„Shakespeare in Love“ war am 19. Juli 2019 die letzte Premiere der Clingenburg Festspiele, und mit derselben Komödie ging am 11. August die Geschichte der Festspiele zu Ende. Intendant Wolfgang Hofmann inszenierte die Bühnenfassung des Oscar-Films von 1998 selbst und besetzte sie fast vollständig aus dem Ensemble, das in diesem Sommer auch die „Rocky Horror Show“ und die Kinder- und Jugendstücke spielte.
Die Inszenierung 2019
Premiere war am Freitag, 19. Juli 2019, um 20 Uhr. Es folgten neun weitere Vorstellungen bis zum 11. August, werktags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr. Die Aufführung dauerte etwa zweieinhalb Stunden mit Pause und war damit die längste Produktion des Sommers.
Hofmann, der 2019 als neuer Intendant nach Klingenberg kam, hatte zuvor unter anderem bei den Schloss-Festspielen Neersen, in der Stiftsruine Bad Hersfeld und auf der Götzenburg in Jagsthausen im Freien inszeniert. Für „Shakespeare in Love“ arbeitete er mit der Ausstatterin Esther Bätschmann, die Bühne und Kostüme entwarf. Regieassistenz und Abendspielleitung lagen bei Nadja Görts.
Seine Regie verzichtete auf klar getrennte Akte. Die Szenen gingen ineinander über, Theaterprobe und Liebesgeschichte liefen parallel, und das Publikum sah ein Spiel im Spiel, bei dem die Grenze zwischen Bühne und Wirklichkeit bewusst unscharf blieb. Für eine Burgruine, in der ohnehin eine alte Mauer die Rückwand bildet, ist das ein naheliegender Ansatz: Das elisabethanische Theater spielte ebenfalls unter freiem Himmel und mit sehr wenig Kulisse.
Besetzung, soweit belegt
- Will Shakespeare: Pascal Thomas
- Viola de Lesseps: Laura Bleimund
- Christopher Marlowe: David Wehle
- Königin Elisabeth: Eveline Lembke
- Fennyman: Rüdiger Hellmann
- Ralph: Denis Fischer
- Nol: Matthias Knaab
- Molly: Nikola Frehsee
- Sam: Sasha Bornemann
- Peter: Marco Orschler
- Adam: Nils Thomas
- Bootsmann und Warbash: Tilmann Rose
Gesungen haben unter anderem Alexandra Kurzeja, Helena Lenn und Pamina Lenn, Erika Simon gehörte zum Chor. Pascal Thomas stammt aus der Region: Er ist in Mechenhard im Landkreis Miltenberg aufgewachsen und war von 2003 bis 2008 schon einmal bei den Clingenburg Festspielen dabei, zuerst als Statist und Regieassistent, dann in eigenen Rollen. Seit 2011 gehört er zum Ensemble des Stadttheaters Gießen, die Titelrolle 2019 war für ihn also eine Rückkehr. Laura Bleimund spielte im selben Sommer die Isa in „Tschick“, und viele der übrigen Darsteller wechselten an anderen Abenden in die „Rocky Horror Show“.
Die Geschichte
London in den 1590er-Jahren. Der junge Will Shakespeare steckt in einer Schaffenskrise, ihm fällt weder ein Gedicht noch ein Stück ein. Dann trifft er Viola de Lesseps, eine junge Frau aus reichem Haus, die unbedingt Schauspielerin werden will. Auf der Bühne dürfen aber nur Männer stehen, also verkleidet sie sich als Mann und bekommt eine Rolle in Shakespeares Truppe. Die beiden verlieben sich. Viola ist allerdings längst einem anderen versprochen, Königin Elisabeth verlangt nach einem neuen Stück, und aus Wills Liebe entsteht nach und nach „Romeo und Julia“.
Die Handlung ist erfunden, die Umgebung nicht. Christopher Marlowe, der Theaterunternehmer Philip Henslowe und die Königin sind historische Figuren, und die Probleme der Truppen, Geldgeber, Zensur, geschlossene Theater, sind gut belegt. Der Film spielt mit diesem Wissen, und die Bühnenfassung tut es noch mehr, weil sie selbst Theater über Theater ist.
Vom Film zur Bühne
Der Film von John Madden kam 1998 heraus und gewann sieben Oscars, darunter als bester Film und für das beste Originaldrehbuch von Marc Norman und Tom Stoppard. Die Bühnenfassung schrieb der britische Autor Lee Hall. Sie wurde am 22. Juli 2014 im Noël Coward Theatre im Londoner West End uraufgeführt, produziert von Disney Theatrical Productions und Sonia Friedman Productions. Regie führte Declan Donnellan, das Bühnenbild entwarf Nick Ormerod, die Musik schrieb Paddy Cunneen. Die Londoner Produktion lief bis April 2015, danach folgten Inszenierungen in Kanada, den USA, Südafrika, Japan und Südkorea.
Die deutsche Übersetzung stammt von Corinna Brocher, sie lag auch der Clingenburger Aufführung zugrunde. Zur Fassung gehört die Musik von Paddy Cunneen, auf der Burg sangen dafür mehrere Darstellerinnen und ein Chor.
Der letzte Abend
Am Sonntag, 11. August 2019, um 19 Uhr stand die letzte Vorstellung von „Shakespeare in Love“ auf dem Spielplan. Es war zugleich die letzte Vorstellung der Clingenburg Festspiele. Am 31. August meldete der Trägerverein Insolvenz an, trotz mehr als 28.000 Besuchern in der Saison. Dass die Festspiele ausgerechnet mit einer Komödie über ein Theater in Geldnot endeten, ist eine bittere Pointe, die niemand geplant hatte.
Die Geschichte der Romeo-und-Julia-Motive auf der Burg reicht übrigens weiter zurück: 2012 stand Shakespeares Tragödie selbst auf dem Spielplan, 2018 ihre Musicalversion „West Side Story“. Alles Weitere zur Saison steht in der Chronik 2019.
Häufige Fragen
Auf welcher Vorlage beruht die Bühnenfassung?
Auf dem Film von 1998 nach dem Drehbuch von Marc Norman und Tom Stoppard. Die Bühnenfassung schrieb Lee Hall, die deutsche Übersetzung stammt von Corinna Brocher.
Wer spielte auf der Clingenburg Will Shakespeare und Viola?
Pascal Thomas spielte Will Shakespeare, Laura Bleimund die Viola de Lesseps. Regie führte Intendant Wolfgang Hofmann.
Wann war die letzte Vorstellung?
Am Sonntag, 11. August 2019, um 19 Uhr. Mit dieser Vorstellung endete die 26. und letzte Spielzeit der Clingenburg Festspiele.
Wie lange dauerte die Aufführung?
Etwa 150 Minuten einschließlich einer Pause.
