Die 23. Spielzeit der Clingenburg Festspiele brachte 2016 vier Eigenproduktionen auf die Terrassenbühne der Burgruine: ein Hippie-Musical, einen Sturm-und-Drang-Klassiker, ein neues Familienmusical und ein Jugendstück über Flucht. Rund 31.000 Besucher sahen die 60 Vorstellungen und die drei Gastspiele. Künstlerisch verantwortlich war Intendant Marcel Krohn, der selbst zwei der vier Produktionen inszenierte und eine davon geschrieben hatte.
Das Programm der Spielzeit 2016
- 2016Hair – Musical von Galt MacDermot, Regie Peter Rein
- 2016Die Räuber – Schauspiel nach Friedrich Schiller, Regie Marcel Krohn
- 2016Peter Pan – Familienmusical nach James Matthew Barrie, Musik Larissa Schories, Regie Marcel Krohn
- 2016Jesus Mohammed geht baden – Jugendstück von Marcel Krohn, Regie Thomas Klischke
- 2016Gastspiele · The Michael Jackson Tribute Show · FALCO – the Show · Queen Revival Band
Die vier Eigenproduktionen liefen über den Sommer im Wechsel, ergänzt um die drei Gastspiele; die Eigenproduktionen allein kamen auf 60 Vorstellungen.
Hair: das große Musical des Sommers
Das Musical über die Hippiebewegung, ihren Widerstand gegen den Vietnamkrieg und den Traum von einem Leben ohne Tabus war das Hauptstück der Saison. Peter Rein führte Regie. Lars Schmidt spielte den charismatischen Anführer Berger, David Krohn den Woof. Marcel Kaiser stand als Claude auch in den letzten fünf Vorstellungen auf der Bühne, obwohl er sich die Hand gebrochen hatte.
Hinter den Kulissen arbeiteten Isa Mehnert an den Kostümen und Ronny Bartsch an der Choreografie. Die Live-Musik leiteten Ralph Scheiner und Patrik Pietschmann. In der Band saßen unter anderem der Saxophonist Alexander Gärtner und Schlagzeuger Benedikt Vogel, der seit 2011 fest bei den Festspielen trommelte. Im Ensemble standen außerdem Franziska Lißmeier und Maik Eckhardt, die beide ein Jahr später wiederkamen. Die Komik der Inszenierung, oft parodistisch zugespitzt, brachte das Publikum immer wieder zum Lachen.
Schillers Räuber als Polit-Krimi
Schiller veröffentlichte „Die Räuber“ 1781 zunächst anonym als Lesedrama. Die Uraufführung am 13. Januar 1782 im Nationaltheater Mannheim machte den jungen Autor berühmt. Marcel Krohn brachte das Drama 2016 auf die Clingenburg und arbeitete auch die kleinen Nebenrollen sorgfältig aus. Die Kritik reagierte nach der Premiere begeistert, eine Überschrift sprach von einem „Polit-Krimi“.
Otto Beckmann spielte Karl Moor, Till Brinkmann den intriganten Bruder Franz. Julia Hell zeichnete die Amalia als moderne, selbstbewusste junge Frau, was der üblichen Lesart der Figur widerspricht. Mariyama Ebel übernahm die Rolle des Schweizer, Hans Hirschmüller den alten Grafen Moor.
Peter Pan als Welturaufführung
Für Familien entstand ein neues Musical nach James Matthew Barrie, komponiert von Larissa Schories. Die Produktion war eine Welturaufführung. Allesandro Nanio Pacino spielte Peter Pan, Werner Wulz den Captain Hook mit viel Selbstironie. Als dessen Kumpane Starkey und Smee traten David Krohn und Loraine Dere auf. Den größten Zuspruch bekam Mariyama Ebel als Fee Tinkerbell. Franziska Lißmeier war als Wendy zu sehen.
Die Lieder wechselten zwischen fröhlichen Nummern wie „Ich bin frei“ und leiseren Stücken.
Jesus Mohammed geht baden
Das ungewöhnlichste Stück des Jahres war ein Zwei-Personen-Stück für Jugendliche. Marcel Krohn hatte es selbst geschrieben, Thomas Klischke inszenierte die Uraufführung. Erzählt wird von Isa Mohammed, einem syrischen Kriegsflüchtling, der auf den Nachzug seines kleinen Sohnes wartet, und von Tine, einer 19-jährigen Deutschen, die mit ihren Eltern gebrochen hat. Marcus Abdel-Messih spielte Isa, Franziska Lißmeier die Tine. Beide schlüpften zusätzlich in weitere Rollen, darunter ein spießiges Ehepaar und gewaltbereite Neonazis.
Klischke, bekannt als Regisseur für Kinder- und Jugendtheater, setzte auf spielerische Einfälle statt auf Thesentheater: Auf der Bühne wurde gebadet, Fahrrad gefahren und gesungen. Die Resonanz war so gut, dass das Stück 2017 erneut ins Programm kam. Wer die Fortsetzung verfolgen möchte, findet sie in der Chronik 2017.
Gastspiele und Saisonende
Drei Gastspiele ergänzten die Eigenproduktionen: The Michael Jackson Tribute Show, FALCO – the Show und die Queen Revival Band. Mit deren Konzert am 2. August 2016 ging die Festspielzeit auf der Naturbühne zu Ende. Stehende Ovationen und viele Zuschriften aus dem Publikum werteten die Veranstalter als Zeichen einer erfolgreichen Saison.
Marcel Krohn leitete die Festspiele zu diesem Zeitpunkt im achten Jahr. Wie seine Intendanz insgesamt verlief und wer vor und nach ihm die künstlerische Leitung hatte, beschreibt die Seite über die Intendanten der Festspiele. Eine Übersicht über alle Jahre bietet die Chronik der Clingenburg Festspiele; das Vorjahr mit „Dracula“ und „Othello“ steht in der Chronik 2015.
Mehrere Namen aus dem Jahr 2016 tauchen in späteren Besetzungen wieder auf. Werner Wulz, Mariyama Ebel und Franziska Lißmeier gehörten auch 2017 zum Ensemble, als „Cabaret“ auf dem Spielplan stand. Wer welche Rolle in welchem Jahr übernahm, lässt sich im Verzeichnis der Darsteller nach Spielzeiten nachlesen.
Häufige Fragen
Welche Stücke liefen 2016 bei den Clingenburg Festspielen?
Eigenproduktionen waren das Musical Hair, Schillers Räuber, das Familienmusical Peter Pan und das Jugendstück Jesus Mohammed geht baden. Dazu kamen drei Gastspiele.
Wie viele Menschen besuchten die Spielzeit 2016?
Rund 31.000 Besucher kamen zu den 60 Vorstellungen der vier Eigenproduktionen und zu den drei Gastspielen.
Wer schrieb das Stück „Jesus Mohammed geht baden“?
Das Jugendstück stammt von Marcel Krohn, der damals Intendant der Festspiele war. Inszeniert hat es Thomas Klischke.
Wann endete die Festspielzeit 2016?
Den Schlusspunkt setzte am 2. August 2016 ein Konzert der Queen Revival Band.
