Linolschnitt: Fachwerkhäuser, Kirchturm und Weinbergterrassen einer kleinen Stadt am Main

Klingenberg am Main

Rotweinstadt am Untermain

Stadt unter der Clingenburg

Klingenberg am Main, 63911: die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Klingenberg am Main ist eine Kleinstadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg, am Untermain direkt an der Grenze zu Hessen. Bekannt ist sie für ihren Rotwein aus steilen Terrassenlagen, für den Ton, der hier über Jahrhunderte abgebaut wurde, und für die Burgruine Clingenburg über der Altstadt. Die Stadt zählt drei Stadtteile und rund 6.000 Einwohner.

6.006

Einwohner

So viele Menschen leben in Klingenberg, Röllfeld und Trennfurt (Bayerisches Landesamt für Statistik, Stand 31. Dezember 2025).

Linolschnitt: der Bergfried der Clingenburg über den Weinbergen

Die Stadt Klingenberg am Main im Überblick

Amtlich heißt die Stadt Klingenberg a.Main, im Alltag und auf Wegweisern meist Klingenberg am Main. Sie liegt im Regierungsbezirk Unterfranken und gehört zur Region Bayerischer Untermain und damit zum Rhein-Main-Gebiet. Nach Miltenberg, der Kreisstadt, sind es 12 Kilometer, nach Aschaffenburg 28 und nach Frankfurt am Main 67 Kilometer.

Der Main teilt das Stadtgebiet. Der alte Ort Klingenberg und der Stadtteil Röllfeld liegen rechtsmainisch am Fuß des Spessarts, Trennfurt gegenüber am westlichen Ufer, geografisch schon im Odenwald. Das Stadtgebiet umfasst 21,13 Quadratkilometer. Der tiefste Punkt liegt mit 116,5 Metern im Main, der höchste mit 385 Metern am Lausberg südwestlich von Trennfurt; das Zentrum liegt auf 128 Metern.

Nachbarn sind im Norden Erlenbach und Wörth am Main, im Osten die Spessartgemeinden Mönchberg und Röllbach, im Süden Großheubach und Laudenbach. Im Westen grenzt die hessische Odenwaldgemeinde Lützelbach an, die man allerdings nur über Wörth erreicht.

Die Verwaltung der Stadt Klingenberg sitzt im Rathaus in der Wilhelmstraße 12. Seit dem 1. Mai 2026 ist René Wolf (Freie Wähler) Erster Bürgermeister (Stand: September 2026). Eine Städtepartnerschaft verbindet Klingenberg seit 1980 mit der Weinbaugemeinde Saint-Laurent-d’Arce bei Bordeaux.

Amtlich heißt die Stadt Klingenberg a.Main, im Alltag und auf Wegweisern meist Klingenberg am Main.

63911 Klingenberg: Stadtteile, Postleitzahl und Einwohner

Die Postleitzahl 63911 gilt für ganz Klingenberg am Main, also für Klingenberg, Röllfeld und Trennfurt gleichermaßen. Eine Adresse in 63911 Klingenberg verrät also nicht, auf welcher Mainseite sie liegt; das zeigt erst der Stadtteil. Die Telefonvorwahl lautet 09372.

Zusammengewachsen ist die heutige Stadt am 1. Januar 1976. Im Zuge der bayerischen Gebietsreform wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Röllfeld und Trennfurt mit Klingenberg vereinigt. Schon 1972 war der alte Landkreis Obernburg aufgelöst worden; seitdem gehört Klingenberg zum Landkreis Miltenberg.

Das Bayerische Landesamt für Statistik weist für die Stadt 6.006 Einwohner aus, Stand 31. Dezember 2025. Die Zahl schwankt seit Jahrzehnten nur wenig: 1988 lebten hier 5.987 Menschen, 2000 waren es 6.361, 2018 dann 6.160.

Die Einwohner haben übrigens einen Spitznamen. Sie heißen „Klingenberger Spatzen“, und noch in den 1970er Jahren lernten Schulkinder ein Lied, das damit anfängt. Erklärt wurde der Name schon im 19. Jahrhundert damit, dass es in der Stadt gar keine Spatzen gebe: Zwischen lauter Reben und wenig Ackerbau fänden sie nichts zu fressen.

Vom Namen Clingenburg zu Klingenberg am Main

Der Ort hat seinen Namen von der Burg über ihm. Die historischen Schreibweisen lassen sich gut verfolgen: 1100 Clingenburg, 1108 Clingenburch, 1241 Clingenberg, 1594 Klingenberg, 1675 „Klingenberg am Meyn“ und seit 1888 Klingenberg a. Main. Aus der Burg wurde also im Lauf von 140 Jahren ein Berg, und der Zusatz „am Main“ unterscheidet die Stadt von anderen Orten gleichen Namens. Die Burg selbst behielt die alte Form. Mehr zu ihr steht auf der Seite über die Clingenburg.

Besiedelt war die Gegend lange vorher. Im 2. Jahrhundert nach Christus stand im heutigen Trennfurt ein römisches Kastell am Mainlimes. Ein 1751 gefundener römischer Weihestein ist in die Trennfurter Kirche eingemauert und gehört zu den ältesten Zeugnissen der Stadtgeschichte. Aus dem frühen Mittelalter stammen ein Ringwall und der Kirchhof der aufgegebenen Kirche St. Michaelis in Grubingen an der Straße nach Großheubach; der Ort Grubingen wurde um 1630 verlassen.

1100 nannte sich ein Edler namens Heinrich nach der alten Clingenburg. Die staufische Burg entstand wenig später unter Conradus Colbo, um 1250 übernahmen die Herren von Bickenbach. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste erhaltene Erwähnung der Stadt, von 1276. Auf dieses Jahr bezieht sich das Jubiläum „750 Jahre Stadtrechte“, das Klingenberg 2026 feiert.

1504 fiel Klingenberg durch einen Gebietstausch an Kurmainz. Das Mainzer Rad steht bis heute im Stadtwappen, über einem grünen Dreiberg. 1552 zerstörten die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades die Altstadt im Markgräflerkrieg fast vollständig; in den folgenden Jahrzehnten wurde sie wieder aufgebaut. Viele Fachwerkhäuser in der Hauptstraße, der Kirchengasse und der Lindenstraße stammen aus dem 16. Jahrhundert. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss kam die Stadt 1803 an das Fürstentum Aschaffenburg, 1810 an das Großherzogtum Frankfurt und 1814 an das Königreich Bayern.

Ton und Rotwein: wovon die Stadt lebte

Das Tonbergwerk

Der Wohlstand Klingenbergs im 19. Jahrhundert kam aus dem Boden. Oberhalb der Seltenbachschlucht lagerte ein ungewöhnlich reiner Ton, entstanden vor rund 5 Millionen Jahren im Pliozän. Das Bergwerk wird 1567 zum ersten Mal erwähnt. Der Ton ging bis in die Vereinigten Staaten und nach Indien und wurde unter anderem in der Bleistiftindustrie dem Graphit beigemischt.

Die Erträge waren so hoch, dass die Stadt ihren Bürgern Ende des 19. Jahrhunderts die Steuern erließ und zusätzlich ein Bürgergeld zwischen 200 und 400 Reichsmark zahlte. Gebaut wurden davon ein Aussichtsturm, eine Mainbrücke, eine Schule, ein neues Rathaus und die großbürgerlichen Häuser in der Wilhelmstraße und der Ludwigstraße. 1897 bekam Klingenberg als eine der ersten Gemeinden der Region ein unterirdisch verlegtes Stromnetz mit eigenem Elektrizitätswerk. Auch der Kauf der Burgruine um 1870 wurde aus dem Tongeld bezahlt.

Am 16. Dezember 2011 war Schluss. Das Werk war technisch auf dem Stand der 1950er Jahre stehen geblieben, ein Investor fand sich nicht. Zuletzt fuhren nur noch neun Bergleute ein; in der Blütezeit waren es rund 80.

Rotweinstadt am Schlossberg

Den Beinamen Rotweinstadt trägt Klingenberg zu Recht. Bewirtschaftet werden etwa 30 Hektar Reben in drei Lagen: dem Klingenberger Schlossberg mit 25 Hektar, dem Erlenbacher Hohberg mit 2 Hektar auf der Klingenberger Seite und der Lage Einsiedel mit 2 Hektar in Trennfurt. Auf rund 23 Hektar steht Rotwein, vor allem Spätburgunder und Blauer Portugieser; bei den Weißen überwiegt Müller-Thurgau. In den drei Stadtteilen arbeiten etwa 15 Winzer.

Die Terrassen mit ihren Trockenmauern aus Buntsandstein gehen auf das Mittelalter zurück und stehen seit 1986 unter Denkmalschutz. Die Hänge sind im Schnitt so steil wie ein 45-Grad-Dach, manche Parzellen erreicht man nur über bis zu 250 Stufen, und jeder Handgriff geschieht ohne Maschinen. Ein eigener Museumsweinberg zeigt seltene Rebsorten.

Getrunken wird der Wein vor Ort in den Häckerwirtschaften, die sich über das Jahr abwechseln. Das große Klingenberger Winzerfest findet seit 1950 im August statt; nach Angaben des Weinbauvereins fällt es allerdings auch 2026 aus. Um den 1. Mai lädt das Historische Weinfest auf die Clingenburg ein. Wer den Wein lieber erwandert, folgt dem Fränkischen Rotweinwanderweg, der durch Klingenberg führt.

Klingenberg am Main: Sehenswürdigkeiten in der Altstadt

Wer in Klingenberg Sehenswürdigkeiten besichtigen will, kommt ohne Auto aus. Die Altstadt ist klein, und fast alles liegt zwischen Main und Weinberg.

Altes Rathaus, Brunntorturm und Stadtmauer

Das Alte Rathaus von 1561 gilt als das schönste Fachwerkhaus der Stadt, mit Krüppelwalmdach, Mittelerker und großen Arkaden im gemauerten Sockel, unter denen früher eine offene Markthalle lag. Als Rathaus diente es bis 1885, danach bis 1934 als Postamt. Nach der Restaurierung zog 2001 die Touristeninformation ein.

Von der Stadtmauer mit ihren drei Toren ist ein Teil der Stadtentwicklung um 1900 zum Opfer gefallen. Erhalten sind die Mauern zwischen Burg und Altstadt, ein Abschnitt am Schlosshof und das südliche Tor, der Brunntorturm. Sein Untergeschoss stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, der Rest aus dem 16.; oben lagen Arrestzellen, und die Zwiebelhaube kam im 18. Jahrhundert dazu.

Stadtschloss und Rosengarten

Das Stadtschloss ist ein Renaissancebau von 1560. Errichtet hat es der Mainzer Amtmann aus der Familie Kottwitz von Aulenbach, der dafür die Burg aufgab; ab 1693 wohnte die Familie von Mairhofen darin, bis 1892. Heute ist es in Privatbesitz. Zum Ensemble gehören das Torhaus mit großem Sandsteinportal und der Schlosshof. Dort gab es seit 1741 einen Rosengarten im französischen Stil mit einem Teehäuschen von 1799. Die Stadt legte ihn 1981 neu an, und im Sommer finden darin Konzerte statt.

Kirchen

Die katholische Pfarrkirche St. Pankratius steht markant über der Altstadt. Im Kern ist sie spätgotisch, 1467 als „Neue Kapelle“ gebaut. Den Turm, den sogenannten Echterturm, bekam sie 1617, finanziert aus dem Vermögen der Mutterkirche in Grubingen; 1892 wurde der Bau umgestaltet und erweitert.

Ganz anders sieht die evangelische Trinitatiskirche nördlich der Altstadt aus. Franz Gürtner entwarf sie auf dreieckigem Grundriss, als Bild der Dreifaltigkeit, gebaut 1965 und am 5. Juni 1966 geweiht. Von außen dominieren die gefalteten Dachflächen und der spitze Turmhelm. Innen stehen eine reine Holzorgel mit 11 Registern von Henk Klop und ein Buntglasfenster von Josef Reißl. Wer nur Zeit für eine Kirche hat, sollte diese nehmen.

In Trennfurt lohnt die Wehrkirche St. Maria Magdalena, ein Barockbau von 1751 bis 1755 nach Plänen von Johann Martin Schmidt, umgeben von einer mittelalterlichen Wehrmauer. Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Röllfeld stammt ebenfalls aus der Barockzeit.

Museen, Natur und Aussichtspunkte

Das Weinbau- und Heimatmuseum wurde 1984 eröffnet und liegt am Brunntorturm. Es zeigt den ganzen Weg vom Rebstock zur Flasche, mit einem nachgebauten Rebhang, einer Weinpresse von 1806, Küferei, Weinkeller und einer rekonstruierten Häckerwirtschaft. In zwei Schaustollen wird das Tonbergwerk erklärt, samt Grubenlampen, Keramik, Uniformen und einer Bleistiftsammlung. Im Erdgeschoss steht die komplette Dorfschmiede aus Röllfeld; weiter oben geht es um alte Berufe, die Rolle der Frau um 1900, eine Webstube und ein Schulzimmer. Geöffnet ist das Museum in der Saison von April bis Oktober (Stand: September 2026).

Ein zweites Museum gibt es nicht mehr. Das Teddymuseum, 1994 von Renate und Wolfgang König gegründet, zeigte Bären aller namhaften deutschen Hersteller und Comicfiguren von Petzi bis Paddington. Es schloss 2008.

Draußen ist die Auswahl größer. Die Seltenbachschlucht östlich der Stadt gehört zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns; ihre Wände legen 250 Millionen Jahre Erdgeschichte im roten Buntsandstein frei. Oberhalb der Rebhänge beginnt an der Clingenburg der Esskastanien-Lehrpfad, 2011 eingerichtet, 2,6 Kilometer lang, mit 13 Tafeln. Er führt durch den größten zusammenhängenden Esskastanienwald des Spessarts, etwa 8,5 Hektar. Der Aussichtsturm von 1903 im Wald auf dem Schlossberg bietet von 22 Metern Höhe den Blick über den Main nach Röllfeld, Trennfurt, Erlenbach und Wörth. Wer in Klingenberg Sehenswürdigkeiten und Wanderung verbinden möchte, geht über den Sonnenweg von der Burg durch die Weinberge zum Turm hinauf.

Wirtschaft, Radwege und Verkehr

Die Industrie hat den Ton abgelöst. Zu den großen Unternehmen zählt WIKA, ein Hersteller von Druck- und Temperaturmesstechnik mit Werk in Trennfurt; in Röllfeld produziert der Lackhersteller Hemmelrath. Die Stadt liegt an der Route der Industriekultur Rhein-Main, und der Tourismus ist ein eigener Wirtschaftszweig.

Für Radfahrer ist die Stadt Klingenberg ein Knotenpunkt. Durch Trennfurt führen entlang des Mains vier Fernrouten: der Main-Radweg mit rund 600 Kilometern, der 3-Länder-Radweg als 225 Kilometer langer Rundkurs durch Odenwald, Neckar- und Maintal, der Deutsche Limes-Radweg über 818 Kilometer von Bad Hönningen nach Regensburg und die D-Route D5 über 1.021 Kilometer von Saarbrücken bis zur tschechischen Grenze.

Mit Auto und Bahn ist Klingenberg am Main gut angebunden. Die B 469 verbindet die Stadt vierspurig mit Aschaffenburg und den Autobahnen, durch den Ort führt die Staatsstraße 2309. Der Bahnhof liegt in Trennfurt an der Strecke Aschaffenburg–Miltenberg. Die Mainbrücke, die beide Ufer verbindet, sprengten deutsche Truppen 1945 beim Rückzug; 1950 wurde sie ersetzt. Einzelheiten zu Zügen, Straßen und Parkplätzen stehen unter Anreise und Parken, die Buslinien unter Busfahrpläne. Wer die Umgebung erkunden will, findet Ziele im ganzen Landkreis Miltenberg.

Von 1994 bis 2019 brachte ein weiteres Ereignis jeden Sommer Zehntausende in die Stadt: die Clingenburg Festspiele auf der Burgruine. Die 26. und letzte Saison 2019 zählte über 28.000 Besucher. Welche Stücke dort liefen, dokumentiert die Chronik.

Häufige Fragen

Welche Postleitzahl hat Klingenberg am Main?

Die Stadt hat die Postleitzahl 63911, sie gilt für alle drei Stadtteile Klingenberg, Röllfeld und Trennfurt. Die Telefonvorwahl ist 09372.

Wie viele Einwohner hat Klingenberg am Main?

Das Bayerische Landesamt für Statistik weist 6.006 Einwohner aus, Stand 31. Dezember 2025.

Zu welchem Landkreis gehört Klingenberg?

Klingenberg gehört seit dem 1. Juli 1972 zum Landkreis Miltenberg im Regierungsbezirk Unterfranken. Vorher lag die Stadt im Landkreis Obernburg am Main.

Warum heißt Klingenberg Rotweinstadt?

Auf rund 30 Hektar Terrassenweinbergen wird überwiegend Rotwein angebaut, vor allem Spätburgunder und Portugieser. Die größte Lage ist der Klingenberger Schlossberg mit etwa 25 Hektar.

Gibt es das Teddymuseum in Klingenberg noch?

Nein. Das 1994 von Renate und Wolfgang König eröffnete Teddymuseum wurde 2008 geschlossen. Das Weinbau- und Heimatmuseum am Brunntorturm ist weiterhin in der Saison geöffnet.

Was ist der Unterschied zwischen Klingenberg und der Clingenburg?

Klingenberg am Main ist die Stadt, die Clingenburg die Burgruine über ihrer Altstadt. Der Ort hieß um 1100 selbst noch Clingenburg und hat den Namen von der Burg übernommen.