Ein Abend Verdi zwischen Musical und Klassiker: Am Dienstag, 2. Juli 2013, um 20.30 Uhr gastierte die Opera Classica Europa mit Giuseppe Verdis „Rigoletto“ auf der Clingenburg. Es war die einzige Vorstellung der Oper in Klingenberg, gespielt auf der Freilichtbühne in der Burgruine. Die Leitung hatte Michael Vaccaro, der Gründer der Compagnie.
Das Gastspiel 2013
Im Jubiläumsjahr, der 20. Spielzeit seit der Wiederbelebung der Festspiele 1994, führte der Spielplan zwei „Gastspiele auf der Clingenburg“: „Rigoletto“ am 2. Juli und eine Woche später, am 8. Juli, die Blues Brothers. Beide Abende lagen mitten in der Laufzeit der Eigenproduktionen.
Die Opera Classica Europa zeigte eine traditionelle Inszenierung mit internationalen Solistinnen und Solisten und einem Orchester. Den Herzog von Mantua sang Antonio Rivera, die Gilda Elena Daniela Mazilu, die Titelpartie des Hofnarren Maurizio Scarfeo. Als Kulisse diente die romantische Ruine der Clingenburg selbst, mit ihrer Mauer aus rotem Sandstein hinter der Naturbühne.
Die Compagnie kannte die Burg schon. Am 12. Juli 2011 hatte sie hier Ludwig van Beethovens „Fidelio“ aufgeführt, ebenfalls mit Chor, Orchester und internationalen Solisten und ebenfalls als einmaliges Gastspiel.
Rigoletto und „Wachgeküsst“
Wer die Saison 2013 nachschlägt, stößt neben „Rigoletto“ auf den Titel „Wachgeküsst“. Beides hatte nichts miteinander zu tun. „Wachgeküsst“ war das Dornröschen-Musical von Christian Berg mit Musik von Konstantin Wecker, das Kinderstück der Spielzeit mit Vormittagsvorstellungen für Schulen und Kindergärten. Es wurde vom Ensemble der Festspiele gespielt und hatte am 20. Juni 2013 Premiere. „Rigoletto“ dagegen war ein Opernabend einer auswärtigen Truppe. Zum Programm der 20. Spielzeit gehörten außerdem „Z – The Musical of Zorro“ als deutschsprachige Erstaufführung und Goethes „Faust“ in der Regie von Intendant Marcel Krohn.
Opera Classica Europa
Gegründet wurde die Opera Classica Europa 2004 von Michael Vaccaro, einem in Frankfurt am Main geborenen Tenor, der die Compagnie seither als Intendant leitet. Sie bringt eigene Opernproduktionen und Konzerte an historische Spielstätten in Deutschland und im europäischen Ausland, sehr oft unter freiem Himmel. Auf dem Spielplan stehen vor allem Verdi, Puccini, Mozart und Bellini. Nach eigenen Angaben hat die Compagnie mit 28 verschiedenen Orchestern gearbeitet und in 480 Vorstellungen rund 320.000 Zuschauer erreicht. „Rigoletto“ gehört bis heute zu ihrem Repertoire, auch in Vaccaros eigener Regie.
Die Oper: Verdi, Piave und Victor Hugo
Verdi schrieb „Rigoletto“ für das Teatro La Fenice in Venedig, wo die Oper am 11. März 1851 uraufgeführt wurde. Das Libretto verfasste Francesco Maria Piave nach Victor Hugos Drama „Le roi s’amuse“ von 1832. Bei Hugo ist der Wüstling ein König von Frankreich, und genau daran nahm die österreichische Zensur Anstoß, die damals über die Theater in Norditalien wachte. Aus dem französischen König wurde ein Herzog von Mantua, aus dem geplanten Titel „La maledizione“, der Fluch, der Name des Hofnarren. Den Buckel des Narren, den Fluch und das Ende mit dem Sack setzte Verdi gegen die Zensur durch.
Die Premiere wurde ein Triumph. Die Kanzone des Herzogs, „La donna è mobile“, soll am nächsten Morgen in den Straßen Venedigs gepfiffen worden sein. Verdi hatte sie den Sängern und dem Orchester erst wenige Stunden vor der Uraufführung gegeben und verboten, sie außerhalb des Theaters zu singen.
Die Handlung
Der Herzog von Mantua verführt, wen er will, und sein buckliger Hofnarr Rigoletto verspottet die betrogenen Väter und Ehemänner. Einer von ihnen, der Graf von Monterone, dessen Tochter der Herzog entehrt hat, verflucht den Herzog und den Narren. Rigoletto hält vor der Welt eine Tochter verborgen, Gilda, die er über alles liebt. Ausgerechnet sie hat der Herzog, als Student verkleidet, in der Kirche gesehen. Die Höflinge entführen Gilda in den Palast, und dort gesteht sie dem Vater, was geschehen ist.
Rigoletto will Rache und dingt den Auftragsmörder Sparafucile, dessen Schwester Maddalena den Herzog in eine Schenke lockt. Maddalena bittet um das Leben des jungen Mannes, und Sparafucile willigt ein, stattdessen den nächsten Fremden zu töten, der an die Tür klopft. Gilda hat alles mitgehört und opfert sich für den Herzog. Rigoletto bekommt einen Sack mit einem Leichnam, hört in der Ferne den Herzog singen und findet im Sack seine sterbende Tochter. Der Fluch hat sich erfüllt.
Berühmt sind neben „La donna è mobile“ Gildas Arie „Caro nome“ aus dem ersten Akt und das Quartett im dritten Akt, in dem vier Figuren gleichzeitig vier verschiedene Gefühle singen. Die Oper hat drei Akte und spielt im Mantua des 16. Jahrhunderts.
Oper unter freiem Himmel in Klingenberg
Die Clingenburg Festspiele waren vor allem ein Schauspiel- und Musicalfestival mit eigenem Ensemble. Oper kam als Gastspiel, mit Beethoven 2011 und Verdi 2013. Beide Male reiste eine Compagnie mit eigenem Orchester an, spielte einen Abend und zog weiter, während das Ensemble der Festspiele in den Tagen davor und danach auf derselben Bühne seine eigenen Stücke spielte. Wie die Saison im Ganzen verlief, beschreibt die Chronik 2013.
Häufige Fragen
Wann wurde „Rigoletto“ auf der Clingenburg gespielt?
An einem einzigen Abend: Dienstag, 2. Juli 2013, um 20.30 Uhr, als Gastspiel in der 20. Spielzeit der Festspiele.
Wer führte die Oper auf?
Die Opera Classica Europa unter der Leitung ihres Gründers Michael Vaccaro, mit Antonio Rivera als Herzog, Elena Daniela Mazilu als Gilda und Maurizio Scarfeo in der Titelrolle.
War „Rigoletto“ dasselbe wie „Wachgeküsst“?
Nein. „Wachgeküsst“ war 2013 das Dornröschen-Musical für Kinder von Christian Berg mit Musik von Konstantin Wecker, eine eigene Produktion des Festspielensembles. „Rigoletto“ war die Oper von Giuseppe Verdi, gespielt von einer Gastcompagnie.
Wann wurde „Rigoletto“ uraufgeführt?
Am 11. März 1851 im Teatro La Fenice in Venedig.
