Spielzeit 2017 · Musical

Cabaret – das Musical der Clingenburg Festspiele 2017

Willkommen im Kit Kat Klub, diesmal über dem Main: Am Mittwoch, 14. Juni 2017, eröffnete „Cabaret“ die 24. Spielzeit der Clingenburg Festspiele. Das Musical von John Kander und Fred Ebb war die große Eigenproduktion des Sommers, inszeniert von Intendant Marcel Krohn. Bis zum 6. August stand es 20 Mal auf dem Spielplan, öfter als jedes andere Abendstück der Saison.

Die Produktion 2017

Krohn verlegte das Berlin der frühen Dreißigerjahre auf die Freilichtbühne der Burgruine und setzte dabei auf ein bewusst sparsames Bühnenbild und aufwendige Kostüme. Die Ausstattung lag bei Marianne Heide, der Leiterin der Kostümabteilung. Timo Radünz schuf die Choreografien, Franz Garlik leitete die sechsköpfige Band und schrieb das musikalische Arrangement; an der Gitarre saß unter anderen Ingo Hunz, der schon 2013 bei „Zorro“ gespielt hatte. Die Aufführung dauerte etwa zweieinhalb Stunden.

Die Besetzung

Mariyama Ebel spielte die Sängerin Sally Bowles, voller Lebenshunger und Unruhe. Fabian Baecker war der schüchterne amerikanische Schriftsteller Cliff. Werner Wulz übernahm den Conférencier, den Gastgeber des Kit Kat Klubs, mit sichtlicher Lust an der Travestie. Franziska Krumwiede und Claus Wilcke spielten das alternde Paar Fräulein Schneider und Herrn Schultz, den jüdischen Obsthändler. Ramona Schmid war Fräulein Kost, Maik Eckhardt der Nationalsozialist Ernst Ludwig, Antonio Kosztics der Max. Als Kit Kat Girls tanzten Franziska Lißmeier, Sandra Leitner, Nadja Görts und Susanne Anders, Larius Phoulivong gehörte als Gast zum Ensemble. Viele von ihnen spielten im selben Sommer auch im „Münchner im Himmel und in der Hölle“, im „Zerbrochenen Krug“ oder im Kinderstück „Aladin“; die Übersicht bietet die Seite zu den Darstellern.

Wie die Inszenierung mit der Geschichte umging

Eine Besprechung aus der ersten Spielwoche hielt einige Regieentscheidungen fest. Die SA-Leute trugen auf der Armbinde statt eines Hakenkreuzes das Wort „ANGST“ in Spiegelschrift. Die Pause setzte Krohn unmittelbar nach dem Lied der SA auf der Verlobungsfeier von Fräulein Schneider und Herrn Schultz, was manche Zuschauer zunächst für das Ende hielten. Den zweiten Akt eröffneten die Kit Kat Girls in Tarnkleidchen und Springerstiefeln. Das Lied „Mein Herr“, das erst für den Film von 1972 geschrieben worden war, fehlte, das ebenfalls aus dem Film stammende „Vielleicht diesmal“ blieb im Programm. Zum Schlussapplaus erschien das gesamte Ensemble in der Kleidung von KZ-Häftlingen. Die Kritik lobte vor allem Wulz und Wilcke und bemängelte den Gesang in anderen Partien; die Rückschau der Festspiele nannte die Produktion dagegen eine gelungene Kostüm-Revue mit starken Darstellern. Dass ein Stück mit diesem Ende das Publikum nicht in Feierlaune entlässt, ist allerdings gewollt.

Termine und Karten

Gespielt wurde abends um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr; am Sonntag, 2. Juli, gab es zusätzlich eine Nachmittagsvorstellung um 15 Uhr. Die letzte Vorstellung war am Sonntag, 6. August. Für „Cabaret“ als Eigenproduktion galt eine Ermäßigung von 4 Euro für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler, Studenten, Schwerbehinderte ab 60 Prozent sowie Inhaber der Jugendleiter- und der Ehrenamtskarte. Mit einem Kombiticket ließ sich das Musical mit einem oder beiden Schauspielen der Saison verbinden.

Das Musical: Berlin 1929/30

„Cabaret“ entstand in New York. Die Musik schrieb John Kander, die Gesangstexte Fred Ebb, das Buch Joe Masteroff. Grundlage war John Van Drutens Schauspiel „I Am a Camera“ von 1951, das wiederum auf Christopher Isherwoods autobiografisch geprägten Berlin-Romanen „Mr. Norris steigt um“ (1935) und „Leb wohl, Berlin“ (1939) beruht. Am 20. November 1966 hatte das Musical im Broadhurst Theatre am Broadway Premiere, in der Regie von Harold Prince, und gewann 1967 sieben Tony Awards.

Die Handlung spielt zu Beginn der Dreißigerjahre in Berlin. Cliff Bradshaw, ein junger Amerikaner, will in der Stadt einen Roman schreiben. Über den Schmuggler Ernst Ludwig findet er ein Zimmer in der Pension von Fräulein Schneider und gerät in den Kit Kat Klub, wo die Engländerin Sally Bowles singt; bald zieht sie bei ihm ein. Seinen Unterhalt verdient Cliff mit Sprachunterricht. Fräulein Schneider verlobt sich mit dem Obsthändler Herrn Schultz, doch auf der Verlobungsfeier zeigt sich, dass Schultz Jude und der Gast Ernst Ludwig Nationalsozialist ist. Die Verlobung zerbricht. Cliff wird von Nazis verprügelt und will mit Sally nach Amerika, aber Sally bleibt im Klub. Durch alles hindurch kommentiert der Conférencier das Geschehen mit Nummern wie „Willkommen“, „Two Ladies“ und „If You Could See Her“, bis die Heiterkeit in offene Bedrohung umschlägt.

Weltbekannt wurde der Stoff durch Bob Fosses Film von 1972 mit Liza Minnelli als Sally, der acht Oscars gewann. Für den Film entstanden die Lieder „Mein Herr“, „Maybe This Time“ und „Money, Money“; wegen ihrer Bekanntheit werden sie in Neuinszenierungen meist eingefügt.

Ein politisches Musical in der Burgruine

Mit „Cabaret“ wählte Marcel Krohn für 2017 ein Musical, das neben Tanz und Gesang eine deutliche Warnung trägt. Nach „Zorro“ 2013, „My Fair Lady“ 2014, „Dracula“ 2015 und „Hair“ 2016 war es sein vorletztes großes Musical als Intendant, bevor 2018 die „West Side Story“ folgte. Die weiteren Stücke des Sommers beschreibt die Chronik 2017.

Häufige Fragen

Wann lief „Cabaret“ auf der Clingenburg?

Vom 14. Juni bis zum 6. August 2017, mit 20 Vorstellungen. Premiere war am Mittwoch, 14. Juni 2017, um 20 Uhr.

Wer spielte die Hauptrollen?

Mariyama Ebel war Sally Bowles, Fabian Baecker der Schriftsteller Cliff, Werner Wulz der Conférencier. Franziska Krumwiede und Claus Wilcke spielten Fräulein Schneider und Herrn Schultz.

Wer inszenierte?

Intendant Marcel Krohn. Die musikalische Leitung hatte Franz Garlik, die Choreografie Timo Radünz, die Ausstattung Marianne Heide.

Wie lange dauerte die Aufführung?

Rund zweieinhalb Stunden einschließlich Pause.