Spielzeit 2019

Clingenburg Festspiele 2019: Rocky Horror, Tschick, letzte Spielzeit

Die Spielzeit 2019 war die erste unter dem neuen Intendanten Wolfgang Hofmann und zugleich die letzte der Clingenburg Festspiele. Hofmann verkleinerte den Spielplan auf vier Eigenproduktionen und strich Klassiker und Volkstheater zugunsten neuerer Stoffe. Über 28.000 Menschen kamen zwischen Ende Mai und dem 11. August auf die Burgruine. Drei Wochen nach der letzten Vorstellung meldete der Trägerverein Insolvenz an.

Das Programm der Spielzeit 2019

  • 30. Mai 2019Tschick – nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf, Premiere
  • 7. Juni 2019Rocky Horror Show – Musical von Richard O’Brien, Premiere
  • 16. Juni 2019Das Sams – Eine Woche voller Samstage, Premiere
  • 24. Juni 2019The Beatles Revival Band – Konzert
  • 19. Juli 2019Shakespeare in Love – romantische Komödie, Premiere
  • 31. Juli 2019echoes – An Acoustic Tribute to Pink Floyd, Zusatzkonzert am 5. August

Tschick eröffnet die Saison

Wolfgang Herrndorfs Roman erschien 2010. Robert Koalls Bühnenfassung wurde am 19. November 2011 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt und in der Saison 2012/2013 zum meistgespielten Stück an deutschen Theatern. Auf der Clingenburg hatte Tschick am Donnerstag, 30. Mai 2019, Premiere, als erste Produktion unter dem neuen Intendanten. Oliver Pauli führte Regie und entwarf auch die Ausstattung: ein paar alte Schulbänke, eine Tafel und ein Lada, der qualmend auf die Bühne rollte.

Sasha Bornemann spielte den Tschick, Laura Bleimund die Isa, Stephanie Meisenzahl unter anderem Maiks Mutter. Die Inszenierung dauerte rund 90 Minuten ohne Pause und richtete sich an Jugendliche ab zwölf Jahren. Mehrere Vorstellungen fanden am Vormittag für Schulklassen statt.

Rocky Horror Show im Sturm

Die Premiere der Rocky Horror Show am 7. Juni begann mit leichter Verspätung, weil heftige Sturmböen über die Burg fegten. Hofmann half zusammen mit dem Regisseur, der Bühnenbildnerin und einigen Technikern, den Vorhang zu schließen und wieder zu öffnen. Regie führte Dirk Böhling, die musikalische Leitung hatte Philip Tillotson, die Choreografie Timo Radünz, Bühne und Kostüme Esther Bätschmann. Gesungen wurde auf Englisch, gesprochen auf Deutsch.

Denis Fischer spielte Dr. Frank-N-Furter, Lukas Witzel den Riff Raff, David Wehle und Pamina Lenn das Paar Brad und Janet. Helena Lenn war Magenta, Nikola Frehsee Columbia, Tilmann Rose der Erzähler. Für Mitspieler im Publikum gab es in der Tourist-Information einen Action Bag für 6 € mit Konfetti statt Reis und einem Schwamm statt Toast. Die Nachfrage war so groß, dass am 8. August eine Zusatzvorstellung angesetzt wurde.

Das Sams und Shakespeare in Love

Paul Maars Kinderbuch „Eine Woche voller Samstage“ erschien 1973. Hofmann inszenierte Das Sams für Kinder ab fünf Jahren selbst, Premiere war am Sonntag, 16. Juni. Alexandra Kurzeja spielte das Sams, Rüdiger Hellmann den Herrn Oberstein, Erika Simon die Verkäuferin.

Am 19. Juli folgte Shakespeare in Love in der Bühnenfassung von Lee Hall, ebenfalls in Hofmanns Regie. Pascal Thomas, der als Jugendlicher bei den Festspielen als Statist angefangen hatte, spielte Will Shakespeare. Laura Bleimund war Viola, Eveline Lembke die Königin Elisabeth, Rüdiger Hellmann der Fennyman. Die zehnte und letzte Vorstellung am Sonntag, 11. August 2019, beendete die 26. Festspielsaison.

Zwei Konzerte ergänzten das Programm: die Beatles Revival Band am 24. Juni und die Pink-Floyd-Tributeband echoes mit ihrem Programm Barefoot to the Moon. Auch für echoes kam wegen der Nachfrage ein zweiter Abend hinzu.

Das Ende der Festspiele

Die Schauspieler verzichteten in diesem Sommer auf ihre Premierengeschenke und sammelten nach den Vorstellungen Spenden. Rund 7.000 Euro gingen an die Hirschfeld-Eddy-Stiftung, die sich gegen Homo- und Transphobie einsetzt.

Finanziell ging die Rechnung nicht auf. Der Etat war von 1,1 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 1,5 Millionen Euro gestiegen. Etwa eine halbe Million floss in Technik und Kostüme, denn Licht- und Tonanlage waren veraltet. Die Festspiele hatten sich bis dahin zu rund 85 Prozent selbst finanziert, aus Eintritt, Mitgliedsbeiträgen, Sponsoren, Spenden und Medienverträgen. Nur 15 Prozent kamen aus öffentlichen Mitteln der Stadt Klingenberg, des Bezirks Unterfranken und des bayerischen Kunstministeriums. Eine deutliche Erhöhung dieser Förderung kam nicht zustande.

Am 31. August 2019 meldete der Verein Insolvenz an. Ohne Karteneinnahmen aus einer neuen Saison ließen sich die offenen Rechnungen nicht begleichen. In 26 Jahren hatten die Festspiele fast eine Million Besucher nach Klingenberg gebracht. Wie Wolfgang Hofmann an die Spitze kam und wer vor ihm die Festspiele leitete, beschreibt die Seite über die Intendanten.

Die Bühne blieb danach nicht dauerhaft leer. Im September 2022 kündigte der Verein Main-Musical aus Amorbach an, sich auf der Clingenburg anzusiedeln; für das folgende Jahr war das Musical „Die drei Musketiere“ geplant.

Häufige Fragen

Welche Stücke liefen 2019 auf der Clingenburg?

Die Eigenproduktionen waren Tschick, die Rocky Horror Show, Das Sams und Shakespeare in Love. Dazu kamen Konzerte der Beatles Revival Band und der Pink-Floyd-Tributeband echoes.

Wann endete die letzte Spielzeit der Clingenburg Festspiele?

Mit der Vorstellung von Shakespeare in Love am 11. August 2019. Es war die 26. Festspielsaison.

Warum mussten die Clingenburg Festspiele aufgeben?

Der Trägerverein meldete am 31. August 2019 Insolvenz an. Die Einnahmen der Saison reichten nicht, um alle Rechnungen zu bezahlen, und die öffentliche Förderung wurde nicht erhöht.

Wie viele Besucher kamen 2019?

Über 28.000 Menschen besuchten die Vorstellungen der letzten Spielzeit.