Linolschnitt: Marktplatz mit hohen Fachwerkhäusern und Brunnen, darüber eine Burg

Landkreis Miltenberg

Ausflüge zwischen Spessart und Odenwald

Altstädte, Burgen und der Main

Miltenberg Sehenswürdigkeiten: Altstadt und Ausflugsziele im Landkreis

Wer in Miltenberg Sehenswürdigkeiten sucht, muss kaum laufen: Die Altstadt liegt auf einem schmalen Streifen zwischen Main und Odenwaldhang, und fast alles Wichtige reiht sich an einer einzigen Straße auf. Darüber steht die Mildenburg, darunter fließt der Fluss. Der Landkreis Miltenberg reicht vom Spessart bis in den Odenwald und hat neben der Kreisstadt ein Kloster mit einer der großen Barockorgeln Süddeutschlands, römische Kastellorte und die Rotweinterrassen um Klingenberg.

32

Gemeinden

Der Landkreis umfasst rund 715 Quadratkilometer mit 32 Gemeinden, darunter sieben Städte.

Linolschnitt: Klingenberg am Main mit Kirchturm und Weinbergen

Die Altstadt von Miltenberg

Die Altstadt entstand zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in mehreren Abschnitten. Weil das Tal eng ist, wuchs die Stadt in die Länge statt in die Breite. Ihre Grenzen markieren zwei Tore, die beide 1379 erstmals erwähnt sind: das Mainzer Tor im Westen und das Würzburger Tor im Osten. Dazwischen verläuft die Hauptstraße, an der die meisten Sehenswürdigkeiten in Miltenberg stehen.

Innerhalb der Mauern lassen sich die Wachstumsphasen noch ablesen. Das Schwertfegertor und das Wamessertor begrenzten die erste Stadterweiterung, bevor die heutigen Außentore gebaut wurden. Wer die Hauptstraße einmal ganz abgeht, passiert also mehrere Stadtgrenzen, ohne es zu merken.

Marktplatz Schnatterloch

Der Marktplatz heißt in Miltenberg „Schnatterloch“. Fachwerkhäuser umschließen ihn, dazu der Schnatterlochturm und ein Renaissancetor, durch das der Weg zur Burg hinaufführt. In der Mitte steht der Marktbrunnen, den Michael Juncker 1583 schuf. Die Tourist-Information bezeichnet das Ensemble als einen der meistfotografierten Orte Deutschlands, und an einem Samstagvormittag im Sommer glaubt man das sofort.

Mildenburg und Museum Burg Miltenberg

Die Burg über der Stadt wurde ab 1144 angelegt; Bergfried und Ringmauer stammen noch aus dieser frühen Zeit. Seit 1979 gehört sie der Stadt, 1971 wurde die Außenhülle saniert, 2011 war die Gesamtrestaurierung abgeschlossen. Heute beherbergt sie das Museum Burg Miltenberg. Es zeigt eine Sammlung rumänischer Hinterglasikonen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, nach Angaben des Museums die größte ihrer Art in Deutschland, dazu orthodoxe Ikonen und moderne Kunst, unter anderem von Ernst Barlach, Joseph Beuys und Sigmar Polke.

Der Aufstieg vom Schnatterloch dauert nur wenige Minuten. Oben lohnt der Blick über die Dächer auf die Mainschleife. Im Dezember ist der Burghof Teil des Weihnachtsmarkts in Miltenberg, im Spätsommer wird von der Mildenburg das Abschlussfeuerwerk der Michaelismesse gezündet.

Gasthaus „Zum Riesen“ und das Schwarzviertel

An der Hauptstraße steht das Gasthaus „Zum Riesen“, erstmals 1411 erwähnt. Miltenberg führt es als älteste Fürstenherberge Deutschlands; zu den Gästen, die die Tourist-Information aufzählt, gehören Könige, Erzbischöfe und Feldherren, in jüngerer Zeit auch Elvis Presley. Das Haus ist bis heute Gastwirtschaft.

Ebenfalls an der Hauptstraße beginnt das Schwarzviertel, der älteste Teil der Stadt. Das Fachwerkhaus Hauptstraße 136 gilt als ältestes erhaltenes der Stadt und wird auf etwa 1339 datiert. Im selben Viertel braut die Brauerei Faust, die auch das Festbier der Michaelismesse liefert.

Museen an der Hauptstraße

Das Museum Stadt Miltenberg belegt die Häuser Hauptstraße 169 bis 175. Das Haupthaus ließ der Mainzer Amtmann Bernhard von Hardheim 1541 errichten, dazu gehören die frühere Lateinschule und ein Renaissancegarten. Hier steht auch der Toutonenstein, eine rund fünf Meter hohe Sandsteinsäule mit einer bis heute rätselhaften Inschrift, gefunden am Greinberg oberhalb der Stadt.

Kleiner ist das Apothekenmuseum in der Hauptstraße 116. Die Apotheke besteht seit 1514 und gilt als älteste am Untermain, das barocke Fachwerkhaus wurde 1704 neu gebaut. Ausgestellt sind Geräte, Fayence- und Glasgefäße und Kräuterbücher ab dem 16. Jahrhundert, dazu gehört ein Heilkräutergarten.

Mainufer und Mainbrücke

Die Mainbrücke wurde 1900 gebaut, 1945 zerstört und 1950 wieder errichtet. Der mittelalterliche Brückenturm auf der Altstadtseite blieb stehen. Seit 2008 entlastet eine zweite Brücke, die Martinsbrücke, die Altstadt vom Durchgangsverkehr. Entlang der Mainpromenade reihen sich Bänke, und am Ufer nahe der Schiffsanlegestelle liegt eine der Heunesäulen, ein tonnenschwerer Säulenrohling aus dem Odenwald. Eine Schwester dieser Säule schenkte Miltenberg 1975 der Stadt Mainz zum tausendjährigen Domjubiläum; sie steht dort auf dem Markt. Was es mit den Säulen im Wald auf sich hat, steht auf der Seite mit den Geheimtipps in und um Miltenberg.

Eine Kleinigkeit, die man leicht übersieht: der Staffelbrunnen. Er liegt einige Stufen unter dem Straßenniveau, und weil die Bewohner dort früher Wasser holten, nennt man sie bis heute „Staffelbrunser“. Ein Bronzebrunnen mit Figuren erinnert an den Spitznamen, und in der Fastnacht wird er ausgiebig gepflegt.

Weil das Tal eng ist, wuchs die Stadt in die Länge statt in die Breite.

Miltenberg Sehenswürdigkeiten zu Fuß: ein Rundgang

Ein sinnvoller Weg beginnt am Engelplatz bei der Tourist-Information und führt zuerst zum Mainzer Tor am westlichen Ende der Altstadt. Von dort folgt man der Hauptstraße bis zum Würzburger Tor im Osten und nimmt unterwegs das Schnatterloch mit dem Aufstieg zur Mildenburg, das Museum Stadt Miltenberg, das Gasthaus „Zum Riesen“ und das Schwarzviertel mit. Zurück läuft man am besten auf der Mainpromenade, mit dem Fluss auf der einen und der Stadtsilhouette auf der anderen Seite.

Die Wege sind kurz, aber mit Museen und Burg füllt der Rundgang leicht einen Tag. Wer nur zwei Stunden hat und in Miltenberg Sehenswürdigkeiten auswählen muss, sollte Schnatterloch, Mildenburg und das Schwarzviertel nehmen und die Museen auf einen zweiten Besuch verschieben.

Wer die Miltenberg Sehenswürdigkeiten lieber mit Erklärungen sieht, kann sich einer öffentlichen Stadtführung anschließen. Treffpunkt der klassischen Führung ist die Tourist-Information am Engelplatz, der Rundgang dauert etwa eine Stunde. Die festen Wochentage wechselt die Stadt je nach Saison, Gruppen buchen eigene Termine.

Ausflugsziele im Landkreis Miltenberg

Der Landkreis Miltenberg entstand 1972, als der Landkreis Obernburg am Main mit dem alten Landkreis Miltenberg zusammengelegt wurde. Er umfasst rund 715 Quadratkilometer und 32 Gemeinden, darunter die sieben Städte Amorbach, Erlenbach am Main, Klingenberg am Main, Miltenberg, Obernburg am Main, Stadtprozelten und Wörth am Main. Touristisch tritt die Gegend als Churfranken auf. Die wichtigsten Ausflugsziele im Landkreis Miltenberg liegen fast alle am Main oder wenige Kilometer davon entfernt, was die Planung einfach macht.

Amorbach: Abteikirche und Stumm-Orgel

Südlich von Miltenberg, im Odenwald, liegt Amorbach. Das Kloster wurde um 734 gegründet; ob von Benediktinern oder von iro-schottischen Mönchen, ist in der Forschung umstritten. Die heutige Abteikirche wurde 1742 bis 1747 nach Plänen von Maximilian von Welsch barock umgestaltet, die Fresken malte Matthäus Günther.

Bekannt ist die Kirche vor allem für ihre Orgel. Die Brüder Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm bauten sie von 1774 bis 1782, ursprünglich mit 45 Registern auf drei Manualen und Pedal. Es ist das größte Instrument, das die Orgelbauerfamilie Stumm in ihrer rund 200-jährigen Geschichte gebaut hat; seit dem Umbau 1982 hat es 66 Register. Nach der Säkularisation 1803 fiel das Kloster an die Fürsten zu Leiningen, die es als Residenz nutzten. Seit 1861 ist die Abteikirche evangelisch-lutherisch. Zum Komplex gehören außerdem der Grüne Saal und die Bibliothek, beide 1783 bis 1787 im frühklassizistischen Stil gebaut.

Wörth und Obernburg am Main

Wörth am Main ist eine kleine Stadt mit langer Schiffbautradition, die bis 1652 zurückreicht. Das Schifffahrts- und Schiffbaumuseum ist in der ehemaligen St. Wolfgangskirche untergebracht und zeigt, wie Binnenschifffahrt und Schiffbau am Main sich entwickelt haben. Die Altstadt schützt seit 2001 eine 550 Meter lange Hochwasserschutzmauer; dazu kommen der Tannenturm aus dem 15. Jahrhundert und das Obere Tor.

Obernburg liegt an der Mündung der Mümling in den Main. Die Römer errichteten hier um 107/110 n. Chr. ein Kastell, das bis ins 3. Jahrhundert besetzt war. Das Römermuseum zeigt Funde aus dieser Zeit, und im Straßenplan der Altstadt sind die römischen Achsen noch zu erkennen. Von der mittelalterlichen Befestigung ist unter anderem der Almosenturm erhalten.

Klingenberg und die Clingenburg

Klingenberg am Main ist die Rotweinstadt des Landkreises. Über der Altstadt steht die Ruine der Clingenburg, zu der 287 Stufen hinaufführen; unterhalb liegen die denkmalgeschützten Terrassen des Schlossbergs. Die Stadt mit ihren Stadtteilen, dem Winzerfest im August und den Wegen zur Burg beschreibt die Seite über Klingenberg am Main.

Großheubach, Bürgstadt und Kleinheubach

Direkt neben Miltenberg liegen drei Orte, die man leicht mitnimmt. In Großheubach führen 612 Sandsteinstufen, die Engelsstaffeln, zum Kloster Engelberg auf etwa 250 Metern Höhe. Der Mainzer Erzbischof holte um 1630 Kapuziner auf den Berg, die Treppe wurde 1637 angelegt und ist von barocken Kapellen und Kreuzwegstationen gesäumt. Nach der Säkularisation 1803 kamen 1828 Franziskaner, die das Kloster fast zwei Jahrhunderte betreuten; seit November 2024 leben dort Oblaten des heiligen Joseph. Zum Kloster gehört eine Brauerei, deren dunkles Bier aus dem Holzfass ausgeschenkt wird.

In Bürgstadt ist das Museum in der Alten Mittelmühle untergebracht, die schon 1248 erwähnt wird; es erzählt von Sandsteinabbau, Weinbau und Tabakanbau. Kleinheubach hat einen Schlosspark, durch den eine Wanderroute von Miltenberg zum Engelberg führt.

Römer am Main: Limes und Kastelle

Miltenberg war schon in römischer Zeit ein Grenzort. Um 159/160 n. Chr. führten die Römer den sogenannten Vorderen Limes hier an den Main heran, und auf dem Stadtgebiet lagen zwei Kastelle: Miltenberg-Altstadt und Miltenberg-Ost. Sichtbar ist davon wenig, aber wer die Funde im Museum Stadt Miltenberg und im Römermuseum Obernburg gesehen hat, liest das Maintal anders. Nördlich von Miltenberg bildete der Main selbst als „nasser Limes“ die Grenze, gesichert durch Kastelle wie das in Obernburg. In Wörth sind die Reste eines kleineren Numeruskastells nur noch als flache Bodenwellen zu erkennen.

Wandern im Landkreis: Odenwald, Spessart und Rotwein

Odenwald und Spessart sind im Landkreis durch das Maintal getrennt. Auf der Odenwaldseite beginnen am Miltenberger Marktplatz mehrere markierte Rundwege, etwa der Römer-Weg M1 über den Ringwall am Greinberg und zum Felsenmeer oder der Greinberg-Weg M3 mit rund zehn Kilometern. Auf dem Greinberg lag in vorgeschichtlicher Zeit eine befestigte Siedlung von gut acht Hektar, in römischer Zeit standen dort zwei Tempel für Merkur.

Die bekannteste Weinwanderung ist der Fränkische Rotweinwanderweg. Er führt auf rund 79 Kilometern von Großwallstadt über Klingenberg, Großheubach und Miltenberg nach Bürgstadt. Die letzte Etappe verläuft direkt durch die Miltenberger Altstadt und über die Mainbrücke.

Anreise und Planung

Miltenberg liegt an der Bahnstrecke von Aschaffenburg, die 1876 eröffnet wurde; heute fahren die Züge etwa halbstündlich. Wer mehrere Ausflugsziele im Landkreis Miltenberg an einem Wochenende verbinden will, fährt am besten mit dem Zug den Main entlang und steigt in Obernburg-Elsenfeld, Klingenberg oder Miltenberg aus. Für Amorbach gibt es eine eigene Verbindung Richtung Seckach, die seit 1880 besteht.

Zu den Terminen, an denen die Stadt besonders voll wird, gehören die Michaelismesse Ende August und die Adventswochenenden. Wer die Sehenswürdigkeiten in Miltenberg in Ruhe sehen möchte, kommt besser an einem Wochentag außerhalb dieser Zeiten, am besten früh am Vormittag, bevor sich die Hauptstraße füllt.

Häufige Fragen

Welche Sehenswürdigkeiten in Miltenberg sind am bekanntesten?

Der Marktplatz Schnatterloch mit dem Marktbrunnen von 1583, die Mildenburg über der Stadt und das Gasthaus „Zum Riesen“ an der Hauptstraße. Alle drei liegen zu Fuß wenige Minuten auseinander.

Wie viel Zeit braucht man für die Altstadt von Miltenberg?

Für einen Rundgang vom Mainzer Tor bis zum Würzburger Tor mit Aufstieg zur Mildenburg reicht ein halber Tag. Mit Museen und einem Abstecher ans Mainufer wird es ein ganzer Tag.

Wie groß ist der Landkreis Miltenberg?

Der Landkreis umfasst rund 715 Quadratkilometer mit 32 Gemeinden, darunter sieben Städte. Kreisstadt ist Miltenberg.

Welche Ausflugsziele im Landkreis Miltenberg eignen sich bei Regen?

Das Museum Burg Miltenberg, das Museum Stadt Miltenberg, die Abteikirche in Amorbach und das Schifffahrts- und Schiffbaumuseum in Wörth sind überdacht und gut kombinierbar.

Kommt man ohne Auto nach Miltenberg?

Ja. Die Bahnstrecke Aschaffenburg–Miltenberg besteht seit 1876, heute fahren die Züge etwa halbstündlich. Unterwegs halten sie auch in Obernburg-Elsenfeld und Klingenberg.

Wo liegt die Clingenburg?

Die Burgruine steht über der Altstadt von Klingenberg am Main, im Norden des Landkreises. Von Miltenberg ist Klingenberg mit dem Zug in wenigen Stationen erreichbar.