Linolschnitt: der Bergfried der Burgruine Clingenburg aus rotem Sandstein über Weinbergen und dem Maintal

Die Clingenburg

Burgruine im Maintal

Seit ca. 1160 · über den Weinbergen

Die Clingenburg – Burgruine über Klingenberg und ihre Geschichte

Die Clingenburg ist die Ruine einer staufischen Höhenburg, die rund 40 Meter über der Altstadt von Klingenberg am Main aus dem Weinberg ragt. Gebaut hat sie um 1160 Conradus Colbo aus dem Geschlecht der Schenken von Limpurg. Heute gehört die Burgruine der Stadt, beherbergt ein Restaurant und war von 1994 bis 2019 Spielort der Clingenburg Festspiele.

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Stufen bis zur Burg

So viele Stufen führen aus der Altstadt von Klingenberg durch die Weinbergterrassen des Schlossbergs hinauf zur Ruine.

Linolschnitt: steile Steintreppe zwischen Weinbergmauern hinauf zum Bergfried einer Burgruine

Clingenburg und Klingenberg: Burg und Stadt auseinanderhalten

Die beiden Namen klingen fast gleich, und das ist kein Zufall. Der Ort unter dem Burgberg nannte sich um 1100 selbst Clingenburg, 1241 schon Clingenberg und ab 1594 Klingenberg; der Zusatz „am Main“ kam später hinzu. Die Stadt hat ihren Namen also von der Burg geerbt. Wer heute nach einer Burg Klingenberg sucht, landet in aller Regel bei der Clingenburg, denn eine zweite Burg gibt es in der Stadt nicht. Die ältere Schreibweise mit C blieb allein an der Ruine hängen, und so heißt die Burg Klingenberg bis heute Clingenburg.

Die Clingenburg im Landkreis Miltenberg liegt am rechten Mainufer, am Westrand des Spessarts, auf 168 Metern über Normalhöhennull. Über die Stadt selbst, ihre Stadtteile Röllfeld und Trennfurt und ihre Sehenswürdigkeiten informiert die Seite zu Klingenberg am Main.

Der Name selbst ist schnell erklärt. Er setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern „klinga“ und „burch“ zusammen. Eine Klinge ist ein schmales Kerbtal, die Clingenburg also die Burg am Kerbtal. Tatsächlich stand ein Vorgängerbau etwas tiefer in der Seltenbachschlucht, jener Klinge, die sich östlich der Stadt in den roten Buntsandstein gegraben hat.

Gebaut ist alles aus dem Stein, der hier ansteht: Bruchstein mit Rahmungen aus behauenem Werkstein, überwiegend roter Sandstein.

Geschichte der Clingenburg: von den Schenken zum Erzstift Mainz

Die Geschichte der Burg lässt sich in drei Abschnitte teilen: die Zeit der Schenken von Limpurg, die rund 250 Jahre der Herren von Bickenbach und die Mainzer Zeit, in der die Anlage verfiel. Vor Ort ist diese Geschichte heute vor allem an Torbogen, Ringmauer und den Resten des Palas ablesbar.

Conradus Colbo und die Schenken von Limpurg

Die Clingenburg ist nicht die erste Befestigung am Platz. Oberhalb lag eine frühmittelalterliche Anlage, die Hainburg, innerhalb eines älteren Ringwalls, und in der Klinge darunter eine kleine „Alte Burg“. An deren Stelle ließ Conradus Colbo um 1160 die neue Burg errichten. Er war Mundschenk Kaiser Friedrich Barbarossas und gehörte damit zum engen Umfeld des Staufers.

1177 erscheint der Name zum ersten Mal schriftlich. In einer in Venedig ausgestellten Urkunde nennt sich Colbo selbst „Conradus prinzerna de Clingenburg“, Konrad, Schenk von Clingenburg. Die Schenken von Limpurg besaßen in der Gegend noch weitere Burgen, darunter die Collenburg bei Collenberg und die Henneburg bei Stadtprozelten.

Mitte des 13. Jahrhunderts saßen noch drei Schenken auf der Clingenburg. Albert trat später in den Deutschen Orden ein. Walter heiratete Elisabeth von Königstein-Reicheneck und zog in den Raum Nürnberg-Hersbruck, wo sich die Linie der Schenken von Reicheneck bildete. Conrad blieb mit seiner Frau Guda auf der Burg. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1246 nahm er in Augsburg noch an der Hochzeit Konrads IV. von Hohenstaufen mit Elisabeth von Wittelsbach teil.

Die Bickenbacher

Mit Guda wechselte die Burg die Familie. Die Witwe brachte den gesamten Besitz um Klingenberg in ihre zweite Ehe mit Conrad von Bickenbach ein, dessen Stammsitz an der Bergstraße lag, das heutige Schloss Alsbach. Politisch stand der neue Burgherr auf der anderen Seite als seine Vorgänger: papsttreu und antistaufisch. Überliefert ist außerdem, dass er als Minnesänger auftrat.

Rund 250 Jahre blieb die Clingenburg bei den Bickenbachern. Aus der Familie gingen Domherren, Äbtissinnen, ein Fürstabt und ein Meister des Deutschen Ordens hervor. Die Stammmutter des Hauses Dalberg war eine Bickenbacherin, ebenso die Mutter des Mainzer Erzbischofs Dietrich von Erbach. 1388 verkauften die Bickenbacher allerdings bereits ein Viertel an Burg und Stadt an den Burggrafen zu Miltenberg. Wann genau das Geschlecht ausstarb, ist nicht eindeutig: Genannt werden der Tod von Ronrad VIII. im Jahr 1486 und der von Monrad VII. im Jahr 1497.

Mainz, der Amtmann und der Verfall

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kamen Burg und Stadt zunächst als Pfand an die Grafen von Hanau-Lichtenberg. Über einen Gebietstausch fiel Klingenberg 1504 an Kurmainz; spätestens 1505 waren Burg, Stadt und Herrschaft vollständig mainzisch. Das Mainzer Rad im Stadtwappen erinnert bis heute daran.

Verwaltet wurde die Herrschaft vom Amtmann Johann Leonhard Kottwitz von Aulenbach. Er wohnte nicht lange auf der Clingenburg, sondern ließ sich in der Altstadt ein neues Stadtschloss bauen, einen Renaissancebau von 1560. Damit war die Burg unbewohnt, und niemand investierte mehr in ihren Unterhalt. Der Verfall setzte ein.

Hier gehen die Darstellungen auseinander. Nach der Stadtgeschichte verfiel die Anlage schlicht aus Vernachlässigung; die gern erzählte Legende, französische Truppen hätten sie zerstört, lässt sich nicht belegen. Die Bayerische Denkmalliste, in der die Burgruine unter der Aktennummer D-6-76-134-2 eingetragen ist, vermerkt dagegen eine Kriegszerstörung im Jahr 1683. Sie datiert die Anlage außerdem auf „um 1200“ und nennt einen umfassenden Um- und Neubau im 15. Jahrhundert. Beides muss sich nicht ausschließen, denn eine schon verlassene Burg ließ sich leicht vollends ruinieren.

Was von der Burgruine Clingenburg erhalten ist

Aus der staufischen Zeit stehen nur noch wenige Teile: der Torbogen und die massiven Fundamente des runden Bergfrieds. Das meiste, was Besucher heute an Mauern sehen, stammt aus dem späten Mittelalter. Die Denkmalliste beschreibt die Reste eines zweigeschossigen, unterkellerten Palas aus dem 15. Jahrhundert mit großen fünfteiligen Stufenfenstern und einem runden Eckerker auf Konsolen. Dazu kommt eine zinnenbekrönte Ringmauer mit Rundbogenportal, deren Kern möglicherweise ins 13. Jahrhundert zurückreicht, ergänzt durch eine Zwingermauer mit Torbau und Rundtürmen.

Gebaut ist alles aus dem Stein, der hier ansteht: Bruchstein mit Rahmungen aus behauenem Werkstein, überwiegend roter Sandstein. Diese Farbe prägt auch die Trockenmauern der Weinbergterrassen darunter, sodass Burg und Hang aus der Ferne fast wie aus einem Stück wirken.

Von den Vorgängerbauten sind nur Spuren im Gelände übrig: Wälle, Erdveränderungen und ein künstlich erhöhter Hügel. Eine jüngere Schicht fügte der Zweite Weltkrieg hinzu. An der Clingenburg lag der Bunker 328 der Wetterau-Main-Tauber-Stellung, einer Verteidigungslinie, an der 1945 auch in Klingenberg gekämpft wurde.

Die Clingenburg in Klingenberg als Festplatz und Bühne

Kauf durch die Stadt und erste Burgspiele

Im 19. Jahrhundert wurde Klingenberg durch seinen Ton reich. Das Tonbergwerk oberhalb der Seltenbachschlucht lieferte einen besonders reinen, weltweit gefragten Rohstoff, und die Stadt konnte ihren Bürgern zeitweise sogar die Steuern erlassen. Um 1870 kaufte sie mit diesen Gewinnen die Reste der Burg samt Umland. Der Plan war von Anfang an, daraus einen Festplatz zu machen.

Die Herrichtung dauerte einige Jahre. Ab 1891 fanden auf der Clingenburg Burgspiele und Theateraufführungen statt, allerdings unregelmäßig. Zu diesen Anlässen kamen auch vornehme Gäste, darunter bayerische Könige. Von 1926 bis 1928 lebte die Tradition kurz wieder auf, mit den Andreas-Hofer-Festspielen und den Wilhelm-Tell-Festspielen. Danach folgte eine lange Pause.

Restaurant, Laienbühne und Festspiele

Um 1968 ließ die Stadt den noch vorhandenen Burggraben auffüllen, um Parkplätze für ein geplantes Burgrestaurant zu gewinnen. Das Restaurant wurde bewusst modern gestaltet und mit Billigung des Landesamts für Denkmalpflege in die Ruine gesetzt, zwischen die Fundamente des früheren Küchen- und Gesindegebäudes. Man mag diesen Eingriff mögen oder nicht, er hat der Burg eine dauerhafte Nutzung verschafft.

Von 1969 bis 1979 spielten die „Laienschauspieler Bickenbach“ im Burghof. 1993 gründeten Klingenberger Bürger einen Verein, und im Sommer 1994 begannen die Clingenburg Festspiele mit professionellem Theater. Gespielt wurde auf einer Freilichtbühne zwischen den hohen Mauerresten des Palas, deren Terrassen sich über mehrere Ebenen verteilten. Musicals, Schauspiel, Opern und Konzerte wechselten sich über rund acht Sommerwochen ab. Schon die erste Spielzeit 1994 brachte 20 Veranstaltungen und rund 8.500 Besucher auf die Burg. Im zweiten Jahr folgte Shakespeares „Der Sturm“, dazu erstmals ein Kinderstück und ein Nachtprogramm im Rittersaal gleich neben der Bühne. Die Ruine bot damit mehr als eine Kulisse: Tribüne, Spielfläche und Nebenräume verteilten sich über Hof und Mauerreste. Die 26. und letzte Saison endete am 11. August 2019; der Trägerverein meldete am 31. August 2019 Insolvenz an. Alle Spielzeiten und Stücke sind in der Chronik der Festspiele zusammengestellt, die letzte Saison unter 2019.

Eine Tradition hat die Festspiele überdauert: Um den 1. Mai findet jedes Jahr das Historische Weinfest auf der Clingenburg statt.

Aussicht über das Maintal

Wer oben auf der Terrasse steht, versteht, warum hier gebaut wurde. Der Blick reicht über die Dächer der Altstadt, das Stadtschloss und die Kirche St. Pankratius hinunter zum Main, über den Fluss nach Trennfurt und in die Odenwaldhöhen dahinter. Flussauf- und flussabwärts lässt sich das Tal weit verfolgen. Direkt unter der Terrasse fallen die Rebzeilen des Schlossbergs steil zur Stadt ab.

Der Weinberg zwischen Burg und Altstadt ist terrassiert, die Mauern aus Buntsandstein gehen auf das Mittelalter zurück und stehen seit 1986 unter Denkmalschutz. Angebaut wird hier vor allem Klingenberger Rotwein, Spätburgunder und Portugieser. Die Steillage lässt sich nur von Hand bewirtschaften, bei einer Hangneigung von durchschnittlich 100 Prozent und bis zu 2.000 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr.

Noch höher liegt der Aussichtsturm, der 1903 im Wald auf dem Schlossberg errichtet wurde, innerhalb der frühmittelalterlichen Wallburg „Alte Schanze“. Seine Plattform liegt 22 Meter hoch. 1945 wurde der Turm durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt, 1998 wegen Baufälligkeit gesperrt und nach einer Restaurierung durch einen örtlichen Förderverein 2003 wieder freigegeben. Der Fränkische Rotwein Wanderweg führt an der Burgruine vorbei etwa 500 Meter bergauf dorthin; mehr zur Route steht auf der Seite zum Rotweinwanderweg.

Die Burgruine heute besuchen

Die Burgruine Clingenburg liegt am oberen Rand der Altstadt, nur wenige Gehminuten vom Marktplatz entfernt. Zu Fuß führen Treppenwege durch den Weinberg hinauf; vom Fuß der Altstadt bis oben sind es 287 Stufen. Mit dem Auto geht es über die Bergwerkstraße in die Clingenburgstraße, wo sich auch das Restaurant befindet. Wie man mit Bahn, Auto oder Rad nach Klingenberg kommt und wo sich parken lässt, steht ausführlich unter Anreise und Parken.

Das Restaurant in der Ruine firmiert heute als Burgterrasse Clingenburg, Clingenburgstraße 5. Öffnungszeiten ändern sich saisonal und sollten vor dem Besuch beim Betrieb erfragt werden.

Zwei Wege beginnen direkt an der Burg. Der Esskastanien-Lehrpfad, 2011 eingerichtet, ist ein 2,6 Kilometer langer Rundweg mit 13 Tafeln über die Steige und die Alte Schanze. Er erklärt, warum oberhalb der Rebhänge der größte zusammenhängende Esskastanienwald des Spessarts wächst: Zwischen 1892 und 1902 wurde dort versuchsweise Kastaniensaat ausgebracht, und das harte Holz war für Rebpfähle und Fässer gefragt. Der zweite Weg ist der Sonnenweg, ein Panoramaweg von der Burg durch die Weinhänge hinauf zum Aussichtsturm.

Für einen halben Tag lässt sich die Burgruine Clingenburg gut mit der Altstadt verbinden: Brunntorturm, Altes Rathaus von 1561 und der Rosengarten im Hof des Stadtschlosses liegen nur wenige Minuten unterhalb. Bleibt das Schuhwerk: Die Treppen im Weinberg sind steil und bei Nässe rutschig, und wer mit Kinderwagen kommt, nimmt besser die Straße.

Linolschnitt: Klingenberg am Main mit Kirchturm und Weinbergen

Häufige Fragen

Wer hat die Clingenburg erbaut?

Als Bauherr gilt Conradus Colbo aus dem Geschlecht der Schenken von Limpurg, Mundschenk Kaiser Friedrich Barbarossas. Er ließ die Burg um 1160 errichten; 1177 taucht der Name Clingenburg erstmals in einer Urkunde auf.

Ist die Clingenburg dasselbe wie die Stadt Klingenberg?

Nein. Die Clingenburg ist die Burgruine oberhalb der Altstadt, Klingenberg am Main die Stadt darunter. Der Ort hat seinen Namen von der Burg übernommen und hieß um 1100 selbst noch Clingenburg.

Wie kommt man zu Fuß zur Burgruine Clingenburg?

Von der Altstadt führen Treppenwege durch den Weinberg hinauf; es sind 287 Stufen. Wer vom Bahnhof in Trennfurt kommt, überquert zuerst die Mainbrücke.

Seit wann gehört die Clingenburg der Stadt?

Um 1870 erwarb die Stadt Klingenberg die Ruine samt Umfeld, finanziert aus den Gewinnen ihrer Tongruben, und ließ sie als Festplatz herrichten.

Welche Veranstaltungen fanden auf der Clingenburg statt?

Seit 1891 gab es unregelmäßig Burgspiele, 1926 bis 1928 die Andreas-Hofer- und Wilhelm-Tell-Festspiele, von 1969 bis 1979 Laientheater und von 1994 bis 2019 die Clingenburg Festspiele. Um den 1. Mai findet das Historische Weinfest statt.

Kann man auf der Clingenburg essen?

Ja, in die Ruine ist um 1968 ein Restaurant mit Aussichtsterrasse eingebaut worden. Heute betreibt es die Burgterrasse Clingenburg; aktuelle Öffnungszeiten nennt der Betrieb selbst.