Zum 20. Mal öffnete die Terrassenbühne der Clingenburg 2013 für einen Festspielsommer. Das Jubiläum wurde nicht mit einem sicheren Klassiker allein begangen, sondern mit einem Stück, das im deutschen Sprachraum noch niemand gesehen hatte: „Z – The Musical of Zorro“. Daneben standen Goethes „Faust“ und ein Märchenmusical für die Jüngsten auf dem Plan.
Das Programm der Spielzeit 2013
- 13. Juni 2013Z – The Musical of Zorro – deutschsprachige Erstaufführung (Premiere)
- 20. Juni 2013Wachgeküsst – Das Dornröschen-Musical (Premiere)
- 2. Juli 2013Rigoletto – Oper von Giuseppe Verdi, Gastspiel der Opera Classica Europa
- 8. Juli 2013The Blues Brothers – Gastspiel
- 18. Juli 2013Faust – Der Tragödie erster Teil (Premiere)
Zorro als Erstaufführung
Robert W. Cabell hat den Stoff um den kalifornischen Caballero Diego Vega als klassisches Mantel-und-Degen-Musical angelegt. Der junge Adlige kehrt aus Spanien zurück, findet sein Land unter einem tyrannischen Gouverneur und wird nachts zum maskierten Rächer. Seine Schwäche ist Carlotta, die Freundin aus Kindertagen, und genau dort setzen seine Gegner an. Musikalisch mischt Cabell Latin-Pop, Flamenco und Gypsy-Klänge.
In Klingenberg spielte ein 13-köpfiges Orchester unter der Leitung von Ralph Scheiner live. Regie führte Intendant Marcel Krohn, der „Z – The Musical of Zorro“ später in der Liste seiner Klingenberger Inszenierungen führte. Zum Orchester gehörten unter anderem der Saxophonist Alexander Gärtner und der Gitarrist Ingo Hunz, die beide in späteren Jahren wieder auf der Burg spielten.
Der Komponist selbst saß in der zweiten Vorstellung am 15. Juni im Publikum und zeigte sich von Ensemble und Inszenierung begeistert. Für ein Stück, dessen deutsche Fassung hier erstmals auf einer Bühne stand, ist das mehr als eine Randnotiz. Die Nachfrage war groß genug für einen Zusatztermin am 23. Juli. Für die Nachmittagsvorstellung am Sonntag, 7. Juli, um 15 Uhr galt ein Familienrabatt, den es nur über die Tourist-Information der Stadt Klingenberg gab. Ansonsten spielte das Ensemble fast immer um 20.30 Uhr, von Mitte Juni bis Ende Juli, an manchen Sonntagen schon um 18.30 Uhr. Zorro teilte sich die Abende mit dem Faust, der erst im Juli dazukam.
Faust auf der Burg
Die zweite Abendproduktion war Goethes „Faust I“, ebenfalls in der Regie von Marcel Krohn. Premiere war am Donnerstag, 18. Juli 2013, um 20.30 Uhr, danach lief das Stück bis in den August. Die letzte Aufführung ist für den 4. August verzeichnet. Eine Tragödie mit Studierzimmer, Hexenküche und Kerker auf einer Freilichtbühne zu spielen, die nachts von Wald umgeben ist, hat ihren eigenen Reiz; die regionale Presse berichtete über die Premiere. Mehr zum Stück steht auf der Seite zu Faust.
Wachgeküsst für Kinder
Christian Berg schrieb das Dornröschen-Musical „Wachgeküsst“, die Lieder komponierte Konstantin Wecker. Es war das Familienstück des Sommers. Die Premiere am 20. Juni begann um 10 Uhr, und so blieb es an den meisten Tagen: Vormittagsvorstellungen für Gruppen aus Kindergärten und Schulen, am Wochenende Termine am Nachmittag. Die letzten Vorstellungen fanden Ende Juli statt, meist um 15 Uhr.
Dass ausgerechnet Konstantin Wecker die Musik zu einem Kinderstück beisteuerte, fällt auf. Der Münchner Liedermacher taucht in der Klingenberger Chronik noch einmal auf: 2017 sprach er die Stimme Gottes in „Ein Münchner im Himmel und in der Hölle“, eingespielt vom Band. Die Märchenvorlage selbst ist schnell erzählt, eine Prinzessin, ein Fluch, ein hundertjähriger Schlaf, und gerade deshalb eignet sie sich für ein Publikum ab dem Kindergartenalter.
Zwei Gastspiele
Am 2. Juli gastierte die Opera Classica Europa mit Verdis „Rigoletto“ unter der Leitung von Michael Vaccaro. Die Oper wurde 1851 im Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt und beruht auf Victor Hugos Drama „Le roi s’amuse“. Auf der Clingenburg sangen Antonio Rivera den Herzog, Elena Daniela Mazilu die Gilda und Maurizio Scarfeo die Titelrolle. Die Inszenierung war bewusst traditionell gehalten. Die Seite zu Rigoletto erzählt die Handlung ausführlicher.
Am 8. Juli folgte „The Blues Brothers“ mit den Figuren Jake und Elwood. Vier Jahre später kehrte die Show als Tribute-Programm auf die Burg zurück, nachzulesen bei The Blues Brothers Tribute Show.
Einordnung
Zwanzig Spielzeiten nach dem Neustart hatte sich ein Muster gefestigt, das auch 2013 trug: ein großes Musical als Zugpferd, ein klassisches Schauspiel, ein Kinderstück mit Schulvorstellungen und einzelne Gastabende. Neu war der Anspruch, eine Erstaufführung zu zeigen. Die Opernabende der Opera Classica Europa hatten dabei schon Tradition; 2011 war dasselbe Ensemble mit Beethovens „Fidelio“ zu Gast gewesen.
Das Vorjahr mit „Romeo und Julia“ und „Piaf“ beschreibt die Chronik 2012, der Sommer mit „My Fair Lady“ und „Jedermann“ folgt in der Chronik 2014. Eine Übersicht aller Intendanten gibt es unter Intendanten der Festspiele.
Häufige Fragen
Was war 2013 das Hauptstück der Clingenburg Festspiele?
Das Musical „Z – The Musical of Zorro“ von Robert W. Cabell, gespielt als deutschsprachige Erstaufführung. Premiere war am 13. Juni 2013, Regie führte Intendant Marcel Krohn.
Welche Gastspiele gab es 2013 auf der Clingenburg?
Die Opera Classica Europa zeigte am 2. Juli Verdis „Rigoletto“, am 8. Juli folgte „The Blues Brothers“. Beide Abende ergänzten die drei Eigenproduktionen.
Von wem stammt das Kindermusical „Wachgeküsst“?
Das Dornröschen-Musical schrieb Christian Berg, die Musik stammt von Konstantin Wecker. In Klingenberg lief es 2013 überwiegend als Vormittagsvorstellung für Kindergärten und Schulen.
Welche Spielzeit war 2013?
Es war die 20. Spielzeit seit dem Neubeginn der Festspiele im Jahr 1994.
