Pink Floyd ohne Laser, ohne Nebelwand und ohne das aufblasbare Schwein über der Bühne: Das war die Idee hinter „Barefoot to the Moon“, dem Akustikprogramm der Tributeband echoes. Im Sommer 2019 spielte die Band dieses Programm auf der Freilichtbühne der Clingenburg, und die Nachfrage war so groß, dass wenige Tage nach dem ersten Abend ein zweiter folgte.
Zwei Abende im Sommer 2019
Das erste Konzert fand am Mittwoch, 31. Juli 2019, um 19 Uhr statt, angekündigt als „echoes – An Acoustic Tribute to Pink Floyd“. Wegen der hohen Nachfrage setzten die Festspiele ein Zusatzkonzert am Montag, 5. August, ebenfalls um 19 Uhr, an. Die Karten kosteten je nach Rang 24, 28 oder 32 Euro.
Beide Abende lagen mitten in der Hochphase der Saison. An den Tagen davor und danach liefen die „Rocky Horror Show“ und „Shakespeare in Love“, die beiden Konzerttermine lagen also genau an Tagen, an denen kein Theaterstück angesetzt war. Solche Gastspiele gehörten zum festen Muster der Festspiele: Schon 2018 hatten das A-cappella-Quintett ONAIR mit einem Programm, das unter anderem Pink Floyd einschloss, und die niederländische Show „Woodstock – The Story“ das Jubiläumsprogramm ergänzt. 2019 kamen neben echoes auch die Beatles Revival Band am 24. Juni auf die Burg.
Den Vergleich mit dem Original muss man bei einer Tributeband immer mitdenken. Pink Floyd sind vor allem für ihre Großkonzerte bekannt, mit Rundleinwand, Lichtshow und Klangeffekten. Eine Burgruine mit drei Rängen und einer Linde mitten im Publikum ist das Gegenteil davon. Genau deshalb passte die akustische Fassung besser hierher als die große Show, mit der echoes sonst unterwegs ist.
Die Band echoes
echoes gilt als eine der erfolgreichsten Pink-Floyd-Tributebands in Deutschland und darüber hinaus. Gegründet wurde die Band Mitte der 1990er-Jahre von zwei Pink-Floyd-Anhängern, dem Schlagzeuger und dem Keyboarder, die seither die Konstante der Band sind. Den Namen gab ein Stück aus dem Pink-Floyd-Album „Meddle“ von 1971: „Echoes“, gut 23 Minuten lang.
In den Jahren danach spielte echoes mehr als 600 Konzerte in zwölf Ländern. Die große elektrische Show dauert fast drei Stunden und bildet die Bühnenproduktionen von Pink Floyd mit Licht, Videoprojektionen und Live-Klangregie nach. Für das Live-Album „Live from the Dark Side“ holte die Band Gastsänger wie Midge Ure von Ultravox und Michael Sadler von Saga dazu.
Eine prägende Figur war über rund zwei Jahrzehnte der Sänger und Gitarrist Oliver Hartmann. Der 1970 in Rüsselsheim geborene Musiker kam Anfang der 2000er-Jahre zur Band und ist außerhalb der Tributeszene vor allem aus dem Metal bekannt: Er sang bei At Vance, veröffentlichte Soloalben unter dem Namen Hartmann und sang auf mehreren Alben des Projekts Avantasia. Nach der Akustiktour im Januar 2024 verließ er echoes und spielt seither mit ehemaligen Mitmusikern unter dem Namen Pulse weiter. echoes selbst tritt mit neuer Besetzung weiterhin auf.
Das Programm: Pink Floyd ohne Strom
Die Idee zu „Barefoot to the Moon“ ging von Hartmann aus. Die Musik von Pink Floyd lebt von Synthesizerflächen, elektronischen Effekten und sehr viel Studiotechnik. Das Akustikprogramm dreht das um. Die Gitarren sind akustisch, die Flächen, die sonst aus dem Keyboard kommen, übernehmen Streicher, und auf der Bühne brennen Kerzen, wo sonst Laser schneiden. Ein Streichquartett gehört zum Ensemble, dazu kommen Klavier, Flöten und ungewöhnliche Instrumente, die die Struktur der Stücke freilegen. Mehr als 300 Konzerte hat die Band nach Angaben ihrer Konzertagentur allein in diesem Format gegeben.
2015 erschien das Programm als Live-Album beim Label Edel, 2016 auch als Blu-ray. Die Aufnahme dauert knapp 80 Minuten und umfasst zwölf Stücke:
- Shine On You Crazy Diamond
- High Hopes
- Welcome to the Machine
- Wish You Were Here
- The Great Gig in the Sky
- The Happiest Days of Our Lives
- Another Brick in the Wall
- Hey You
- Nobody Home
- Comfortably Numb
- Money
- Run Like Hell
Die Auswahl reicht von „The Dark Side of the Moon“ (1973), dem Album mit „Money“ und „The Great Gig in the Sky“, bis „The Division Bell“ (1994), aus dem „High Hopes“ stammt, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf „The Wall“. Welche Stücke auf der Clingenburg genau gespielt wurden, ist nicht überliefert.
Die Süddeutsche Zeitung nannte eine echoes-Show einmal schlicht „ein Spektakel“. Beim Akustikprogramm trifft das nur halb zu. Es ist leiser, näher, weniger überwältigend, und gerade das macht es für eine Freilichtbühne wie die Clingenburg interessant, auf der Abendlicht, Wind und Bäume ohnehin mitspielen und keine Nebelmaschine gebraucht wird.
Konzerte als Teil der Festspiele
Die Clingenburg Festspiele waren in erster Linie Theater. Konzerte von Gastbands ergänzten das Programm und sprachen Besucher an, die eher wegen der Musik als wegen eines Theaterstücks auf die Burg kamen. Das Zusatzkonzert am 5. August 2019 war eine der letzten Veranstaltungen der Festspiele überhaupt. Sechs Tage später endete die Saison, am 31. August meldete der Trägerverein Insolvenz an. Alle Produktionen und Gastspiele dieses letzten Sommers verzeichnet die Chronik 2019.
Häufige Fragen
Was ist „Barefoot to the Moon“?
Das akustische Pink-Floyd-Programm der deutschen Tributeband echoes. Im Mittelpunkt stehen akustische Gitarren, Streicher und ein bewusst sparsames Instrumentarium, Laser und Elektronik bleiben weg. 2015 erschien es als Live-Album.
Wann spielte echoes auf der Clingenburg?
Am Mittwoch, 31. Juli 2019, um 19 Uhr. Wegen der hohen Nachfrage wurde ein Zusatzkonzert am Montag, 5. August 2019, ebenfalls um 19 Uhr angesetzt.
Woher hat die Band ihren Namen?
Vom Pink-Floyd-Stück „Echoes“ auf dem Album „Meddle“ von 1971.
Welche Songs gehören zum Programm?
Auf dem Live-Album stehen unter anderem „Shine On You Crazy Diamond“, „Wish You Were Here“, „Comfortably Numb“, „Money“, „Hey You“ und „Another Brick in the Wall“.
