Spielzeit 2014 · Musical

My Fair Lady – das Musical der Clingenburg Festspiele 2014

„Es grünt so grün“ unter freiem Himmel: Im Sommer 2014 war „My Fair Lady“ das große Musical der Clingenburg Festspiele. Die Premiere fand am Mittwoch, 18. Juni 2014, um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne in der Burgruine statt, die letzte Vorstellung am 20. Juli. Knapp 13.000 Menschen sahen die Produktion, mehr als jedes andere Abendstück dieser Saison.

Die Inszenierung 2014

Für dieses Musical trat Intendant Marcel Krohn einen Schritt zur Seite. Er übernahm zum ersten Mal eine Hauptrolle, den Phonetikprofessor Henry Higgins, und gab die Regie an Claudia Nowotny ab. Die Eliza Doolittle spielte Julia Hell, die das Publikum der Clingenburg aus „Romeo und Julia“ von 2012 kannte, damals in einer reinen Schauspielrolle. Ihren Vater, den Müllkutscher Alfred P. Doolittle, gab Claus Wilcke, ein Schauspieler, der den Festspielen über Jahre verbunden blieb. 2017 stand er als Herr Schultz in „Cabaret“ und als Paule im „Münchner im Himmel“ auf derselben Bühne.

Eliza sprach in dieser Fassung Berlinerisch. Das war keine Erfindung der Clingenburg, sondern steht so in der deutschen Übertragung von Robert Gilbert, die aus dem Londoner Cockney einen Berliner Straßenjargon machte. Gespielt wurde mit Live-Orchester; im Graben saß unter anderen der Saxophonist und Klarinettist Alexander Gärtner, der auch bei „Zorro“ 2013 und später bei „Hair“ und der „West Side Story“ mitspielte. Zum Ensemble gehörte Alexandra Kurzeja, die im selben Sommer außerdem die Annika in „Pippi Langstrumpf“ spielte. Die Aufführungsrechte lagen beim Gallissas Theaterverlag in Berlin.

Termine

22 Vorstellungen standen zwischen dem 18. Juni und dem 20. Juli im Spielplan, die meisten um 20.30 Uhr, sonntags meist um 19 Uhr. Am Sonntag, 22. Juni, gab es eine Nachmittagsvorstellung um 15 Uhr mit Familienrabatt, der nur in der Tourist-Information der Stadt Klingenberg erhältlich war. Ab dem 24. Juli übernahm Hofmannsthals „Jedermann“ die Abende, parallel lief über den ganzen Sommer das Kinderstück „Pippi Langstrumpf“.

Das Musical: Loewe, Lerner und Shaw

„My Fair Lady“ hat Musik von Frederick Loewe, Buch und Gesangstexte stammen von Alan Jay Lerner. Vorlage ist George Bernard Shaws Komödie „Pygmalion“. Deren Uraufführung fand nicht in London statt, sondern am 16. Oktober 1913 in deutscher Übersetzung am Wiener Burgtheater. Der Titel spielt auf den Bildhauer aus der antiken Sage an, der sich in seine eigene Statue verliebt.

Am Broadway kam das Musical am 15. März 1956 im Mark Hellinger Theatre heraus, mit Julie Andrews als Eliza und Rex Harrison als Higgins. Es lief bis zum 29. September 1962, insgesamt 2.717 Vorstellungen, und gewann 1957 sechs Tony Awards, darunter den für das beste Musical. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte am 25. Oktober 1961 im Berliner Theater des Westens, mit Karin Hübner und Paul Hubschmid. 1964 verfilmte George Cukor den Stoff mit Audrey Hepburn und wieder mit Rex Harrison.

Worum es geht

London um 1912. Henry Higgins, Professor für Phonetik, hört nach einem Opernabend auf dem Blumenmarkt von Covent Garden die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle und ihr derbes Cockney. Mit seinem Kollegen Oberst Pickering wettet er, dass er aus ihr binnen weniger Monate eine Dame macht, die von der feinen Gesellschaft anerkannt wird; die Prüfung soll ein Diplomatenball sein. Eliza, die von einem warmen Zimmer träumt und davon, nie mehr zu frieren, erträgt dafür endlose Sprechübungen. Ihr Vater Alfred, ein trinkfreudiger Müllkutscher, lebt ohnehin am liebsten auf Kosten anderer und taucht vor allem auf, wenn es Geld zu holen gibt. Beim Pferderennen in Ascot verliebt sich der junge Freddy Eynsford-Hill in Eliza.

Die Wette geht auf. Doch nach dem Ball feiern die beiden Herren nur sich selbst, und Eliza merkt, dass sie in Higgins’ Augen ein Experiment geblieben ist. Sie verlässt sein Haus. Erst jetzt begreift Higgins, dass ihm etwas fehlt. Das Musical endet versöhnlich mit Elizas Rückkehr, lässt aber offen, was aus den beiden wird.

Die Lieder kennen viele auch ohne das Stück: „Es grünt so grün“, „Wart’s nur ab, Henry Higgins“, „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“ und Doolittles „Hei, heute Morgen mach ich Hochzeit“. Unter der Komödie liegt ein scharfer Blick auf die englische Klassengesellschaft, in der die Sprache verrät, wohin jemand gehört.

Wie das Stück in die Saison passte

Die 21. Spielzeit brachte den Festspielen deutlich mehr Publikum als das Jahr davor. Über 34.000 Besucher kamen zu den 58 Aufführungen, 5.500 mehr als 2013. „Pippi Langstrumpf“ zog rund 15.000 Kinder und Erwachsene an, „Jedermann“ 4.500, zwei Gastspiele, „The ABBA Tribute Show“ und „Men in Black“, zusammen 1.600. Den größten Anteil am Abendpublikum hatte „My Fair Lady“. Der Vorverkauf war nach Angaben des Vereins zunächst verhalten angelaufen und zog erst im Lauf des Sommers an.

Für 2015 entschieden sich Vorstand und Beirat auf Vorschlag von Krohn erneut für ein großes Musical, Frank Wildhorns „Dracula“. Die Übersicht über das Jahr steht in der Chronik 2014, die Namen der Ensemblemitglieder dieser Jahre auf der Seite zu den Darstellern.

Häufige Fragen

Wer führte bei „My Fair Lady“ 2014 Regie?

Claudia Nowotny. Intendant Marcel Krohn überließ ihr die Regie, weil er selbst zum ersten Mal eine Hauptrolle übernahm, den Professor Higgins.

Wer spielte Eliza Doolittle?

Julia Hell. Claus Wilcke spielte ihren Vater, den Müllkutscher Alfred P. Doolittle.

Wie viele Menschen sahen die Produktion?

Knapp 13.000 Besucher kamen zu den 22 Vorstellungen zwischen dem 18. Juni und dem 20. Juli 2014.

Auf welchem Stück beruht „My Fair Lady“?

Auf George Bernard Shaws Komödie „Pygmalion“, die am 16. Oktober 1913 in deutscher Übersetzung am Wiener Burgtheater uraufgeführt wurde.