Das Sams auf der Clingenburg im Sommer 2019
Premiere war am Sonntag, 16. Juni 2019, um 15 Uhr. Bis zum 4. August standen 17 Termine im Spielplan, und die Verteilung verrät viel über das Publikum. Acht Vorstellungen begannen nachmittags um 15 Uhr, fast alle an Sonntagen, eine einzige am Abend. Die übrigen acht lagen vormittags um 10 Uhr und waren für Kindergärten und Schulen gedacht, die ihre Plätze über ein eigenes Bestellformular reservierten.
Regie führte Wolfgang Hofmann, der 2019 als neuer Intendant seine erste und zugleich letzte Spielzeit auf der Burg verantwortete. Bühne und Kostüme entwarf Esther Bätschmann, die in diesem Sommer auch die „Rocky Horror Show“ und „Shakespeare in Love“ ausstattete. Nadja Görts, 2019 bereits zum fünften Mal bei den Festspielen engagiert, übernahm die Regieassistenz und die Abendspielleitung.
Die Aufführung dauerte etwa eine Stunde ohne Pause. Für Fünfjährige ist das eine gute Länge, und auf der Freilichtbühne mit ihren terrassierten Spielflächen, der Burgmauer im Rücken und dem Wald als hinterer Begrenzung blieb genug Raum für eine Figur, die nie stillsteht. Als Plakatmotiv diente eine Sams-Illustration von Nina Dulleck aus dem Verlag Friedrich Oetinger, also das Bild, das Kinder aus den farbigen Buchausgaben kennen.
Besetzung, soweit belegt
Belegt sind die folgenden Rollen:
- Das Sams: Alexandra Kurzeja
- Herr Oberstein: Rüdiger Hellmann
- Die Verkäuferin: Erika Simon
- Mehrere Rollen: Pascal Thomas
Wer Herrn Taschenbier spielte, ist nicht belegt. Auffällig ist, wie eng das Ensemble 2019 verzahnt war: Fast alle Darsteller standen in mehreren Produktionen. Alexandra Kurzeja war im selben Sommer auch als Phantom in der „Rocky Horror Show“ zu sehen und sang in „Shakespeare in Love“, Rüdiger Hellmann gab dort den Theaterfinanzier Fennyman, Pascal Thomas den Will Shakespeare. Wer an einem Wochenende Nachmittag und Abend auf die Burg kam, konnte dieselben Gesichter in völlig verschiedenen Rollen erleben.
Die Figur passt in keine Schublade: Das Sams ist weder Kind noch Tier.
Das Sams als Schauspieler-Rolle: wer es verkörperte
Für das Sams Schauspieler zu finden, die zugleich kindlich, frech und bühnensicher wirken, ist bei jeder Inszenierung die erste Besetzungsfrage.
Die Titelrolle ist eine seltsame Aufgabe. Die Figur passt in keine Schublade: Das Sams ist weder Kind noch Tier. Gespielt wird es von Erwachsenen, im Kino wie auf der Clingenburg von einer Frau.
Die Sams-Schauspieler der Kinofilme
In allen drei Kinofilmen verkörperte das Sams Schauspielerin Christine Urspruch. Neben ihr stand jedes Mal Ulrich Noethen als Bruno Taschenbier. In „Das Sams“ von 2001, inszeniert von Ben Verbong, gehörten außerdem Aglaia Szyszkowitz als Margarete März, Armin Rohde als Anton Mon, Eva Mattes als Vermieterin Annemarie Rotkohl und August Zirner als Oliver Oberstein jr. zum Ensemble. Der Film erhielt den Deutschen Filmpreis in Gold, Eva Mattes wurde als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet, Verbong und Noethen bekamen den Bayerischen Filmpreis.
„Sams in Gefahr“ folgte 2003, wieder unter der Regie von Ben Verbong. Constantin Gastmann spielte darin Martin Taschenbier, den Sohn. Für „Sams im Glück“, der am 29. März 2012 in die Kinos kam, übernahm Peter Gersina die Regie. Anna Thalbach trat dort als „Übersams“ auf. Das Drehbuch schrieb Paul Maar gemeinsam mit dem Produzenten Ulrich Limmer, wie schon bei den Vorgängern.
Lange vor den Kinofilmen hatte die Augsburger Puppenkiste die Figur bereits als Marionette auf den Bildschirm gebracht, in Verfilmungen von 1977 und 1980.
Das Sams auf der Clingenburg: Alexandra Kurzeja
Die Clingenburger Titelrolle spielte Alexandra Kurzeja, ausgebildet als Musicaldarstellerin mit Schwerpunkt Gesang und Schauspiel an der Stage School in Hamburg. Für sie war die Burg kein neues Terrain: In früheren Spielzeiten hatte sie dort in „My Fair Lady“ gespielt, die Annika in „Pippi Langstrumpf“, eine Vampirin im Musical „Dracula“ und die Titelrolle in „Die kleine Hexe“. Seit rund zehn Jahren gehört sie regelmäßig zum Ensemble der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg, dazu kamen Gastrollen am Schauspielhaus Kiel, am Landestheater Detmold und am St. Pauli Theater. Freilichterfahrung brachte sie von den Burgfestspielen Jagsthausen mit. Als Synchronsprecherin arbeitet sie außerdem.
Nach Annika und der kleinen Hexe war das Sams ihre dritte große Figur aus einem Kinderbuch auf dieser Bühne. Deren Vorlagen stammten von Astrid Lindgren und Otfried Preußler, 2019 dagegen stand mit Paul Maar ein Autor aus Unterfranken auf dem Spielplan.
Eine Woche voller Samstage: die Geschichte
Der Einfall, auf dem alles beruht, ist ein Kalenderwitz. In „Eine Woche voller Samstage“ erlebt der schüchterne Herr Taschenbier eine Woche, in der jeder Tag hält, was sein Name verspricht: Am Sonntag scheint die Sonne, am Montag kommt Herr Mon zu Besuch, am Dienstag hat Taschenbier Dienst, am Mittwoch ist die Mitte der Woche, am Donnerstag donnert es, am Freitag hat er frei. Folgerichtig muss das Wesen, das am Samstag auftaucht, ein Sams sein.
Das Sams erklärt Taschenbier sofort zu seinem „Papa“ und zieht bei ihm ein, sehr zum Ärger der strengen Vermieterin Frau Rotkohl, die keine Tiere im Haus duldet. Es isst alles, auch Dinge, die man nicht essen sollte, es reimt ohne Pause, es trägt einen Taucheranzug, und es hat eine Rüsselnase, Froschfüße, einen runden Bauch und rote Stachelhaare. Taschenbier, der eigentlich nur seine Ruhe will, lernt in dieser Woche, sich zu wehren. Das ist der eigentliche Kern der Geschichte: ein ängstlicher Erwachsener, dem ein respektloses Wesen beibringt, dass man nicht jede Demütigung hinnehmen muss.
Die blauen Punkte im Gesicht sind Wunschpunkte. Jeder davon erfüllt einen ausgesprochenen Wunsch, danach ist er weg. Wer schlampig formuliert, bekommt genau das, was er gesagt hat, und nicht das, was er gemeint hat. Aus dieser Regel ziehen die Bücher einen großen Teil ihrer Komik.
Eine Woche voller Samstage erschien 1973 im Verlag Friedrich Oetinger in Hamburg. Paul Maar hat seine Bücher anfangs selbst illustriert, spätere farbige Ausgaben zeichnete Nina Dulleck. Die Wortspiele machen Übersetzungen schwierig, weil schon der Name des Sams am deutschen Wort „Samstag“ hängt. Auf Niederländisch heißt die Figur „Zater“, auf Schwedisch „Lör“, jeweils abgeleitet vom Samstag der eigenen Sprache.
Das Sams als Buch: die Reihe in der Übersicht
Wer das Sams Buch für Buch verfolgt, bemerkt die langen Pausen zwischen den ersten Bänden. Sieben Jahre lagen zwischen dem ersten und dem zweiten, zwölf zwischen dem zweiten und dem dritten Band. Seit der Jahrtausendwende, in die auch die drei Kinofilme fallen, erscheinen die Fortsetzungen in deutlich dichterer Folge.
| Band | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| 1 | Eine Woche voller Samstage | 1973 |
| 2 | Am Samstag kam das Sams zurück | 1980 |
| 3 | Neue Punkte für das Sams | 1992 |
| 4 | Ein Sams für Martin Taschenbier | 1996 |
| 5 | Sams in Gefahr | 2002 |
| 6 | Onkel Alwin und das Sams | 2009 |
| 7 | Sams im Glück | 2011 |
| 8 | Ein Sams zu viel | 2015 |
| 9 | Das Sams feiert Weihnachten | 2017 |
| 10 | Das Sams und der blaue Drache | 2020 |
| 11 | Das Sams und die große Weihnachtssuche | 2022 |
Mit dem vierten Band verschiebt sich die Perspektive. Herr Taschenbier ist inzwischen Vater, und nun bekommt sein Sohn Martin ein Sams. Die späteren Titel verraten schon, womit sie spielen: mit einem Onkel Alwin, mit einem Sams zu viel, mit Weihnachten. Die Grundregel mit den Wunschpunkten bleibt dabei unangetastet. Seit 2024 kommen mit „Das Mini-Sams ist weg“ und „Geschichten vom Mini-Sams“ noch Geschichten für jüngere Leser hinzu.
Für Eltern, die mit dem Vorlesen anfangen wollen, ist der erste Band nach wie vor der beste Einstieg. Er ist in sich abgeschlossen, und die Wochentagslogik verstehen Kinder schon, bevor sie selbst lesen können. Das zweite Buch lohnt sich direkt danach, weil es die Figuren aus dem ersten weiterführt.
Paul Maar, der Autor
Paul Maar wurde am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren, also in Unterfranken, im selben Regierungsbezirk wie Klingenberg. Er schreibt Kinder- und Jugendbücher, Hörspiele und Theaterstücke und illustriert. Neben dem Sams gehören „Lippels Traum“ (1984) und „Die Eisenbahn-Oma“ (1981) zu seinen bekannten Titeln, mit „Kikerikiste“ (1972) hatte er schon vor dem Sams ein erfolgreiches Kinderstück geschrieben. 2020 veröffentlichte er mit „Wie alles kam“ einen Roman über seine eigene Kindheit.
Für sein Werk erhielt Maar 1996 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für das Gesamtwerk, 1997 die Hans-Christian-Andersen-Medaille und 1998 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Dass er selbst Theaterautor ist, merkt man den Sams-Büchern an. Die Szenen sind kurz, die Dialoge schnell, und fast jedes Kapitel hat eine Pointe, die auf einer Bühne funktioniert. Das erklärt zum Teil, warum gerade dieser Stoff so oft gespielt wird.
Das Sams im Film und auf der Bühne
Die drei Kinofilme haben das Bild der Figur für viele Kinder geprägt. Christine Urspruchs Sams ist für die Generation, die nach 2001 aufgewachsen ist, die Verkörperung schlechthin. Für die Bühne ist das Fluch und Segen zugleich: Das Publikum kommt mit einer festen Vorstellung, und jede Inszenierung muss sich dazu verhalten, ob sie das Kinobild aufgreift oder bewusst davon abweicht. Was das Sams Schauspielern auf einer Bühne abverlangt, läuft immer auf dieselbe Frage hinaus: nachahmen, was das Kinopublikum kennt, oder eine eigene Figur bauen, die eher aus den Zeichnungen stammt?
Umgekehrt gilt das auch. Wer zuerst die Filme kennt und danach das Sams Buch um Buch kennenlernt, trifft auf eine Figur, die nur aus Text und Strichzeichnung besteht, ohne Gesicht einer bestimmten Darstellerin. Das ist eher ein Gewinn, denn die Wortspiele haben im Buch mehr Platz als in jedem Drehbuch.
Auf deutschsprachigen Bühnen wird „Eine Woche voller Samstage“ regelmäßig für Familien gespielt, das Junge Theater Bonn etwa hat das Stück im Repertoire geführt. Neben Schauspielfassungen existiert eine Musiktheaterversion mit Musik von Rainer Bielfeldt, die etwa am Theater Pforzheim gespielt wurde. Welche Fassung die Clingenburger Inszenierung genau verwendete, ist nicht überliefert, belegt ist nur die Grundlage: die Erzählung von Paul Maar.
Für eine Freilichtbühne wie die Clingenburg passt der Stoff gut. Er braucht wenig Technik und kaum Kulissen, die Wunscherfüllungen lassen sich mit einfachen Theatermitteln erzählen, und die Figur des Sams lebt von Tempo und direkter Ansprache.
Die Spielzeit 2019 und das Ende der Festspiele
Das Sams war eine von vier Eigenproduktionen des Sommers 2019. Die Saison eröffnete am 30. Mai das Jugendstück „Tschick“, am 7. Juni folgte die „Rocky Horror Show“, am 16. Juni das Kinderstück und am 19. Juli „Shakespeare in Love“. Dazu kamen Gastkonzerte. Wolfgang Hofmann hatte das Programm gegenüber den Vorjahren verkleinert und klassische Schauspiele sowie Volkstheater gestrichen, das Kinder- und das Jugendstück blieben erhalten.
Am 11. August 2019 endete die 26. Spielzeit seit der Wiederbelebung 1994. Am 31. August meldete der Trägerverein Insolvenz an. Seither hat es keine Clingenburg Festspiele mehr gegeben, und so ist das Sams die letzte Kinderbuchfigur, die auf der Bühne der Burgruine zu sehen war. Was sonst in diesem Sommer gespielt wurde, steht in der Chronik 2019.
Ein Nebenaspekt, der gern übersehen wird: Das Buch zum Stück war während der Spielzeit in der Tourist-Information in der Hauptstraße erhältlich. Wer damals als Kind in der Vormittagsvorstellung saß, hat vielleicht noch die gebundene Oetinger-Ausgabe aus diesem Sommer im Regal.
Häufige Fragen
Wer hat das Sams erfunden?
Das Sams stammt von Paul Maar, geboren 1937 in Schweinfurt. Der erste Band, „Eine Woche voller Samstage“, erschien 1973 im Verlag Friedrich Oetinger.
In welcher Reihenfolge sollte man die Sams-Bücher lesen?
Am besten in der Erscheinungsfolge, beginnend mit „Eine Woche voller Samstage“ (1973) und „Am Samstag kam das Sams zurück“ (1980). Ab dem vierten Band, „Ein Sams für Martin Taschenbier“ (1996), steht Taschenbiers Sohn Martin im Mittelpunkt.
Wer spielt das Sams in den Kinofilmen?
In allen drei Realfilmen – „Das Sams“ (2001), „Sams in Gefahr“ (2003) und „Sams im Glück“ (2012) – spielt Christine Urspruch das Sams. Ulrich Noethen ist jeweils Bruno Taschenbier.
Wer spielte das Sams bei den Clingenburg Festspielen?
In der Inszenierung von 2019 übernahm die Musicaldarstellerin Alexandra Kurzeja die Titelrolle. Regie führte Intendant Wolfgang Hofmann.
Für welches Alter war die Clingenburger Fassung gedacht?
Die Aufführung war für Kinder ab fünf Jahren angelegt und dauerte rund 60 Minuten ohne Pause. Neben Nachmittagsvorstellungen gab es Vormittagstermine für Kindergärten und Schulen.
Was bedeuten die blauen Punkte im Gesicht des Sams?
Es sind Wunschpunkte. Jeder Punkt erfüllt einen ausgesprochenen Wunsch und verschwindet danach, weshalb man seine Wünsche sehr genau formulieren sollte.
