Ein Bauwagen, ein paar Sonnenblumen und Gott als alter Hippie: So begann im Sommer 2013 Goethes „Faust“ auf der Clingenburg. Intendant Marcel Krohn inszenierte „Faust – Der Tragödie erster Teil“ als Klassiker der 20. Spielzeit, gespielt auf der Freilichtbühne in der Burgruine hoch über dem Main. Premiere war am Donnerstag, 18. Juli 2013, um 20.30 Uhr.
Die Inszenierung 2013
Krohn verzichtete auf großen Aufwand und vertraute der Sprache des Stücks. Anders als viele Inszenierungen, die den Prolog im Himmel kürzen oder weglassen, spielte er ihn aus: Gott, gespielt von Hannes Seebauer, kletterte aus seinem Bauwagen, streichelte seine Sonnenblumen und rief dann seinen Diener Mephistopheles zu sich, um mit ihm über den Doktor Faust zu wetten. Am Ende stand wieder Gott, der das geläuterte Gretchen zu sich nimmt. Damit bekam der Abend einen geschlossenen Rahmen, der Anfang und Schluss aufeinander bezog.
Den Faust spielte Michael Marwitz, den Mephistopheles Frank Kirschgens. Eva Wiedemann war das Gretchen, Sonja Tieschky die Nachbarin Marthe Schwerdtlein. Die Aufführung dauerte etwa 170 Minuten mit Pause. Gespielt wurde der erste Teil der Tragödie mit seinen bekannten Stationen, vom Pakt über die Zechszene in Auerbachs Keller und die Hexe mit dem Verjüngungstrank bis zu Gretchen und der Kerkerszene.
Die Burgruine selbst spielte mit. Die Gartenszene, in der sich Faust und Gretchen im Garten der Nachbarin zum ersten Mal küssen, spielte unter den Bäumen mitten in der Ruine. Für die Kerkerszene am Schluss dagegen genügten ein paar Stangen, Stroh und eine kahle Wand.
Dass Krohn den Prolog ausspielte, war auch mit Blick auf die Aufführungsgeschichte bemerkenswert. Schon bei der Uraufführung 1829 in Braunschweig waren beide Vorspiele gestrichen, und viele spätere Inszenierungen hielten es ähnlich. Auf der Clingenburg dagegen gehörte der Himmel zum Rahmen des Abends. Die regionale Presse besprach die Premiere zwei Tage später, am 20. Juli, ausführlich.
Termine
Nach der Premiere am 18. Juli folgten Vorstellungen am 19., 20., 21. und 24. Juli, am 27. und 28. Juli sowie vom 1. bis 4. August, insgesamt elf Abende. Alle begannen um 20.30 Uhr, nur am Mittwoch, 24. Juli, ging es schon um 18.30 Uhr los.
Der Regisseur
Marcel Krohn, 1968 in Oldenburg geboren, erhielt seine Ausbildung am Bruckner-Konservatorium in Linz und an der Schauspiel-Akademie Zürich und studierte außerdem Germanistik. Er arbeitete an Theatern in Baden-Baden, Berlin, Meiningen, Cottbus und Brandenburg, leitete bis 2009 das Gastspieltheater Berliner Tournee und war stellvertretender Intendant der Landesbühne Rheinland-Pfalz in Neuwied. Seit 2009 leitete er die Clingenburg Festspiele und inszenierte dort unter anderem „Ein Sommernachtstraum“, „Cyrano de Bergerac“, „Aida“, „Romeo und Julia“ und „Z – The Musical of Zorro“.
Goethes Tragödie
Goethe hat fast sechzig Jahre an seinem „Faust“ gearbeitet. Um 1770 begann er, angeregt unter anderem durch den Prozess gegen die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt in Frankfurt. Die früheste Fassung, der sogenannte „Urfaust“, dreht sich vor allem um die Gretchentragödie. 1790 erschien „Faust. Ein Fragment“, 1808 schließlich der vollständige erste Teil. Die erste Aufführung fand am 19. Januar 1829 in Braunschweig statt, unter der Leitung von Ernst August Friedrich Klingemann.
Das Drama beginnt mit drei Vorstücken: der „Zueignung“, dem „Vorspiel auf dem Theater“ und dem „Prolog im Himmel“, in dem Gott dem Mephistopheles erlaubt, Faust zu versuchen. Faust, ein Gelehrter, der mit allem Wissen am Ende ist und schon das Gift an den Lippen hat, bis ihn die Osterglocken zurückhalten, schließt mit dem Teufel einen Pakt. Mephisto führt ihn durch die Welt, in Auerbachs Keller in Leipzig, in die Hexenküche, wo Faust verjüngt wird, und zu Gretchen, einem jungen Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Mit Hilfe der Nachbarin Marthe Schwerdtlein kommen die beiden sich näher. Gretchens Mutter stirbt an einem angeblich harmlosen Schlafmittel, das Faust dem Mädchen für sie gibt, ihren Bruder Valentin ersticht Faust auf Mephistos Drängen, danach fliehen die beiden aus der Stadt. Faust erlebt mit Mephisto die Walpurgisnacht. Gretchen bringt derweil ein uneheliches Kind zur Welt, ertränkt es in ihrer Verzweiflung und wird zum Tode verurteilt.
Im Kerker erkennt sie in Faust den, der sie ins Verderben gestürzt hat, und weigert sich, mit ihm zu fliehen. Mephisto erklärt sie für gerichtet, eine Stimme von oben antwortet: „Ist gerettet!“
Faust in der Saison 2013
Die 20. Spielzeit war breit angelegt. Das Musical „Z – The Musical of Zorro“ lief als deutschsprachige Erstaufführung, für Kinder gab es das Dornröschen-Musical „Wachgeküsst“, als Gastspiele kamen Verdis „Rigoletto“ und eine Blues-Brothers-Show. „Faust“ war der Klassiker in dieser Mischung und kam als letzte Eigenproduktion des Sommers heraus, als „Zorro“ schon seit gut einem Monat lief. Die Übersicht über das Jahr bietet die Chronik 2013, mehr über den Spielort die Seite zur Clingenburg.
Häufige Fragen
Wann wurde „Faust“ auf der Clingenburg gespielt?
Im Sommer 2013. Premiere war am Donnerstag, 18. Juli 2013, um 20.30 Uhr, die letzte von elf Vorstellungen am 4. August.
Wer spielte Faust, Mephisto und Gretchen?
Michael Marwitz spielte Faust, Frank Kirschgens den Mephistopheles und Eva Wiedemann das Gretchen. Hannes Seebauer war Gott, Sonja Tieschky die Nachbarin Marthe Schwerdtlein.
Wie lange dauerte die Aufführung?
Rund 170 Minuten einschließlich Pause.
Wann wurde „Faust I“ uraufgeführt?
Am 19. Januar 1829 in Braunschweig, unter der Leitung von Ernst August Friedrich Klingemann. Goethe hatte den ersten Teil 1808 veröffentlicht.
