Linolschnitt: Aussichtsbank im Wald über einer Mainschleife, liegende Steinsäulen im Morgennebel

Geheimtipps

Stille Orte rund um Miltenberg

Abseits des Marktplatzes

Miltenberg Geheimtipps: Ausflug, Wandern und stille Orte am Main

Die meisten Besucher sehen in Miltenberg den Marktplatz, steigen zur Burg und gehen wieder. Wer für Miltenberg Geheimtipps sammelt, findet sie meist ein paar hundert Meter weiter: im Wald hinter der Altstadt, wo römische Tempel standen, an einem Steinbruch mit liegengebliebenen Riesensäulen oder auf einer Sandsteintreppe gegenüber am Engelberg. Die folgende Auswahl beschränkt sich auf Orte, die tatsächlich zugänglich sind und die man ohne Führung findet. Manche dieser Geheimtipps in Miltenberg sind nur deshalb welche, weil sie ein paar Gassen abseits des Marktplatzes liegen; andere verlangen eine richtige Wanderung durch den Odenwald.

612

Stufen zum Engelberg

So viele Stufen führen von Großheubach hinauf zum Kloster Engelberg.

Linolschnitt: Marktplatz mit Fachwerkhäusern und Brunnen

Die Heunesäulen im Wald am Bullauer Berg

Zwischen Miltenberg und dem Stadtteil Mainbullau liegt im Wald ein Blockmeer aus Buntsandstein. Darin ruhen fünf gewaltige Säulenrohlinge, jede rund sieben Meter lang und gut einen Meter dick. Man nennt sie Heunesäulen, nach einem alten Wort für Riesen.

Wann und wofür sie gehauen wurden, ist nicht sicher belegt. Die verbreitete Annahme lautet, dass sie im 11. Jahrhundert für den Neubau des Mainzer Doms bestimmt waren, nachdem dieser um 1009 abgebrannt war. Abtransportiert wurden sie nie. Ursprünglich sollen es rund 42 Säulen gewesen sein, im 18. Jahrhundert waren noch 14 vorhanden.

Einige verließen den Wald im 20. Jahrhundert doch noch. Eine steht in München vor der Archäologischen Staatssammlung, eine im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, eine auf dem Mainzer Markt, wo sie 1975 zum tausendjährigen Domjubiläum aufgestellt wurde. Eine weitere liegt in Miltenberg selbst am Mainufer bei der Schiffsanlegestelle. Die im Wald sind trotzdem eindrucksvoller, weil man dort sieht, wie sie aus dem Fels gebrochen und roh behauen wurden.

Die Säulen liegen im Wald nahe der Kreisstraße Richtung Mainbullau. Wer von der Altstadt zu Fuß hinaufsteigt, macht daraus eine längere Waldwanderung auf die Odenwaldhöhe.

Zwischen Miltenberg und dem Stadtteil Mainbullau liegt im Wald ein Blockmeer aus Buntsandstein.

Wandern am Greinberg: Ringwall und Haagsaussicht

Der Greinberg ist der bewaldete Hügel direkt südwestlich der Altstadt, etwa 430 Meter hoch. Auf seinem Gipfel liegt ein Ringwall, den man ohne Vorwissen leicht für eine zufällige Geländekante hält. Der innere Wall umschließt auf rund einem Kilometer Länge gut acht Hektar, ein äußerer Wall von eineinhalb Kilometern fasst insgesamt 15,5 Hektar ein.

Gefunden wurden dort Spuren aus der Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Hallstatt- und Latènezeit, aus der römischen Kaiserzeit und aus der Völkerwanderungszeit. Die Römer bauten innerhalb und nördlich der keltischen Anlage zwei Tempel für Merkur; die Umrisse des größeren sind im Gelände noch erkennbar. Etwa 150 Meter südlich des Walls kam der Toutonenstein zutage, eine Sandsteinsäule mit einer bis heute nicht sicher gedeuteten Inschrift. Das Original steht im Museum Stadt Miltenberg, am Fundort erklärt eine Tafel die Geschichte.

Die Stadt hat mehrere Rundwege über den Greinberg ausgeschildert. Der Römer-Weg M1 startet am Marktplatz, führt über die Mainpromenade und das Schwertfegertor hinauf zum Ringwall, zur Haagsaussicht, an einem Steinkreuz vorbei und über einen Abschnitt des Limeswanderwegs zum Felsenmeer. Der Greinberg-Weg M3 ist mit rund zehn Kilometern etwas länger und umrundet den Gipfel. Von der Haagsaussicht schaut man weit über das Maintal; bei klarem Wetter ist das einer der weitesten Blicke auf die Stadt.

Das Felsenmeer

Das Felsenmeer ist ein Naturdenkmal aus Buntsandsteinblöcken, entstanden aus Ablagerungen, die Flüsse vor rund 245 Millionen Jahren in einer trockenen Landschaft hinterließen. Mehrere der markierten Wege führen daran vorbei, sodass es sich mit fast jeder Runde über den Greinberg verbinden lässt.

Der Ottostein-Weg M2

Weniger bekannt ist der M2. Er beginnt an der evangelischen Kirche und geht zuerst an der alten Stadtmauer entlang, dann am jüdischen Friedhof vorbei in die Schnatterlochschlucht. Weiter geht es zum Felsenmeer, zum Ottostein und über das Schützenhaus zurück in die Stadt. Wer nur eine Stunde hat und trotzdem aus dem Trubel heraus will, nimmt diesen Weg.

Mit Kindern: „3 im Wald“

Für Familien hat die Stadt die Route „3 im Wald“ angelegt. Sie startet am Marktplatz und verbindet einen Barfußpfad, einen Kunstpfad, einen Waldlehrpfad und einen Aussichtspunkt über Miltenberg. Spielplätze und Bänke liegen am Weg. Das Felsenmeer ist auch hier eingebunden.

Engelsstaffeln und Kloster Engelberg

Wenige Kilometer mainabwärts, oberhalb von Großheubach, steht auf rund 250 Metern Höhe das Kloster Engelberg. Hinauf führen die Engelsstaffeln, 612 Stufen aus rotem Sandstein, angelegt 1637. Die Treppe wird von sechs barocken Kapellen mit Passionsszenen und 14 Kreuzwegstationen von 1866 begleitet.

Das Kloster gründeten um 1630 Kapuziner, nach der Säkularisation 1803 übernahmen 1828 Franziskaner. Seit November 2024 leben dort die Oblaten des heiligen Joseph, die mit dem Engelberg ihr erstes Kloster in Deutschland bezogen haben. Die Wallfahrtskirche bewahrt eine hölzerne Madonna aus dem 14. Jahrhundert. Seit 1724 ist sie zudem Grablege der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Zum Kloster gehört eine Brauerei, deren dunkles Bier aus dem Holzfass kommt.

Wer von Miltenberg aus wandern will, findet eine Route, die am Engelplatz beginnt und über den Schlosspark in Kleinheubach, die Maria-Hilf-Kapelle und die Laurentiuskapelle sowie ein Stück Limeswanderweg zum Engelberg führt. Die Etappe 6 des Fränkischen Rotweinwanderwegs kommt ebenfalls vorbei. Oben öffnet sich der Blick über das Maintal; unten am Hang liegt der Weinlehrpfad am Großheubacher Bischofsberg.

Wandern am Main entlang Richtung Klingenberg

Einer der unterschätzten Miltenberg Geheimtipps liegt gar nicht in Miltenberg, sondern ein paar Kilometer flussabwärts. Zwischen Großheubach und Klingenberg verläuft die 5. Etappe des Rotweinwanderwegs, rund zehn Kilometer lang, in umgekehrter Richtung gegangen. Von Großheubach führt sie am Weinberg der Staatlichen Hofkellerei Würzburg vorbei, der etwa vier Hektar groß ist, dann an der Danielshöhle vorbei und steil hinauf in einen lichten Kiefernwald.

Oben geht es durch die Weinbergsanlage am Restberg, über den Röllbach und an der Kreuzkapelle vorbei nach Röllfeld. Von dort sind es nur noch Feldwege durch die Reben, bis man über der Altstadt von Klingenberg steht. Die Ruine der Clingenburg sieht man schon lange vorher. Zurück nach Miltenberg fährt der Zug.

Für einen Tag ohne festes Programm ist das ein guter Kompromiss: genug Steigung, um sich zu bewegen, unterwegs Weinberge und Kapellen, und am Ende eine Burg und ein Bahnhof. Wer die Etappe mit einer Einkehr verbinden will, schaut vorher in den Churfranken-Weinkalender, denn die Häckerwirtschaften am Weg öffnen nur zu bestimmten Wochen.

Limes und Kastelle: Spuren der Römer

Wer sich für die römische Zeit interessiert, findet in Miltenberg mehr, als die Fachwerkkulisse vermuten lässt. Um 159/160 n. Chr. wurde hier der Vordere Limes an den Main herangeführt, und auf dem heutigen Stadtgebiet lagen zwei Kastelle, Miltenberg-Altstadt und Miltenberg-Ost. Über der Stadt standen die Merkurtempel am Greinberg. Mehrere Wanderwege nutzen Abschnitte des Limeswanderwegs, darunter der Römer-Weg M1 und die Route zum Engelberg. Zu sehen ist im Gelände wenig, aber gerade das macht die Suche reizvoll: ein Wall, eine Geländestufe, eine Informationstafel mitten im Wald.

Stille Orte am Main

Die Mainpromenade ist kein Geheimnis, aber abends nach der Tagesgästewelle wird sie ruhig. Bänke stehen direkt am Wasser, und die Mainbrücke von 1900, im Krieg zerstört und 1950 neu gebaut, liegt mit ihrem mittelalterlichen Brückenturm genau im Blickfeld. Am Ufer schenkt eine Bar im Sommer Wein und Bier aus.

Ein Stück weiter lohnt sich der Blick auf die andere Flussseite. Von der Weinlage Hohenlinde bei Bürgstadt sieht man über den Main auf Miltenberg und auf die Weinberge der Mainhölle. In Bürgstadt selbst steht die Martinskapelle, und das Museum in der Alten Mittelmühle, 1248 erstmals erwähnt, ist frei zugänglich. Es behandelt Sandsteinabbau, Weinbau und den früheren Tabakanbau am Ort.

Wer Fachwerk ohne Gedränge sehen will, geht in Miltenberg ins Schwarzviertel, den ältesten Teil der Stadt. Das Haus Hauptstraße 136 wird auf etwa 1339 datiert und gilt als ältestes erhaltenes Fachwerkhaus der Stadt. Im selben Viertel braut die Brauerei Faust, die auch das Festbier der Michaelismesse liefert.

Weitere Miltenberg Geheimtipps für zwischendurch

Nicht alles braucht einen halben Tag. Drei Beispiele für kurze Abstecher:

  • Der Staffelbrunnen, einige Stufen unter Straßenniveau. Weil die Bewohner hier früher Wasser holten, heißen sie „Staffelbrunser“; ein Bronzebrunnen mit Figuren erinnert daran.
  • Das Apothekenmuseum in der Hauptstraße 116, in einer Apotheke, die seit 1514 besteht. Hinter dem Haus liegt ein Heilkräutergarten.
  • Das Museum Burg Miltenberg mit der nach Museumsangaben größten Sammlung rumänischer Hinterglasikonen in Deutschland, die man beim Besuch der Mildenburg leicht auslässt, wenn man nur Burghof und Aussicht im Kopf hat.

Diese Geheimtipps in Miltenberg lassen sich an einem Nachmittag verbinden, und die beiden Museen taugen auch bei Regen. Einen Überblick über die bekannten Stationen in der Altstadt und im Landkreis gibt die Seite Miltenberg: Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele.

Ein Abstecher nach Amorbach

Amorbach liegt im Odenwald südlich von Miltenberg und ist über die Bahnstrecke Richtung Seckach erreichbar. Bekannt ist der Ort vor allem für die Stumm-Orgel in der Abteikirche, die die Brüder Stumm 1782 fertigstellten. Weniger bekannt ist der Grüne Saal, ein Festsaal im frühklassizistischen Stil, den die Benediktiner 1783 bis 1787 zusammen mit der neuen Bibliothek bauten, kurz vor der Säkularisation. Den früheren Klostergarten ließen die Fürsten zu Leiningen ab 1805 von Friedrich Ludwig Sckell in einen Landschaftspark umgestalten, fertig wurde er 1817. Für Miltenberg Geheimtipps im weiteren Sinn ist Amorbach die naheliegende Ergänzung, wenn ein zweiter Tag zur Verfügung steht.

Der Ausflug nach Miltenberg: Anreise und Timing

Für einen Ausflug nach Miltenberg ist die Bahn die bequemste Wahl. Die Strecke von Aschaffenburg folgt dem Main, die Züge fahren etwa halbstündlich, und vom Bahnhof ist man zu Fuß in wenigen Minuten in der Altstadt. Unterwegs lässt sich in Klingenberg aussteigen, wo die Ruine der Clingenburg über den Weinterrassen steht; mehr dazu auf der Seite über Klingenberg am Main.

Die Wege am Greinberg und zu den Heunesäulen sind ganzjährig begehbar, nach Regen aber an manchen Stellen rutschig. Im Sommer ist der Wald angenehm kühler als die Altstadt. Wer einen Ausflug nach Miltenberg im Advent plant, sollte wissen, dass an den Wochenenden der Weihnachtsmarkt Altstadt und Burghof füllt; an Wochentagen ist davon wenig zu spüren.

Eine Beobachtung zum Schluss, die mit keinem der Orte oben direkt zu tun hat: In Miltenberg sieht man die Geologie fast überall. Die Heunesäulen, das Felsenmeer, die Engelsstaffeln und die Trockenmauern der Weinberge flussabwärts bei Klingenberg bestehen aus demselben roten Buntsandstein. Wer einmal darauf achtet, sieht den Stein an vielen Häusern der Altstadt wieder.

Häufige Fragen

Was sind die Heunesäulen?

Fünf mächtige Säulenrohlinge aus Buntsandstein, die im Wald am Bullauer Berg zwischen Miltenberg und Mainbullau liegen. Vermutlich waren sie für den Neubau des Mainzer Doms gedacht und wurden nie abtransportiert.

Welche Geheimtipps in Miltenberg eignen sich für Familien?

Der Rundweg „3 im Wald“ mit Barfußpfad, Kunstpfad und Waldlehrpfad beginnt am Marktplatz. Kinder mögen auch das Felsenmeer mit seinen großen Sandsteinblöcken.

Wie steil sind die Engelsstaffeln?

Die 612 Stufen von Großheubach zum Kloster Engelberg sind steil, aber auf ganzer Länge mit Kapellen und Kreuzwegstationen gesäumt, an denen man pausieren kann. Das Kloster liegt auf etwa 250 Metern Höhe.

Wo ist der schönste Blick auf Miltenberg?

Neben der Mildenburg bieten die Haagsaussicht am Greinberg und die Weinlage Hohenlinde bei Bürgstadt einen weiten Blick über Stadt und Fluss.

Lohnt sich ein Ausflug nach Miltenberg außerhalb der Saison?

Ja. Die Museen haben auch im Winter zum Teil geöffnet, die Wanderwege sind ganzjährig begehbar, und an einem Wochentag im November hat man die Altstadt fast für sich.