Zur 25. Spielzeit der Clingenburg Festspiele holte Intendant Marcel Krohn im Sommer 2018 einen der großen Titel des amerikanischen Musicals in die Burgruine: „West Side Story“. Das Stück wurde zum Publikumsliebling der Jubiläumssaison und war die letzte große Musicalproduktion unter Krohn, der die Festspiele seit 2009 geleitet hatte.
Die Produktion 2018
Premiere war am Freitag, 15. Juni 2018, um 20 Uhr. Bis zum 12. August folgten weitere Vorstellungen, insgesamt 20, überwiegend an Freitag- und Samstagabenden. Am Sonntag, 15. Juli, gab es einen Familiennachmittag um 15 Uhr, bei dem Jugendliche in Begleitung ihrer Eltern einen ermäßigten Eintritt zahlten. Regulär kosteten die Karten je nach Rang 42, 46 oder 50 Euro, für die Premiere einheitlich 91 Euro. Die Preise spiegelten den Aufwand: Kein anderes Stück der Saison brauchte 30 Darsteller und ein Orchester von 15 Musikern.
Marcel Krohn inszenierte selbst. Die Choreografie entwarf Timo Radünz, die musikalische Leitung hatte Philip Tillotson. Gespielt wurde die deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald.
Auf der Bühne stand das bis dahin größte Ensemble der Festspiele, 30 Darstellerinnen und Darsteller aus verschiedenen Ländern. Die Hauptrollen spielten:
- Maria: Theano Makariou
- Tony: Gevorg Aperánts
- Anita: Lucía Isabel Haas Muñoz
Im Orchester saß unter anderem der Musiker Tilmann Rose, der ein Jahr später als Darsteller zurückkehrte und in der „Rocky Horror Show“ den Erzähler spielte.
Wie die Aufführung ankam
Der Sommer 2018 war heiß, und zwar die ganze Spielzeit über. Keine Vorstellung musste wegen Wetters abgesagt werden, was bei einer Freilichtbühne keine Selbstverständlichkeit ist. Bei nahezu jeder der 20 Aufführungen endete der Abend mit rhythmischem Klatschen und stehendem Applaus. Gelobt wurden vor allem die Tanzszenen von Radünz, die in einem Stück mit so viel Choreografie über den Abend entscheiden, und das Orchester unter Tillotson. Die Main-Post hob in ihrer Besprechung die Energie und Spielfreude des Ensembles hervor.
Neben der „West Side Story“ standen 2018 der Volkstheater-Klassiker „Der verkaufte Großvater“ mit Hansi Kraus in der Titelrolle, Lessings „Nathan der Weise“, die Kinderstücke „Der gestiefelte Kater“ und „Tortuga“ sowie Krohns Jugendstück „Count Future Down“ auf dem Programm. Für Besucher, die mehrere Produktionen sehen wollten, gab es Kombikarten mit „Nathan“ und dem „Großvater“. Die Übersicht über die ganze Saison steht in der Chronik 2018.
Das Werk: Romeo und Julia in Manhattan
Die Idee stammte von Jerome Robbins. Er wollte Shakespeares „Romeo und Julia“ in das New York der 1950er-Jahre verlegen. Arthur Laurents schrieb das Buch, Leonard Bernstein komponierte, und ein junger Stephen Sondheim verfasste die Gesangstexte. Robbins inszenierte und choreografierte die Uraufführung am 26. September 1957 im Winter Garden Theatre am Broadway.
Aus den verfeindeten Familien Montague und Capulet werden zwei Straßengangs auf der Upper West Side: die Jets, weiße Jugendliche aus dem Viertel, und die Sharks, junge Einwanderer aus Puerto Rico. Tony, früher bei den Jets, verliebt sich in Maria, die Schwester des Shark-Anführers Bernardo. Die Geschichte endet, wie bei Shakespeare, tödlich.
Bernsteins Partitur mischt Jazz für die Jets mit lateinamerikanischen Tanzrhythmen für die Sharks, dazu Anklänge an die Konzertmusik. In den Liebesszenen von Tony und Maria verbinden sich beide Welten. Die Nummern gehören zu den bekanntesten des Genres: „Maria“, „Tonight“, „America“, „Somewhere“, „I Feel Pretty“.
Verfilmungen
Die Verfilmung von 1961 mit Natalie Wood und Richard Beymer gewann zehn Oscars. 2021 brachte Steven Spielberg eine neue Filmfassung mit Rachel Zegler und Ansel Elgort heraus. Sie erhielt drei Golden Globes, Ariana DeBose bekam für ihre Anita den Oscar als beste Nebendarstellerin. Auf Deutsch war das Musical erstmals 1968 zu sehen, an der Volksoper in Wien.
West Side Story unter freiem Himmel
Ein Stück, das auf Straßen, Hinterhöfen und einer Feuertreppe spielt, verträgt sich auf den ersten Blick schlecht mit einer mittelalterlichen Burgmauer. Auf den zweiten passt es besser, als man denkt. Die terrassierten Spielflächen der Clingenburg geben den beiden Gangs Raum, sich gegenüberzustellen, und die Balkonszene braucht ohnehin eine erhöhte Ebene, auf der Maria stehen kann. Wer in Klingenberg die Linde mitten im Zuschauerraum und die Waldkante hinter der Bühne kennt, weiß, dass diese Kulisse kein Stück ganz verschluckt, aber jedes verändert.
Dass ausgerechnet die Romeo-und-Julia-Geschichte ein Jahr später in ganz anderer Form zurückkehrte, ist ein hübscher Zufall des Spielplans. 2019 zeigten die Festspiele „Shakespeare in Love“, eine Komödie, die frei erfindet, wie Shakespeare zu diesem Stoff gekommen sein könnte. Weitere Produktionen aus den Jahren bis 2019 finden sich in der Übersicht der Theaterstücke.
Häufige Fragen
Wer hat die West Side Story geschrieben?
Die Musik stammt von Leonard Bernstein, die Gesangstexte von Stephen Sondheim, das Buch von Arthur Laurents. Idee, Inszenierung und Choreografie der Uraufführung lagen bei Jerome Robbins.
Wann wurde die West Side Story uraufgeführt?
Am 26. September 1957 im Winter Garden Theatre in New York. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte 1968 an der Wiener Volksoper.
Wer spielte auf der Clingenburg Maria und Tony?
Theano Makariou war Maria, Gevorg Aperánts spielte Tony, Lucía Isabel Haas Muñoz die Anita. Insgesamt stand ein 30-köpfiges Ensemble auf der Bühne.
Wie oft wurde West Side Story 2018 in Klingenberg gespielt?
Zwischen der Premiere am 15. Juni und dem 12. August 2018 standen 20 Aufführungen auf dem Spielplan, darunter ein Familiennachmittag am 15. Juli.
