Bier, Himmel, Hölle und ein Dienstmann, der nirgends seine Ruhe findet: Am Donnerstag, 29. Juni 2017, hatte auf der Clingenburg das bayerische Volksstück „Ein Münchner im Himmel und in der Hölle“ Premiere. Alfons Schweiggert hat es nach Ludwig Thomas berühmter Satire und nach Franz von Kobells „Brandner Kaspar“ geschrieben. Regie führte Intendant Marcel Krohn, der 2017 alle drei großen Abendstücke der Festspiele inszenierte.
Die Produktion 2017
Die Titelfigur, den Münchner Dienstmann Alois Hingerl, spielte Günther Brenner, trocken und lakonisch. Werner Wulz war der Boandlkramer, der bayerische Tod, und stand damit im selben Sommer auch als Conférencier in „Cabaret“ auf der Bühne. Claus Wilcke spielte den Landstreicher Paule, Franziska Krumwiede die Gattin Zenzi, die ihrem Mann im Wirtshaus eine Szene macht. Ramona Schmid war die Kellnerin Kathi und spielte dabei Akkordeon. Den Freund Sepp gab Franz Garlik, der in derselben Saison die musikalische Leitung von „Cabaret“ hatte.
Im Himmel empfing Konrad Adams als Petrus den Neuankömmling, Susanne Anders war ein Erzengel. Die Hölle bevölkerten Maik Eckhardt als Teufel Sparifankerl und Fabian Baecker als Ambrosius; Mariyama Ebel, die Sally Bowles aus „Cabaret“, spielte die Ärztin. Eine Rolle war ohne Darsteller auf der Bühne: Die Stimme Gottes hatte der Liedermacher Konstantin Wecker eingesprochen. Die Kostüme stammten von Marianne Heide, als Assistentin arbeitete Nadja Görts.
Das Stück lebte vom Wirtshaushumor und von deftigen Flüchen auf Bayerisch, und spätestens bei „In München steht ein Hofbräuhaus“ sang das Publikum mit. Die regionale Presse feierte die Produktion, eine Besprechung titelte „Das Paradies ist im Hofbräuhaus“. In der Rückschau auf die Saison betonten die Festspiele, dass Krohn unter dem Jux auch politische Anspielungen versteckt hatte.
Termine und Karten
Acht Vorstellungen standen zwischen dem 29. Juni und dem 5. August im Spielplan, meist um 20 Uhr, sonntags um 19 oder 15 Uhr. Die Sonntagsvorstellung am 30. Juli um 15 Uhr war als Familiennachmittag angelegt: Jugendliche bis 18 Jahre zahlten in Begleitung ihrer Eltern 5 Euro. Regulär kosteten die Plätze 32, 28, 24 oder 20 Euro. Wer eine Karte für „Cabaret“ dazukaufte, bekam einen Kombipreis, der sich auch auf Kleists „Der zerbrochene Krug“ ausdehnen ließ.
Das Stück: Thoma, Kobell und Schweiggert
Alfons Schweiggert, 1947 in Altomünster geboren, war Pädagoge und leitete bis 2009 ein Münchner Institut für Schulqualität und Bildungsforschung; daneben schrieb er zahlreiche Bücher. Die Anregung zu diesem Stück gab ihm Kurt Wilhelm, der den „Brandner Kaspar“ für die Bühne bearbeitet hatte. „Ein Münchner im Himmel und in der Hölle“ entstand 1999, ist in bairischer Mundart geschrieben und als Komödie in drei Akten mit Vor- und Nachspiel angelegt, für fünf Darstellerinnen und sieben Darsteller. Der erste Akt spielt in einem Nebenraum des Hofbräuhauses, der zweite im Himmel, der dritte in der Hölle, das Nachspiel wieder im Hofbräuhaus.
Die Handlung beginnt beim Bier. Alois Hingerl plaudert mit Kathi, Paule und Sepp, bis seine Frau hereinplatzt, weil er wieder nicht zur Arbeit erschienen ist. Die Aufregung ist zu viel, Alois erleidet einen Herzinfarkt, und schon steht der Boandlkramer vor ihm. Ein Versuch, den Tod auszutricksen, scheitert. Im Himmel gibt es kein Bier, also geht Alois freiwillig in die Hölle, doch auch dort wird er nicht froh und bringt alle zur Verzweiflung.
Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“
Die Vorlage erschien 1911 im „Simplicissimus“, mit Zeichnungen von Olaf Gulbransson. Bei Thoma ist Alois Hingerl Dienstmann Nummer 172 am Münchner Hauptbahnhof. Er stirbt beim eiligen Erledigen eines Auftrags und kommt in den Himmel, wo er als „Engel Aloisius“ eine Harfe bekommt und nach himmlischer Vorschrift frohlocken soll. Statt Bier gibt es Manna, und Alois schimpft so laut, dass Gott ihn für den Himmel ungeeignet findet. Er soll stattdessen der bayerischen Regierung göttliche Ratschläge überbringen. Auf dem Weg dorthin kehrt er im Hofbräuhaus ein, bleibt beim Bier sitzen und vergisst den Auftrag. Die göttlichen Ratschläge sind nie angekommen.
Der „Brandner Kaspar“
Aus Kobells Erzählung, 1871 in den „Fliegenden Blättern“ erschienen, stammt der Boandlkramer. Dort macht der alte Schlosser Brandner Kaspar den Tod mit Kirschgeist betrunken und gewinnt ihm beim Kartenspiel 18 zusätzliche Lebensjahre ab, was im Himmel für einiges Durcheinander sorgt. Joseph Maria Lutz machte daraus 1934 ein Volksstück; Kurt Wilhelm, ein Urgroßneffe Kobells, schrieb 1975 für das Münchner Residenztheater eine neue Fassung mit zusätzlichen komischen Himmelsszenen; sie wurde mehr als 1.000 Mal gespielt und von über 60 Theatern übernommen.
Volkstheater als eigene Sparte
Das Volksstück gehörte unter Marcel Krohn zum festen Angebot der Clingenburg, neben dem Musical und dem Klassiker. 2018 folgte noch „Der verkaufte Großvater“. Mit der Saison 2019 strich der neue Intendant Wolfgang Hofmann diese Sparte, und der „Münchner“ von 2017 blieb eine der letzten Mundartkomödien in der Burgruine. Was sonst in jenem Sommer lief, verzeichnet die Chronik 2017.
Häufige Fragen
Von wem stammt „Ein Münchner im Himmel und in der Hölle“?
Das bayerische Volksstück schrieb Alfons Schweiggert 1999. Es verbindet Ludwig Thomas Satire „Der Münchner im Himmel“ mit Motiven aus Franz von Kobells „Brandner Kaspar“.
Wer spielte den Alois Hingerl?
Günther Brenner. Werner Wulz war der Boandlkramer, Claus Wilcke der Landstreicher Paule.
Wie oft lief das Stück 2017?
Acht Mal, von der Premiere am 29. Juni bis zum 5. August 2017. Am 30. Juli gab es einen Familiennachmittag, bei dem Jugendliche in Begleitung der Eltern 5 Euro zahlten.
Wer sprach die Stimme Gottes?
Der Liedermacher Konstantin Wecker. Seine Stimme war eingespielt, er stand nicht selbst auf der Bühne.
