Beatles Revival Band und der Pink-Floyd-Tributeband echoes.
Wann war die erste Spielzeit?
Die erste Spielzeit des 1993 gegründeten Vereins fand 1994 statt, mit 20 Veranstaltungen und 8.500 Besuchern. Theater auf der Burg gab es aber schon seit den Burgspielen von 1891.
Wie viele Spielzeiten gab es?
Von 1994 bis 2019 gab es 26 Spielzeiten. Die 25. Spielzeit 2018 war die Jubiläumsspielzeit mit sechs Eigenproduktionen, die 26. endete am 11. August 2019.
Gibt es einen aktuellen Spielplan der Clingenburg Festspiele?
Nein. Nach der Insolvenz des Trägervereins am 31. August 2019 fand keine Spielzeit mehr statt. Auf der Burg spielt seit 2021 im Sommer der Amateurverein MainMusical e.V. unter eigenem Namen.
Welche Produktion war am erfolgreichsten?
Als erfolgreichste Produktion gilt das Musical „Aida“ von Elton John aus dem Jahr 2011. In der Jubiläumsspielzeit 2018 war die „West Side Story“ mit 20 Aufführungen der Publikumsliebling.
