Geschichte der Michaelismesse
Die Geschichte des Markts reicht über mehr als sechseinhalb Jahrhunderte zurück, und ein guter Teil dieser Geschichte lässt sich an den wechselnden Terminen ablesen.
Das Marktrecht von 1367
Am 6. Januar 1367 gewährte Kaiser Karl IV. der Stadt Miltenberg das Recht, jährlich einen Handelsmarkt abzuhalten. Beantragt hatte das der Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau. In der Urkunde ist von einem Jahrmarkt die Rede, „den man nennet die Messe“. Das Wort „Messe“ meint hier noch den Handelsmarkt, nicht das Volksfest späterer Jahrhunderte.
Der erste Termin lag im Hochsommer, zwischen dem Gedenktag des heiligen Sixtus II. am 7. August und Mariä Himmelfahrt am 15. August.
Wie Miltenberg damals aussah, lässt sich an einigen erhaltenen Bauten ablesen. Die Altstadt wuchs zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in mehreren Abschnitten am Fluss entlang. Das Mainzer Tor und das Würzburger Tor, die heute noch die Enden der Hauptstraße markieren, sind 1379 erstmals erwähnt, also nur zwölf Jahre nach dem Marktprivileg. Das Fachwerkhaus Hauptstraße 136 im Schwarzviertel wird auf etwa 1339 datiert und stand demnach schon, als der erste Markt abgehalten wurde. Das Gasthaus „Zum Riesen“ taucht 1411 in den Quellen auf. Über der Stadt stand bereits die Mildenburg, die ab 1144 angelegt worden war.
Die Verlegung auf Michaelis 1425
1425 wurde der Markt auf den Tag des Erzengels Michael am 29. September verlegt, und von da an hieß er Michaelismesse. Messen und Volksfeste um den Michaelistag gab es auch an anderen Orten, etwa die Michaeliskirchweih in Fürth oder die Michaeliskirmes in Brilon.
Irgendwann danach rückte das Fest wieder nach vorn, in den späten August. Die Stadt nennt als Grund das bessere Wetter. Der Name blieb, und so trägt die Messe bis heute den Namen eines Tages, an dem sie längst vorbei ist. Wer am 29. September durch Miltenberg geht, findet keine Spur mehr von Festzelt und Fahrgeschäften.
Die heutige Form seit 1928
1928 bekam die Michaelismesse im Wesentlichen die Gestalt, die sie heute hat. Die Stadt beschreibt die damalige Neuordnung als Verbindung aus Vergnügungspark, gut geführtem Festzelt, Gewerbeausstellung und traditionellem Markt, mit Wert auf die Qualität der Musik im Zelt. Diese vier Bestandteile prägen das Fest bis heute. Heute gehört außerdem ein Weindorf dazu, das den Wein der Region auf das Gelände holt. Veranstalterin ist die Stadt Miltenberg, das Festzelt bewirtet ein Festwirt.
Zwei Miltenberger Brauereien lieferten über Jahrzehnte abwechselnd das Festbier: das Brauhaus Faust und die Kalt-Loch-Bräu. Die Kalt-Loch-Bräu schloss im März 2010; 2026 kam das Messebier als eigener Sud von Faust, das im Schwarzviertel der Altstadt braut.
Ausfälle und Neubeginn
2020 fiel die Michaelismesse wegen der Corona-Pandemie aus. 2021 war nur ein eingeschränkter Festzeltbetrieb erlaubt. 2024 dauerte das Fest vom 24. August bis 1. September, 2026 vom 28. August bis 6. September.
Die Geschichte des Markts reicht über mehr als sechseinhalb Jahrhunderte zurück, und ein guter Teil dieser Geschichte lässt sich an den wechselnden Terminen ablesen.
Das Volksfest in Miltenberg heute
Das Messegelände liegt zwischen der mittelalterlichen Altstadt und dem Mainufer. Es teilt sich in mehrere Bereiche, die unterschiedlich lange geöffnet haben. Wer das Volksfest in Miltenberg zum ersten Mal sieht, merkt schnell, wie dicht Fahrgeschäfte und Fachwerk hier beieinanderliegen: Vom Festplatz zur Hauptstraße sind es nur wenige Gassen.
Festzelt und Weindorf
Das Festzelt, in dem die Festhalle Widmann bewirtet, ist der gesellige Mittelpunkt. Dazu gehört ein Biergarten. Im Zelt spielt Livemusik, und hier wird das Messebier von Faust ausgeschenkt. Daneben hat das Weindorf seinen Platz, was in einem Landkreis, der zu den wichtigsten Rotweingebieten Frankens gehört, naheliegt. Wer den Wein der Gegend gern auch am Hang kennenlernen möchte, findet die Weinorte flussabwärts auf dem Fränkischen Rotweinwanderweg.
Vergnügungspark und Markt
Der Vergnügungspark mit Fahrgeschäften und Karussells richtet sich an Familien wie an Jugendliche. Daneben steht ein traditioneller Markt mit Ständen für regionale Produkte, Handwerk und Essen. Er ist der Teil des Fests, der am direktesten an den Jahrmarkt von 1367 erinnert.
Ausstellungshalle und Freigelände
Eigen an der Michaelismesse ist die Ausstellung. Sie belegt eine Ausstellungshalle und ein Freigelände und geht auf die Neuordnung von 1928 zurück, als die Gewerbeschau fester Bestandteil der Messe wurde.
Messeeinzug, Marktplatz und Feuerwerk
Zum Programm gehören der Messeeinzug, ein Festzug durch die Stadt, und ein Programm auf dem Marktplatz Schnatterloch. Der Platz mit dem Marktbrunnen von 1583 und den Fachwerkhäusern ringsum wird an diesen Tagen zur Bühne; die Stadt veröffentlicht Festzug und Marktplatzprogramm vor jeder Messe als eigenes Blatt. Den Abschluss bildet am letzten Sonntag ein großes Feuerwerk von der Mildenburg; 2026 war es für 21 Uhr angesetzt. Wer es sehen will, sucht sich einen Platz am Mainufer oder auf der Mainbrücke, von wo aus die Burg über den Dächern gut zu sehen ist.
Für das Wochenende zum Abschluss hat die Stadt 2026 einen verkaufsoffenen Sonntag angesetzt. Einen Familientag mit ermäßigten Preisen gibt es ebenfalls; für 2027 ist er für Donnerstag, den 2. September, angekündigt (Stand: September 2026).
Michaelis: der Namenstag des Fests
Der 29. September ist im Kirchenjahr der Tag des Erzengels Michael. Dass der Name ausgerechnet in Miltenberg hängen blieb, passt zur Umgebung: Wenige Kilometer mainabwärts, auf dem Engelberg über Großheubach, ist die Wallfahrtskirche des Klosters dem Erzengel Michael und Maria, der Königin der Engel, geweiht. Das Kloster ist über 612 Sandsteinstufen erreichbar, die 1637 angelegt wurden. Mit der Messe hat die Kirche historisch nichts zu tun, aber wer im September dort hinaufsteigt, trifft auf denselben Heiligen.
Öffnungszeiten und Termine
Für 2026 nannte die Stadt folgende Öffnungszeiten (Stand: September 2026). Sie werden jedes Jahr neu veröffentlicht und können sich ändern.
| Bereich | Öffnungszeiten 2026 |
|---|---|
| Eröffnungstag | ab 13 Uhr |
| Festhalle | 11–24 Uhr |
| Marktgelände | 10–22 Uhr |
| Vergnügungspark und Weindorf | 10–24 Uhr |
| Ausstellungshallen | 10–21 Uhr |
Die Michaelismesse 2027 ist für den 27. August bis 5. September 2027 angekündigt (Stand: September 2026). Damit bleibt es bei der üblichen Regel: Die Termine der Michaelismesse Miltenberg beginnen am letzten Wochenende im August und enden am ersten Sonntag im September. Weil sich die Kalenderlage jedes Jahr verschiebt, kann das Fest schon am 24. August beginnen, wie 2024, oder erst am 28., wie 2026.
Tipps für den ersten Besuch
Wer die Michaelismesse Miltenberg zum ersten Mal besucht, sollte sich überlegen, welchen Teil des Fests er erleben will. Die Ausstellung und der Markt schließen früher als Festzelt und Vergnügungspark; wer beides will, kommt am Nachmittag und bleibt bis in den Abend. Am Eröffnungstag öffnet das Gelände erst um 13 Uhr.
Am Abschlusssonntag kommen Feuerwerk und verkaufsoffener Sonntag zusammen, entsprechend viel ist in der Altstadt los. Für Familien bietet der Familientag mit ermäßigten Preisen einen Anlass, an einem Werktag zu kommen.
Ende August kann es am Main noch sehr warm sein. Der Biergarten am Festzelt und das Weindorf liegen im Freien; bei Gewitter bieten Festhalle und Ausstellungshalle Schutz.
Besuch der Michaelismesse Miltenberg: Anreise und Parken
Die einfachste Anreise ist die Bahn. Miltenberg liegt an der Strecke von Aschaffenburg, die Züge fahren etwa halbstündlich, und der Weg vom Bahnhof zum Messegelände ist kurz. Zusätzlich setzt die Stadt Messebusse ein, deren Fahrpläne sie vor der Messe veröffentlicht.
Mit dem Auto ist Miltenberg über die Umgehungsstraße aus allen Richtungen erreichbar. Die Stadt weist vier Parkplätze aus:
- P1 an der Martinsbrücke, gebührenpflichtig, nicht für Wohnmobile
- P2 im Parkhaus Altstadt, nur für Fahrzeuge bis 2 Meter Höhe
- P3 an der Bischoffstraße
- P4 an der Mainzer Straße, gebührenpflichtig
Wer aus dem Norden des Landkreises kommt, kann auch an einem der Bahnhöfe mainabwärts zusteigen, etwa in Obernburg-Elsenfeld oder in Klingenberg, wo die Ruine der Clingenburg über der Stadt steht. Stadt, Burg und Weinlagen dort beschreibt die Seite über Klingenberg am Main.
Veranstalter ist die Stadt Miltenberg mit Sitz am Engelplatz. Programm, Busfahrpläne und Hinweise zur Anreise veröffentlicht sie jedes Jahr im Sommer.
Den Besuch mit der Altstadt verbinden
Die Michaelismesse in Miltenberg liegt so nah an der Altstadt, dass sich ein Rundgang vor dem Festbesuch anbietet. Vom Messegelände sind es nur wenige Schritte zur Hauptstraße, zum Gasthaus „Zum Riesen“, erstmals 1411 erwähnt, und zum Marktplatz Schnatterloch mit dem Brunnen von 1583. Von dort geht es hinauf zur Mildenburg, deren Museum in der Saison von Mitte März bis Ende Oktober geöffnet hat und also auch während der Messe besucht werden kann. Eine Übersicht über diese und weitere Stationen gibt die Seite Miltenberg: Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele im Landkreis.
Wer das Volksfest in Miltenberg mit einer Wanderung verbinden will, findet auf dem Greinberg über der Stadt einen Ringwall aus vorgeschichtlicher Zeit und die Reste römischer Merkurtempel. Diese und andere weniger bekannte Ziele stellt die Seite mit den Geheimtipps in und um Miltenberg vor.
Eine kleine Stadt, ein großes Volksfest in Miltenberg
Miltenberg hatte Ende 2025 gut 9.200 Einwohner und ist Kreisstadt eines Landkreises mit knapp 127.000 Menschen. Für zehn Tage ist das größte Volksfest am bayerischen Untermain damit in einer Stadt zu Gast, deren Altstadt sich auf einem schmalen Streifen zwischen Fluss und Odenwaldhang drängt. Das Messegelände liegt auf der Fläche zwischen Altstadt und Mainufer.
Die Lage am Fluss hat Miltenberg schon lange geprägt. In römischer Zeit führte um 159/160 n. Chr. der Vordere Limes hier an den Main heran, auf dem Stadtgebiet lagen zwei Kastelle. Im Mittelalter gehörte die Stadt zum Einflussbereich der Mainzer Erzbischöfe, wie das Marktprivileg von 1367 zeigt, das Gerlach von Nassau erwirkte. Die Messe verbindet heute Festzelt, Weindorf, Gewerbeausstellung, Markt und Vergnügungspark auf einem Gelände direkt unter der Altstadt, und vom Festplatz sieht man zur Mildenburg hinauf, von der am Ende das Feuerwerk kommt.
Messe, Markt und Advent: zwei große Termine
Neben der Messe gibt es in Miltenberg einen zweiten Termin im Jahr, an dem die Altstadt besonders voll ist: den Weihnachtsmarkt an den Adventswochenenden. Beide Feste nutzen die Mildenburg, die Messe für ihr Feuerwerk, der Weihnachtsmarkt für den beleuchteten Burghof. Sonst haben sie wenig gemeinsam. Die Messe ist laut, groß und auf das Mainufer ausgerichtet; der Weihnachtsmarkt verteilt sich leiser auf drei kleine Standorte in der Altstadt.
Dass die Michaelismesse in Miltenberg heute im August stattfindet und trotzdem den Namen eines Septembertags trägt, wirkt zunächst wie ein Versehen. Die Antwort liegt in einer Urkunde von 1367 und einer Verlegung von 1425, und sie erklärt nebenbei, wie alt dieses Fest am Main tatsächlich ist.
Häufige Fragen
Wann ist die Michaelismesse 2027?
Die Stadt Miltenberg hat die Michaelismesse 2027 für den 27. August bis 5. September angekündigt (Stand: September 2026). Die Ausgabe 2026 lief vom 28. August bis 6. September.
Warum heißt das Fest Michaelismesse, obwohl es im August beginnt?
1425 wurde der Markt auf den Michaelistag am 29. September gelegt und nach dem Erzengel benannt. Später rückte der Termin wegen des besseren Wetters wieder in den Spätsommer, der Name blieb.
Seit wann gibt es die Michaelismesse in Miltenberg?
Das Marktrecht geht auf Kaiser Karl IV. zurück, der Miltenberg am 6. Januar 1367 einen jährlichen Jahrmarkt gewährte. Die heutige Form mit Festzelt, Ausstellung und Vergnügungspark gibt es seit 1928.
Wo findet das Volksfest in Miltenberg statt?
Auf dem Messegelände zwischen der Altstadt und dem Mainufer. Dazu kommen ein Programm auf dem Marktplatz und das Abschlussfeuerwerk von der Mildenburg.
Wo parkt man zur Michaelismesse?
Die Stadt nennt vier Parkplätze: P1 an der Martinsbrücke, P2 im Parkhaus Altstadt, P3 an der Bischoffstraße und P4 an der Mainzer Straße. Außerdem fahren Messebusse, und der Bahnhof liegt in Laufweite.
Welches Bier gibt es im Festzelt?
Das Festbier kommt aus der Miltenberger Brauerei Faust. Bis zur Schließung der Kalt-Loch-Bräu im März 2010 wechselten sich die beiden Brauereien damit ab.
