Spielzeit 2019 · Musical

Rocky Horror Show auf der Clingenburg

Konfetti, Wasserpistolen und Klopapierrollen in der Burgruine: Im Sommer 2019 zeigten die Clingenburg Festspiele Richard O’Briens „Rocky Horror Show“. Es war die teuerste und lauteste Produktion der letzten Spielzeit, mit 21 Vorstellungen zwischen dem 7. Juni und dem 10. August und einem Publikum, das ausdrücklich zum Mitmachen eingeladen war.

Premiere im Sturm

Die Premiere am Freitag, 7. Juni 2019, begann mit Verspätung. Heftige Sturmböen fegten über die Burg, und bevor es losgehen konnte, mussten der neue Intendant Wolfgang Hofmann, der Regisseur, die Bühnenbildnerin und einige Techniker gemeinsam den Vorhang erst schließen und dann wieder öffnen. Für ein Stück, das mit einer stürmischen Nacht, einer Reifenpanne und einem unheimlichen Schloss beginnt, hätte sich kein Regisseur einen passenderen Auftakt wünschen können. Der Premierenbericht beschrieb den Abend als ausgelassen, mit bestens gelaunten Zuschauern und einem Finale im Konfettiregen.

Die Premierenkarte kostete 86 Euro und schloss ein Glas Sekt, ein Büfett und einen Shuttle ein, reguläre Plätze lagen je nach Rang bei 42 bis 50 Euro. Danach lief die Show überwiegend freitags und samstags um 20 Uhr, an einzelnen Dienstagen, Mittwochen und Sonntagen um 19 Uhr. Am Donnerstag, 8. August, kam eine Zusatzvorstellung hinzu.

Inszenierung und Besetzung

Regie führte Dirk Böhling, Schauspieler, Autor und Regisseur mit Stationen vor allem in Norddeutschland, der bis 2006 die Komödie Kassel geleitet hatte und die „Rocky Horror Show“ bereits zuvor inszeniert hatte. Die musikalische Leitung lag bei Philip Tillotson, der schon 2018 die „West Side Story“ dirigiert hatte, die Choreografie bei Timo Radünz. Bühne und Kostüme entwarf Esther Bätschmann. Regieassistenz und Abendspielleitung übernahm Eveline Lembke, die Maske Jutta Klingler. Die Aufführung dauerte rund zwei Stunden mit Pause.

Belegt ist folgende Besetzung:

  • Dr. Frank-N-Furter: Denis Fischer
  • Riff Raff: Lukas Witzel
  • Magenta: Helena Lenn
  • Columbia: Nikola Frehsee
  • Janet Weiss: Pamina Lenn
  • Brad Majors: David Wehle
  • Dr. Scott und Eddie: Matthias Knaab
  • Erzähler: Tilmann Rose
  • Phantome: Sasha Bornemann, Nadja Görts, Alexandra Kurzeja, Marco Orschler, Erika Simon, Nils Thomas

Denis Fischer, seit 1999 als Sänger und Schauspieler in der freien Szene unterwegs und von 2013 bis 2015 künstlerischer Leiter der Schwankhalle Bremen, war im März 2019 bereits mit einem Soloprogramm in Klingenberg aufgetreten. Lukas Witzel kam aus dem Ensemble von „Tanz der Vampire“ am Berliner Theater des Westens. Wer Rocky, das künstliche Geschöpf, spielte, ist nicht belegt.

Gesungen wurde auf Englisch, gesprochen auf Deutsch. Die Songliste reichte von „Science Fiction / Double Feature“ über „Time Warp“ und „Sweet Transvestite“ bis zu „I’m Going Home“. Weil die Lichtregie mit Stroboskopeffekten arbeitete, wiesen die Festspiele Menschen mit Epilepsie vorab darauf hin.

Der Action Bag

Zur „Rocky Horror Show“ gehört ein Publikum, das nicht stillsitzt. Viele kommen verkleidet, als Riff Raff, als Frank-N-Furter, als Magenta oder einfach möglichst schrill, und bringen Requisiten mit, die an bestimmten Stellen zum Einsatz kommen. Die Festspiele verkauften dafür einen eigenen Action Bag, für sechs Euro in der Tourist-Information Klingenberg in der Hauptstraße 26a und an den Spieltagen am Kassenstand auf der Burg.

Im bedruckten Turnbeutel steckten:

  • eine Anleitung, wann was zu tun ist
  • Konfetti, das den traditionellen Reis bei der Hochzeitsszene ersetzte
  • eine kleine Wasserpistole für den Regen
  • ein Knicklicht
  • eine Rolle Klopapier
  • Zeitungspapier zum Schutz vor dem Regen
  • ein Schwamm statt Toastbrot

Die Ersatzstücke waren Absicht. Die Festspiele baten ausdrücklich darum, keine mitgebrachten Lebensmittel wie Reis oder Toastbrot zu werfen, was auf den terrassierten Rängen einer Burgruine auch kaum wieder einzusammeln wäre. Große Wasserpistolen wurden am Einlass einbehalten.

Das Stück und sein Kult

Richard O’Brien war Schauspieler ohne Engagement, als er das Musical schrieb, eine Mischung aus Science-Fiction, B-Horrorfilm, Rock ’n’ Roll der 1950er und Glamrock. Die Uraufführung fand im Juni 1973 im Royal Court Theatre Upstairs in London statt, Regie führte Jim Sharman, O’Brien selbst spielte Riff Raff. 1975 kam die Verfilmung „The Rocky Horror Picture Show“ mit Tim Curry als Frank-N-Furter heraus.

Zum Kult wurde der Film erst über die Mitternachtsvorstellungen amerikanischer Programmkinos, in denen das Publikum anfing, Dialoge mitzurufen und Requisiten zu werfen. Von dort wanderten die Rituale zurück ins Theater. 2005 wurde der Film in das National Film Registry der USA aufgenommen. Die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals fand am 20. Januar 1980 am Grillo-Theater in Essen statt, inszeniert von Walter Bockmayer.

Auf der Clingenburg war die Show 2019 neben „Shakespeare in Love“ eine der beiden großen Abendproduktionen, beide als Eigenproduktion der Festspiele und mit einer gemeinsamen Kombikarte. Die übrigen Stücke der letzten Saison verzeichnet die Chronik 2019, die weiteren Produktionen der Jahre bis 2019 die Übersicht der Theaterstücke.

Häufige Fragen

Wer spielte Frank-N-Furter auf der Clingenburg?

Denis Fischer. Riff Raff spielte Lukas Witzel, Brad und Janet waren David Wehle und Pamina Lenn.

Was war im Action Bag?

Ein bedruckter Turnbeutel mit Anleitung, Konfetti, Wasserpistole, Knicklicht, Klopapierrolle, Zeitungspapier und einem Schwamm, der das traditionelle Toastbrot ersetzte. Er kostete 2019 sechs Euro.

Wurde die Rocky Horror Show auf Englisch gespielt?

Die Songs wurden auf Englisch gesungen, die Dialoge auf Deutsch gesprochen.

Wann wurde die Rocky Horror Show uraufgeführt?

Im Juni 1973 im Royal Court Theatre Upstairs in London. Die Verfilmung „The Rocky Horror Picture Show“ folgte 1975.